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Hanks Welt : Bankrott des Christentums

Religionssoziologen machen einen Unterschied zwischen „Glauben“ und „Kirchenmitgliedschaft“. Man kann an Gott glauben, ohne je in die Kirche zu gehen. Man kann aber auch in den Gottesdienst gehen, etwa weil dort Johann Sebastian Bachs Kantaten zu hören sind, und an der Existenz Gottes zweifeln. Beides zählt als „religiöses“ Verhalten. Beides hat dramatisch abgenommen, und zwar in allen reichen Ländern der Welt. In den Vereinigten Staaten, wo es viel mehr Kirchen-Wettbewerb gibt, gehen von hundert Getauften heute noch 15 Prozent zur Sonntagsmesse; 35 Prozent von ihnen haben den Glauben an die christliche Erlösungslehre verloren. In Großbritannien sieht es ähnlich aus. Zuwächse verzeichnen einzig die „Pfingstler“, jene kapitalismusfreundlichen sogenannten „Health-and-Wealth-Christen“, die nicht nur in Amerika, sondern beispielsweise auch im kommunistischen China viel Zustrom verzeichnen.

Die Entzauberung der Welt

Angesichts der beispiellosen Kirchenaustritte seit fünfzig Jahren bekommt die alte These Max Webers über die Entzauberung der Welt neue Freunde. Robert Barro, ein Harvard-Ökonom, der mit Arbeiten über rationale Erwartungen und die Rolle der Geldpolitik berühmt geworden ist und als Kandidat für den Ökonomie-Nobelpreis gehandelt wird, hat zusammen mit seiner Frau Rachel McCleary, einer Religionswissenschaftlerin, immer schon viel über die Ökonomie des Religiösen geforscht. Jetzt haben die beiden in einem spannend zu lesenden Buch die Summe ihres Nachdenkens vorgelegt („The Wealth of Religions“, Princeton University Press).

Zwei Fragen stehen im Zentrum: Trägt religiöser Glaube zum Wohlstand der Nationen bei? Und: Führt wachsender Wohlstand zu einem Schwund religiöser Praxis und religiösen Glaubens? Letzteres ist die klassische, ebenfalls von Max Weber stammende Säkularisierungsthese, welche von Barro/McCleary rehabilitiert wird. Das bedeutet nicht, dass Religion am Ende ganz aus der Welt verschwände und durch atheistische Rationalität ersetzt würde. Doch seit der religionskritischen Aufklärung haben die Menschen mehr Optionen, wie und woher sie ihrem Leben Sinn geben können. Der Wettbewerb wurde schärfer.

Das dezimiert die Gruppe der Christen sozusagen von allein, weil neue Akteure Marktanteile ergattern. Wenn dann – auf der Angebotsseite, würden Ökonomen sagen – eine Verschlechterung des religiösen Produkts und eine massive Vertrauenskrise der Firma hinzukommt, nimmt die Nachfrage nach Religion schlicht aus ökonomischen Gründen ab.

Robert Barro, ein säkularer Jude, findet das übrigens gar nicht gut, und zwar abermals aus ökonomischen Gründen. Denn es lässt sich empirisch zeigen, dass der christliche Glaube sehr hilfreich ist für Wachstum und Wohlstand eines Landes. Dabei spielt „Believing“, das aus dem Glauben heraus motivierte leistungsfreundliche Arbeitsethos, eine deutlich wichtigere Rolle als „Belonging“, die soziales Kapital generierende kirchliche Gemeinde. Überspitzt gesagt, heißt das: Ein dramatischer Rückgang des christlichen Gottes- und Erlösungsglaubens ist schlecht für das Wirtschaftswachstum.

Ob das die Kirchen motivieren wird, die Qualität ihres religiösen Angebotes zu bessern, wage ich zu bezweifeln. Sie müssten dafür ihren Antikapitalismus über Bord werfen. Doch den hat Papst Franziskus anlässlich einer Reise nach Madagaskar gerade vehement erneuert.

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