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Hanks Welt : Ein Herz für Frau Sparsam

Ein kleiner Kreis der Superreichen zahlt wenig oder gar keine Erbschaftsteuern, denn ihr Vermögen besteht zu großen Teilen aus großen Firmen. Bild: dpa

Wer sein Geld zusammenhält, erfreut die Erben. Das sollte der Staat nicht bestrafen.

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          Anfang Dezember machten Zahlen die Runde, wonach auf Erbschaften oder Schenkungen von mehr als zehn Millionen Euro hierzulande keine oder nur geringe Steuern bezahlt werden. So wurden im Jahr 2018 an gut 600 Deutsche zusammen 31 Milliarden Euro weitergegeben, auf die im Schnitt nur 5 Prozent Steuern fällig wurden. Zwei Drittel der 40 Bürger, die 100 Millionen Euro oder mehr erbten, gingen gar komplett steuerfrei aus.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Aufschrei war absehbar, und er war laut. Während ein deutscher Facharbeiter mit der Progression rasch in den Spitzensteuersatz von 42 Prozent rutsche, schlichen sich die superreichen Erben schadlos und ganz legal am Fiskus vorbei. Solche Überlegungen sind nicht der geringste Grund dafür, warum Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken am vergangenen Wochenende an die Spitze der SPD gewählt wurden: Die Umverteilung von oben nach unten ist ihr zentrales politisches Ziel. Eine Erhöhung der Erbschaftsteuer passt gut in dieses Programm. Der Test, wie groß die Zustimmung dafür unter den Wählern und nicht nur unter den Bürgern mit SPD-Parteibuch sein wird, steht freilich noch aus.

          Umverteilung ist zwar populär (solange sie nicht den eigenen Geldbeutel betrifft), aber die Erbschaftsteuer war noch nie besonders beliebt. Dafür gibt es rationale Gründe. Der Harvard-Ökonom Gregory Mankiw (von ihm stammt ein verbreitetes Lehrbuch der Wirtschaftswissenschaften) hat kürzlich anlässlich einer Debatte über Ungleichheit ein kleines Quiz konstruiert, das – leicht abgewandelt – nachzuerzählen sich lohnt: Vergleichen wir zwei Topmanager, die jeweils ein jährliches Einkommen von zehn Millionen Euro beziehen. Der Vergleich ist nicht unrealistisch, das angenommene Gehalt entspricht ungefähr der Summe, die Allianz-Vorstand Oliver Bäte 2018 ausgezahlt bekam. Den ersten Topmanager im Quiz nennen wir Herrn Verschwenderisch. Der zweite Topverdiener ist eine erfolgreiche Managerin, die wir Frau Sparsam nennen wollen.

          Wer sollte höher besteuert werden?

          Herr Verschwenderisch macht seinem Namen alle Ehre, fährt gerne Ferrari, gönnt sich teuren Bordeaux im Drei-Sterne-Restaurant und reist zu seinen exquisiten Urlaubszielen mit seiner jungen Begleitung am liebsten mit seinem Privatjet. Andere bekommen Geld von ihm nur dann, wenn Verschwenderisch sich davon einen Nutzen verspricht. Das können Lobbyorganisationen seiner Branche sein oder Parteien, die ihren Wählern kräftige Steuersenkungen versprechen. Frau Sparsam, die Kollegin aus derselben Einkommensklasse, verhält sich ganz anders. Sie lebt bescheiden und verantwortungsvoll. Statt Lobbyisten zu schmieren, gründet sie lieber Start-up-Firmen und finanziert junge, kreative Unternehmerinnen mit ihrem Geld. Jetzt, in der Adventszeit, spendet sie ansehnliche Beträge für mildtätige Zwecke. Und sie fährt mit der Bahn, wenn auch erster Klasse. Weil Frau Sparsam erfolgreich ist, bleibt ihr am Ende der Karriere immer noch ein Millionenvermögen, das sie ihren Kindern und Enkeln vererben möchte.

          Die Quizfrage lautet nun: Wer sollte höher besteuert werden, Herr Verschwenderisch oder Frau Sparsam? Ich mache jede Wette, dass die meisten Menschen finden, Verschwenderisch müsse vom Fiskus stärker zur Kasse gebeten werden als Sparsam. Doch das Gegenteil ist der Fall. Gewiss, beider Einkommen wird erst einmal gleich besteuert. Doch Verschwenderisch verjuxt alles gleich wieder, während Sparsam Erbschaftsteuer zahlen muss. Lediglich 400.000 Euro bei den Kindern und nur 200.000 Euro bei den Enkelkindern bleiben steuerfrei. Der Rest unterliegt einem Tarif von bis zu 30 Prozent für alle Erbschaften, die über 26 Millionen Euro liegen. In diesem Fall gingen dann also mindestens 8,7 Millionen Euro an den Staat.

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