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Hanks Welt : Die Revolution der Arbeitswelt

Neue Arbeitswelt: Auch nach der Pandemie wollen die Deutschen viel im Homeoffice arbeiten. Bild: Norman Konrad/laif

Manche Dinge werden nach der Pandemie nicht wieder so sein wie vorher: Was das Homeoffice mit Donuts zu tun hat.

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          In Frankreich hat die Revolution am Tisch begonnen. Per Gesetz war es bis noch vor einem Jahr den Franzosen verboten, ihre Mittagsmahlzeit am Schreibtisch einzunehmen. Das hat Stil. Wozu hat man schließlich all die wunderbaren Restaurants, in denen der Angestellte zwei Stunden mit seinesgleichen essen und plaudern kann.

          Rainer Hank
          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Früher, so habe ich es in den sechziger Jahren in der Bretagne erlebt, da kam der Herr des Hauses, Leiter einer Sparkassenfiliale in Nantes, gegen ein Uhr nach Hause, setzte sich an den gedeckten Tisch, legte sich dann aufs Sofa, um gegen halb vier seine Filiale wieder zu öffnen. Dann kam die Revolution: Im Februar 2020 wurde das Lunchverbot am Arbeitsplatz per Dekret staatlich aufgehoben. Und der Verfall der Tischsitten nahm seinen Lauf. Wer weiß, wozu der Feldversuch am Ende führt und ob es am Ende eine nennenswerte Zahl von Franzosen gibt, die im Büro oder im Home­office ihr Sandwich mümmeln wollen.

          Covid 19 lässt sich als eines der größten Sozialexperimente der neueren Geschichte deuten. Die Arbeitswelt wird am Ende nicht mehr so sein wie Anfang 2020. Wenn einmal der letzte Mensch geimpft ist und RKI-Chef Wieler die Ausrottung des Virus amtlich verkündet hat – eines bleibt uns: das Homeoffice. In den zwanzig Jahren seit der Jahrtausendwende hat der Anteil der zu Hause Arbeitenden Jahr für Jahr gerade einmal um fünf Prozent zugenommen. 2020 waren es dann auf einmal 12.000 Prozent.

          Fachleute erwarten, dass nach Corona rund ein Viertel der bezahlten Arbeit zu Hause erledigt werden wird. Die Zahlen stammen von Nicholas Bloom, einem an der Stanford­­ University forschenden Wirtschaftswissenschaftler, den ich vor zwei Wochen lediglich aus Platzgründen nicht in die Liste meiner Corona-Helden aus der Ökonomie aufnehmen konnte. Bloom hat über das gesamte vergangene Jahr ungefähr 30.000 Amerikanern Fragen zur geänderten Arbeitspraxis gestellt. Das Ergebnis steht seit Ende März auf seiner Homepage („Why Working From Home Will Stick“).

          Emsig im Homeoffice

          Das Homeoffice hat sein Stigma verloren. Niemand behauptet mehr, die Arbeitnehmer würden faul, guckten lieber stundenlang Netflix, anstatt sich um die Excel-Tabellen zu kümmern. Nein, sie arbeiten zu Hause emsig, und zwar in der Summe mehr als vor Corona. Wäre es anders, wäre die Wirtschaft im vergangenen Jahr zusammengebrochen. Gesetze, die ein Recht auf Homeoffice verordnen, braucht es dafür nicht.

          Zwei bis drei von fünf Tagen wollen die Menschen künftig zu Hause arbeiten. Am liebsten nähmen sie den Mittwoch und den Freitag. Zwei Tage im Homeoffice finden auch ihre Arbeitgeber in Ordnung. Schließlich müssen sie künftig weniger Bürofläche vorhalten, was nicht nur in New York oder London, sondern auch in Frankfurt oder München die Kosten senken wird.

          Nicholas Bloom ließ die Menschen die von Corona erzwungene Heimarbeit in Geld umrechnen. Er wollte wissen, ob die Arbeit zu Hause eher als Gehaltseinbuße oder als Gehaltserhöhung empfunden werde. Zwei Drittel der Befragten sehen es als Lebens- und Einkommensgewinn an. Über 40 Prozent gewichten die Heimarbeit wie eine Gehaltserhöhung von bis zu 15 Prozent. Für das Glück, zu Hause arbeiten zu können, würden sie Gehaltsabstriche von bis zu acht Prozent in Kauf nehmen.

          60 Millionen Pendlerstunden fallen weg – jeden Tag

          Worin besteht der Vorteil der Heimarbeit – allem Unmut über die Mehrfachbelastung durch Hausarbeit und Kinder zum Trotz? Auch hier ist die Antwort eindeutig (womöglich fiele sie in Deutschland mit seiner geographisch verteilten Wirtschaft nicht ganz so klar aus): Es sind die vielen wegfallenden Pendlerstunden, welche die Menschen so sehr beglücken. Die Amerikaner haben 2020 täglich (!) 60 Millionen Pendlerstunden gespart. Das addierte sich in den ersten sieben Monaten der Pandemie auf insgesamt neun Milliarden Stunden.

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