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Hanks Welt : Datenschutz ist wichtiger als Eigenstumsrechte an Daten

Rainer Hank Bild: F.A.Z.

In der digitalen Welt bringt Eigentum nicht viel. Der Datenschutz ist wichtiger. Daten sind eben doch kein Öl.

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          Ständig produziere ich Daten, meist ohne irgendeine Absicht. Daten sind Futter für allerlei Algorithmen, die mich zu kennen vorgeben: Weil ich mich zuletzt für eine Biographie über Elisabeth Förster-Nietzsche interessiert habe, die böse Schwester des großen Philosophen, meint Amazon, ich würde sicher gerne auch eine Hermann-Hesse-Biographie lesen wollen. Dabei konnte ich Hesse noch nie leiden.

          Rainer Hank
          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Völlig unerklärlich ist mir auch, warum Amazon Prime meint, ich müsse dringend „Und täglich grüßt das Murmeltier“ streamen, bloß weil ich mir kürzlich die letzte Staffel von „Mozart in the Jungle“ (sehr lustig!) angesehen habe.

          Was ist der Wechselkurs für Daten?

          Auch ich habe inzwischen kapiert, dass wir im Minutenrhythmus unzählige Daten hinterlassen, von denen viele wertlos, andere aber offenkundig sehr wertvoll sind für Unternehmen, die damit ihr Geld verdienen. Von Youtube oder Facebook bekomme ich dann mehr oder weniger maßgeschneiderte Werbung.

          Aus meinen Daten entwickeln sich aber auch ganz nützliche Dinge: Sollten außer mir noch andere Leute im Frankfurter Nordend gleichzeitig bei einer Online-Apotheke Sinupret bestellen, könnte das ein Frühindikator dafür sein, dass sich in unserem Viertel eine späte Winter- oder voreilige Frühjahrsgrippe auszubreiten droht.

          Daten seien die neue Währung, hören wir ständig. Aber es fehlen die Wechselkurse. Wüssten wir, was unsere Daten wert sind, dann hätten wir Preise als Verrechnungseinheiten. Jedermann könnte für sich entscheiden, was ihm die Weitergabe von Daten wert ist. Manche würden viele Daten verkaufen, weil sie sich dadurch noch bessere maßgeschneiderte Dienste und Angebote erhoffen und sie sogar ein bisschen Geld verdienen könnten. Andere würden das nicht wollen – und Google und Co, erst recht aber unser Möchtegern-Überwachungsstaat müsste sich daran halten.

          Nötig wäre ein Preis- und Eigentumsregime der Datenwirtschaft. Denn so könnte es gelingen, den neuen Datenkapitalismus in die gute alte Marktwirtschaft zu integrieren. Zugleich wäre das ein Beitrag, die aufgeregte Debatte zu entapokalyptisieren, indem man sie rationalisiert.

          Der Traum der digitalen Gemeindewiese

          Kein Wunder, dass die Idee einer Ordnung des Dateneigentums viele fasziniert, auch mich. Eigentum verschafft das Recht, mit etwas nach Belieben zu verfahren (es zu nutzen, zu veräußern, zu zerstören). Ohne den Schutz des Eigentums, sagen die Ökonomen, kommen Märkte zum Erliegen und verarmen Völker.

          Müsste nicht das Daten-Eigentum sogar noch besser geschützt werden als die Sachgüter, da es dabei ja um kreativ verwertbare Informationen geht? All jene anarchischen Netz-Propheten, die davon schwärmen, im Internet sollte alles kostenlos sein, träumen den Traum einer digitalen Gemeindewiese: Auf der Allmende der Sharing Economy wollen sie sich an meinen Daten vergreifen, ohne mir für mein Eigentum Geld zu bezahlen.

          Daten sind kein Öl

          Klingt alles logisch, oder? Nicht ganz. Nachdenklich stimmt, dass neuerdings ausgerechnet liberale Juristen und Ökonomen, denen der Schutz der Eigentumsordnung über alles geht, gute Argumente gegen ein „Dateneigentum“ haben. Daten sind eben nicht das „Öl des 21. Jahrhunderts“. Sie haben ganz andere Eigenschaften als materielle Güter.

          Ein praktisches Beispiel: Wenn ich auf der Autobahn mein Navigationsinstrument im Auto anschalte, sehe ich in Echtzeit, dass die A66 nach Wiesbaden wieder einmal total überlastet ist. Vom Navi bekomme ich Umleitungsvorschläge. Dieses nützliche Wissen gibt es, weil mittels GPS Unmengen von Daten ausgewertet wurden, die von den Autos oder den mobilen Geräten ihrer Fahrer stammen.

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