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Hanks Welt : Zeit der Prohibition

Aus der Innenstadt verbannt: Auf der Zeil in Frankfurt herrscht vorerst Alkoholverbot. Bild: Blatterspiel/Jan Huebner

Mit Al Capone unterwegs im Lockdown light: Schon in den 1930er zeigte der Mafioso, dass staatliche Verbote einen hohen Preis haben können. Diesem Umstand sollte sich nun auch die Politik bewusst sein.

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          Von der Schauspielkunst Sean Connerys können sich alle, die keine Lust auf James Bond „007“ haben, in Brian De Palmas Film „Die Unbestechlichen“ aus dem Jahr 1987 überzeugen. Connery ist am vergangenen Wochenende im Alter von 90 Jahr gestorben. In den „Unbestechlichen“ spielt er den Straßenpolizisten Jim Malone, der es sich zum Ziel gesetzt hat, im Chicago der Prohibitionszeit der Mafia ein Ende zu bereiten. Dafür hat Connery den einzigen Oscar in seiner Karriere erhalten.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Film setzt ein mit einer grandiosen Szene, in der Al Capone (gespielt von Robert De Niro), der berühmteste Mafioso aller Zeiten, sich auf einer Liege von einem Dutzend seiner Domestiken pflegen lässt. Während der eine den Mafia-Boss rasiert, feilt der andere die Nägel, kümmert ein weiterer sich um die Füße, cremt ein Vierter seine Haut. Gleichzeitig gibt Al Capone aus seiner Wellness-Horizontale heraus den im Halbkreis um ihn versammelten Journalisten Chicagos ein Interview. „Ich bin Geschäftsmann“, so erklärt der Schwerkriminelle sein Business-Modell. Was die Menschen wollen, das wüssten doch alle: trinken.

          Der freie Markt, so soll man den Mafia-Boss verstehen, hat die Aufgabe, die Bedürfnisse der Menschen zu stillen. Wenn sie nach Bier oder Whisky verlangen, dann wird der Markt ihnen diese Getränke zur Verfügung stellen. Dass der Import von Alkohol in jenen Jahren strikt verboten war, davon gehört zu haben, bestreitet Al Capone nicht. „Die einen nennen es Schmuggel, die anderen nennen es Fürsorge“, so beschreibt er sich als Wohltäter der Menschheit. Als einer der Journalisten ihn am Ende des Interviews darauf anspricht, dass er doch mit ziemlich brutalen Methoden sein Geschäft betreibe, antwortet Al Capone nüchtern: „Du kommst mit guten Worten und mit Waffen weiter als nur mit guten Worten.“

          Die Mafia als Paradeunternehmen organisierter Kriminalität ist ein Musterbeispiel für das Funktionieren illegaler Märkte. Der Drogenhandel oder die Wilderei wären weitere Beispiele. Illegale Märkte destabilisieren die staatliche Ordnung, können als Märkte aber gleichwohl ziemlich stabil sein. Illegale Märkte sind nichts Neues. Sie bilden sich immer dann heraus, wenn die Freiheit der Menschen staatlich eingeschränkt wird. Meist hat der Staat dafür gute moralische Gründe.

          Deshalb ist ein Blick auf die Prohibition der dreißiger Jahre in unseren merkwürdigen Pandemie-Zeiten nicht vollkommen daneben. Das vergangene Wochenende, die Tage vor dem neuen „Lockdown light“, hätten sich angefühlt, wie wenn Silvester und Prohibition zusammenfallen, so war dieser Tage zu hören. Der Eindruck ist nicht falsch.

          Fromme Protestanten verbannen den Alkohol

          Wie kam es zur Prohibition in den Vereinigten Staaten? Am 30. Juli 1917 verabschiedete der amerikanische Senat den sogenannten 18. Verfassungszusatz. Dem zufolge waren „die Herstellung, der Verkauf oder der Transport von berauschenden alkoholischen Getränken innerhalb der Vereinigten Staaten verboten, desgleichen der Import oder die Ausfuhr derselben“.

          Fundamentalistische Protestanten, die schon lange den Genuss von Alkohol verdammten, hatten sich politisch auf breiter Front durchgesetzt. Alkohol übe eine zersetzende Wirkung auf Familie und Gesellschaft aus, verstoße gegen das göttliche Gesetz und gegen die menschliche Natur. Die frommen Christen untermauerten ihre Thesen mit vielen medizinischen Argumenten. Fortdauernde Trunkenheit werde am Ende zwangsläufig tödlich enden. Das müsse der Staat unterbinden.

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