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Hanks Welt : Der Kardinal aus Köln

Joseph Höffner (Mitte) 1980 in Fulda zusammen mit dem damaligen Papst Johannes Paul II. (rechts) Joseph Ratzinger, damals Kardinal und später Papst Bild: Picture-Alliance

Joseph Höffner wusste noch, dass Katholizismus und Kapitalismus gut zusammenpassen. Wir sollten besser auf ihn als auf Papst Franziskus hören.

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          Seit der jüngsten Enzyklika „Fratelli tutti“ („Über die Geschwisterlichkeit“) aus der Feder von Papst Franziskus wissen wir: Diesen Papst haben die Katholiken nicht verdient. Wer Populismus und Liberalismus auf eine gemeinsame Stufe heutiger Irrlehren stellt, wer keinen Blick hat für die Wohlstand schaffende Kraft der Marktwirtschaft, der bringt sich mutwillig um seine Autorität.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zyniker werden sagen: Was soll man von Papst und Kirche auch anderes erwarten? Martin Rhonheimer, ein in Wien forschender liberaler Theologe, kein Zyniker, konstatiert, die sogenannte kirchliche Soziallehre laufe seit der Enzyklika „Quadragesimo anno“ von Papst Pius XI. im „Kielwasser des Zeitgeistes“. 1931 schwärmte der Papst von einem „dritten Weg“ zwischen Kapitalismus und Sozialismus. In den sechziger und siebziger Jahren nahm die Kirche dann Anleihen bei marxistischen Verelendungstheorien. Heute wird aus Rom ein bunter Strauß beliebiger Meinungen feilgeboten: ein bisschen Globalisierungskritik hier, ein wenig Klima-Ethik dort. Nichts, was es andernorts nicht längst besser gäbe. Aber eben nichts Originäres, was aus der großartigen intellektuellen Tradition einer Glaubensgemeinschaft wert wäre, erinnert zu werden. Gesellschaftliche Irrelevanz der Kirche ist die Folge.

          Ein Bauernsohn aus dem Westerwald

          Das war nicht immer so. Zu Ende meiner Polemik gegen die Enzyklika „Fratelli tutti“ vor zwei Wochen hatte ich auf den ehemaligen Kölner Kardinal Joseph Höffner (1906 bis 1987) und seine Nähe zur Freiburger Tradition der Sozialen Marktwirtschaft hingewiesen. Rückfragen belehrten mich, dass der Kölner Kardinal heutzutage – von Fachkreisen abgesehen – nicht mehr bekannt ist. Deshalb trage ich hier ein kleines Porträt des Kölner Kardinals nach, den auch ich in den siebziger und achtziger Jahren – dem Zeitgeist verhaftet – für einen verknöcherten Reaktionär gehalten habe.

          Joseph Höffner wird an Heiligabend, dem 24. Dezember 1906, in Horhausen, einem Dorf im Westerwald, als Bauernsohn geboren. Als Ältester war er zum Hofnachfolger prädestiniert. Doch der Dorfpfarrer machte den Eltern den Vorschlag, ihn auf das Gymnasium nach Montabaur zu schicken, nicht ohne ihm zuvor schon etwas Latein beigebracht zu haben. Von Montabaur wechselte Höffner an das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium nach Trier, wo auch Karl Marx und der Jesuitentheologe Oswald von Nell-Breuning ihr Abitur gemacht hatten.

          Danach ging alles schnell. Höffner wurde zum Studium nach Rom geschickt, wo er in atemberaubendem Tempo diverse akademische Grade erwarb. Einer philosophischen Promotion 1929 folgte eine erste theologische Doktorarbeit über „soziale Gerechtigkeit und soziale Liebe“, anschließend 1938 eine weitere theologische Dissertation über „Bauer und Kirche im deutschen Mittelalter“. Zurück in Deutschland, studierte Höffner in Freiburg Volkswirtschaftslehre, promovierte 1940 bei Walter Eucken, einem der Begründer der Sozialen Marktwirtschaft der Bundesrepublik. Schließlich kam 1942 noch eine Habilitation hinzu mit dem Titel „Christentum und Menschenwürde“, wo Höffner sich mit der spanischen Kolonial-Ethik des sogenannten Goldenen Zeitalters beschäftigte. Inzwischen hatte er die Priesterweihe empfangen und ging neben seinen Studien als Stadtpfarrer in Trier einem Fulltime-Job nach.

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