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Rainer Hank Bild: F.A.Z.

Hanks Welt : Entmachtet die Kapitalisten!

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Ein bescheidener Vorschlag für das neue Grundsatzprogramm der CDU.

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          Dass es der CDU ziemlich schlechtgeht, hat sich herumgesprochen. Spannender ist es, einmal darüber nachzudenken, wie es den Christdemokraten bessergehen könnte. Da hätten wir heute einen kleinen sozialpolitischen Vorschlag, obwohl wir weder zu den inoffiziellen oder offiziellen Beratern der Partei zählen noch gar zu ihren regelmäßigen Wählern. Aber man wird ja wohl – aus Interesse am Wiedererstarken einer einst stolzen Partei – sich seine Gedanken darüber machen dürfen.

          Die Wurzeln der CDU, pflegen sie im Berliner Adenauerhaus zu sagen, sind „konservativ, christlich und liberal“. In Anknüpfung an diese Tradition werkeln sie dort derzeit an einem neuen Grundsatzprogramm und einer Wiederbelebung der Sozialen Marktwirtschaft. Ziel ist es, „durch den Markt das Soziale zu erreichen“, so sagt es jedenfalls Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer. Allein dies ist bemerkenswert. Seit 2007 haben sich die Christdemokraten nicht mehr ums Grundsätzliche gekümmert; ideologiefreier Pragmatismus sollte das Markenzeichen der Parteivorsitzenden werden.

          Oswald von Nell-Breuning hat eine Idee

          Hier also der Vorschlag, dem es vor allem um die Wiederbelebung der christlichen und liberalen Tradition geht. Zum Einstieg empfiehlt sich die Lektüre eines kleinen Aufsatzes von Oswald von Nell-Breuning aus dem Jahr 1953, der den Titel „Zur Überwindung des Lohnarbeitsverhältnisses“ trägt. Das waren damals nach dem Krieg noch Zeiten, als die Katholiken sich nicht nur mit sich selbst beschäftigen mussten, sondern als gesellschaftliche Kraft ernst genommen wurden!

          Nell-Breuning war Jesuitenpater, Ökonom und gilt als Nestor der katholischen Soziallehre; 1991 ist er im stolzen Alter von 101 Jahren gestorben. Sein Ausgangspunkt ist die eklatante Ungleichheit in der Verteilung der Vermögen, die ihm aus christlicher Sicht ungerecht erschien. Die herrschende Lehre unter Gewerkschaftern und christlichen Sozialisten (so etwas gab es damals) wollte in den fünfziger Jahren mit einer aggressiven Lohnpolitik die Unterschiede zwischen Arm und Reich einebnen.

          Nell-Breuning schlägt den umgekehrten Weg vor: Macht die Arbeiter zu Kapitalisten. Das etwas dröge Stichwort dafür heißt: Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand. Die Arbeiter sollen Aktien besitzen. Damit werden sie am Wachstum und Gewinn des Kapitals einer Volkswirtschaft beteiligt. Das muss damals ziemlich revolutionär geklungen haben. Aktien waren den Deutschen habituell fremd. Mein Vater, obwohl bei einer Bank beschäftigt, schwor auf „Festverzinsliche“, also Anleihen – und das war schon fortschrittlich.

          Arbeitnehmer-Aktien werden beliebter

          Fünfzehn Jahre nach Nell-Breunings Vorschlag machten sich die Idee einer Aktienrevolution auch die im „Verein für Socialpolitik“ zusammengeschlossenen liberalen Ökonomen Deutschlands zu eigen. Ihre Jahrestagung 1968 stand unter dem Rahmenthema „Lohnpolitik und Einkommensverteilung“. Nur wenn die Lohnpolitik mit wirksamer Vermögenspolitik gekoppelt werde, bestehe die Chance, die herrschende Einkommensverteilung wirksam zu verändern, formulierten die Wissenschaftler. Christliche und liberale Denker waren sich einig, es müsse mit marktwirtschaftlichen Strategien möglich sein, die vom Markt erzeugte Ungleichheit der Menschen zu verringern. Entmachtet die Kapitalisten; schlagt sie mit ihren eigenen Waffen!

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