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Hanks Welt : Im Diesel-Wahn

Die Verwirrung ist größer denn je, mein Ärger erst recht.

Umso härter traf mich Ende der Woche die Nachricht von der Kehrwende der Kanzlerin und dem Eingeständnis, sie könne nun doch nichts mehr tun für mich und meinen Diesel. Irgendwie habe man sich vermessen: Frankfurt sei im Schnitt nicht mit 47, sondern mit 54 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter Luft verpestet, und da komme alle Verhältnismäßigkeit an ihre Grenzen. Am 1.9. 2019 also ist, wenn nicht noch ein Luftwunder geschieht, für mich Schluss. Die aktuelle Auskunft von BMW wird Makulatur. Die Beruhigungsaktion der Kanzlerin erst recht.

Worauf soll man sich dann noch verlassen? Auf die eigene Anschauung, denke ich, und mache mich auf in die Friedberger Landstraße. Das ist dieseltechnisch gesehen jener Ort, der in Stuttgart „Neckartor“ heißt – die alles entscheidende Luftmessstation für uns Frankfurter. Sie zeichne sich durch ihre Nähe zu Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen aus sowie durch ihre Plazierung in Straßenschluchten, wodurch die Verteilung von Schadstoffen eingeschränkt und hohe Konzentrationen erreicht würden, heißt es auf der Homepage des Landes Hessen. Will sagen, man misst da, wo man von vornherein hoffen darf, dass schlechte Werte herauskommen. Ich nehme deshalb lieber das Fahrrad, um nicht durch eigenes Verschulden die Dinge zu verschärfen.

Tatsächlich ist die Friedberger Landstraße 84, wo die Messbox steht, nicht wirklich ein lauschiges Plätzchen: Viele Autos, die Straßenbahn, ein Thailänder, ein Vietnamese, der CVJM und ein Frankfurter Wasserhäuschen (hochdeutsch: Trinkhalle). Aus dem Wahlkampf ist noch ein Plakat eines Auftritts hängengeblieben mit der Grünen-Vorsitzenden Annalena Baerbock und mit Joschka Fischer, „ehemaliger Außenminister“. Wohnen wollte man hier nicht unbedingt. Aber die NOx-Werte in der Friedberger, die sich online gleichzeitig ablesen lassen, sind an diesem Donnerstagmittag gegen 12 Uhr mit 26 Mikrogramm gar nicht so übel, 14 Punkte unter dem zulässigen Durchschnittswert. Die Freude hält allerdings nur kurz an: Denn der aktuelle Wert sagt natürlich gar nichts. Die Sache gegen die Dieselfahrer ist dann entschieden, wenn der aktuelle Wert häufiger als 18-mal im Jahr über 200 Mikrogramm steigt. Daran, dass das in dieser straßenschluchtig-unwirtlichen Gegend öfters mal passieren kann, habe ich keinen Zweifel.

Und nun? Die Verwirrung ist größer denn je, mein Ärger erst recht. Bouffier und seine Freunde wollen mich in eine Hardware-Nachrüstung schicken, obwohl BMW doch sagt, softwaremäßig sei bei mir alles in Ordnung. Das würde 3000 Euro kosten, wird aber bislang gar nirgends angeboten. Wer zahlt, ist ebenfalls völlig offen. Ich jedenfalls zahle nicht, so viel steht fest. Ich will zur Strafe noch einen Aufschlag haben – für das gebrochenen Vertrauen. Ob Herr Bouffier oder Herr Krüger zahlt, ist mir egal. Gerne auch beide. „Vertrauen“, sagt der Ökonomie-Nobelpreisträger Kenneth Arrow, sei die wichtigste ökonomische Ressource: „Es ist Schmiermittel eines sozialen Systems, extrem effizient und bietet ein faires Maß der Verlässlichkeit“. Schmiermittel passt, metaphorisch gesehen, ganz gut zum Diesel, finde ich.

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