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Hanks Welt : Pizza statt Pasta

Pizza ist lecker - aber nur, wenn sie nicht als Ersatz für Pasta herhalten muss. Bild: Yannik Noah Wild

Kurzarbeit ist auf Dauer auch keine Lösung - und führt dazu, dass die Konjunktur langsamer wieder anspringt.

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          Wochen mussten wir warten, bis wir endlich wieder unseren Jour fixe bei unserem Lieblingsitaliener reanimieren konnten. Stets teilen wir uns eine Portion Penne Salsiccia, Nudeln in Tomatensoße mit guter italienischer Wurst. Man hat so seine Gewohnheiten. Umso größer war die Enttäuschung, dass lediglich Pizza und zwei, drei Salate auf der Karte angeboten wurden. Aber keine Pasta.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Okay, ein Luxusproblem. Doch Enttäuschungen sind eben auch Gefühle und haben immerhin unsere Nachfrage provoziert, warum es keine Penne gebe. Die Antwort der freundlichen Bedienung: Man könne sich im Moment nur den Pizzabäcker leisten, der Nudelkoch bleibe zu Hause auf Kurzarbeit. Das hat uns nur zur Hälfte überzeugt. Denn die Nachfrage am vergangenen Mittwoch sah nicht schlecht aus, fast wie in alten Zeiten. Zumal dem Restaurant jetzt auch der komplette Bürgersteig für Tische zur Verfügung steht, um die Abstandsregeln zu kompensieren. Ausweitung der Bedienzone, sozusagen.

          Nachfragen bei Verbänden und Freunden ergeben: Mein Italiener ist kein Einzelfall. Warum machen sie das? Einen Hinweis entnehme ich einem neuen Ifo-Papier von Rüdiger Bachmann und Kollegen: Es herrscht viel Unsicherheit in der Welt. Unsicherheit klingt psychologisch weich, hat aber harte ökonomische Konsequenzen. Firmen, die unsicher sind, heißt es in dem Arbeitspapier, reduzieren in Krisenzeiten besonders häufig die Belegschaftszahlen. Die Gastronomie hatte in den harten Corona-Zeiten für fast hundert Prozent der Beschäftigten Kurzarbeit angemeldet; zudem verzeichnet die Branche besonders viele Entlassungen. Kein Wunder: Die Kundschaft ist ebenfalls verunsichert, löffelt mittags einsam im Homeoffice in den Vorstädten statt gesellig beim Geschäftsessen in den Innenstädten. Außer den Spesenkommissaren der Firmen freut das niemanden.

          Lieber Staatsgeld statt Umsatz

          Einen ganz anderen Hinweis verdanke ich meinem Friseur. Der Laden brummt. Klar, die Leute wollen endlich ihre Matte runter haben. Doch auch mein Friseur sagt, ein Teil der Belegschaft sei weiterhin in Kurzarbeit. Gewiss, er kann wegen der Abstandsregeln nur an jedem zweiten Stuhl färben, schneiden und kämmen. Er könnte aber auch seine Öffnungszeiten erweitern – noch nie habe ich verstanden, warum am Montag beim Barbier geschlossen ist. Außerdem ist uns Männern coronabedingt der Trockenschnitt verwehrt; die obligatorische Haarwäsche bringt zusätzlichen Umsatz.

          Der Friseur rechtfertigt die weiter in Anspruch genommene Kurzarbeit auch gar nicht mit fehlenden Umsätzen, sondern mit der Angst, bei einem abermaligen Shutdown infolge einer möglichen zweiten Infektionswelle den Anspruch auf Kurzarbeit zu verlieren. Ein solche Regelung gibt es zwar nicht. Gemeint ist aber: Das „Arbeit-für-Morgen-Gesetz“ (wie die immer ihre Namen finden!) der Bundesregierung von Mitte Mai regelt, dass die von der Bundesagentur gezahlten Leistungen gestaffelt sind nach dem Motto „Je länger, je mehr“. Erst gibt es 60 Prozent vom Nettolohn, vom vierten Monat an dann 70 Prozent und vom siebten Monat an sogar 80 Prozent (für Beschäftigte mit mindestens einem Kind 87 Prozent). Nüchtern betrachtet lohnt es sich also für Arbeitnehmer wie Arbeitgeber, ihre Belegschaften nicht zu früh aus der Kurzarbeit zu entlassen. Man würde auf Staatsgeld verzichten; lieber verzichtet man auf Umsatz.

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