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Hanks Welt : Das harte Leben der Superreichen

Am Yachthafen in Athen lässt es sich reich leben. Bild: dpa

Was machen die Superreichen eigentlich den lieben langen Tag? Das ist gar nicht so leicht zu sagen. Doch jetzt gibt es einen Roman, der der Wirklichkeit nahezukommen scheint.

          Kevin Kühnert, der deutsche Juso-Vorsitzende, der Chancen hat, SPD-Vorsitzender zu werden, denkt bekanntlich darüber nach, die Superreichen zu enteignen und den Autobauer BMW zu kollektivieren, damit es keinen „kapitalistischen Eigentümer dieses Betriebs gibt“. Das lockt selbst die notorisch zurückhaltende Eigentümer-Familie aus der Deckung, in der Hoffnung damit ein weit verbreitetes Vorurteil aus dem Weg zu räumen: Die Leute denken, „dass wir ständig auf einer Yacht im Mittelmeer herumsitzen“, sagte Firmenerbin Susanne Klatten im „Manager-Magazin“. Das aber sei falsch.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Was machen die Superreichen dann den lieben langen Tag? Das ist gar nicht so leicht zu sagen. Denn höchste Diskretion ist eine hervorstechende Eigenschaft der Milliardäre. Man bleibt unter sich, um nicht dem Neid derer ausgesetzt zu werden, die es trotz größter Anstrengungen im Leben nicht zum Milliardär gebracht haben.

          Vielleicht wissen die Dichter mehr? Da sind wir häufig schon enttäuscht worden, weil auch die Schriftsteller über keinen exklusiven Zugang zu den „gated communities“ der Milliardäre verfügen und in ihrer Not dann eben nur phantasieren, was ihr Ressentiment so alles hergibt. Doch jetzt haben wir einen Roman gefunden, der der Wirklichkeit nahezukommen scheint und dazu noch super-lustig ist. Der Autor heißt Gary Shteyngart. Sein im Frühjahr bei Penguin erschienener Reichen-Roman heißt „Willkommen in Lake Success“ und handelt von den traurig-komischen Abenteuern eines dreiundvierzigjährigen Hedgefonds-Managers namens Barry Cohen, dessen Fonds „The other side of capital“ Anlagen im Wert von 2,4 Milliarden Dollar verwaltet. Das bringt dem Mann in guten Zeiten immerhin ein Jahreseinkommen von mehr als hundert Millionen Dollar.

          Sein einziger kreativer Gedanke: Milliardärssammelkarten für arme Kinder herauszubringen, auf deren Rückseite alle Daten über die Superreichen stehen (der Rang auf der „Forbes“-Liste zum Beispiel), damit arme Jugendliche motiviert würden, sich in der Schule mehr anzustrengen. Womöglich könnte die SPD ihm diese Idee abkaufen?

          Der Roman beginnt mit einer Katastrophe

          Dieser Roman von Gary Shteyngart (ein in St. Petersburg geborener Jude, der siebenjährig mit seinen Eltern nach New York emigrierte) sei all jenen empfohlen, die noch nach einer Ferienlektüre suchen und gerne etwas über die Welt der Superreichen (in Amerika) erführen. Woher hat Shteyngart sein Wissen? Nun, der Mann hat immerhin drei Jahre lang bei den Reichen Manhattans recherchiert und Gespräche mit ihnen geführt. Er wolle herauskriegen, was Menschen dazu bringt, nach der großen Krise des Jahres 2008 in die Finanzbranche zu gehen und wie es sich da so lebt, hat Shteyngart der britischen Internetzeitung „The Independent“ erzählt. Wir Leser können das nicht überprüfen, aber das Personal des Romans schaut glaubwürdig aus.

          Hier kurz der Plot: Barry Cohen, der Held, ist ein Aufsteiger. Sein Vater war ein jüdischer Arbeiter aus der Bronx, der den Reichen ihre Swimmingpools reinigte. Der Sohn kennt deren Leben also von Kindesbeinen an, gehört aber nicht dazu. Seine Aufstiegsgeschichte führt ihn über ein Studium an der Eliteuniversität Princeton zur Investmentbank Goldman Sachs, bis er seinen eigenen milliardenschweren Fonds gründet und wie sein Autor (und viele erfolgreiche Männer) eine Vorliebe für teure Uhren entwickelt. Seema, seine deutlich jüngere Ehefrau mit indischen Wurzeln und einem erfolgreich absolvierten Jurastudium, stiehlt auf den Partys allen anderen Frauen die Show.

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