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Handykonzern : Herbe Rückschläge für Nokia

„Motor abgewürgt“: Werbung für Nokias Smartphone Lumia 900 Bild: AFP

Mit seinen Quartalszahlen enttäuscht der Handykonzern. Die Finnen haben sich wider Erwarten nicht aus den roten Zahlen befreien können. Und dann ist noch der Start des neuen Lumia-Smartphones in Amerika missglückt.

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          Nokias Aufholjagd gerät ins Stocken, und Analysten sprechen schon von einem Desaster. Der angeschlagene Handy-Weltmarktführer hat seine Gewinnprognose für das erste Quartal verfehlt. Auch das zweite Quartal soll ähnlich schlecht ausfallen. Zur Begründung führte der finnische Konzern am Mittwoch den scharfen Wettbewerbsdruck in der Branche an. An der Börse zögerten Anleger nicht lange: Sie verkauften die Aktie und schickten den Kurs zeitweise um rund 20 Prozent in die Tiefe - auf den tiefsten Stand seit 15 Jahren.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Konzernchef Stephen Elop sprach von einem „enttäuschenden“ Ergebnis und versicherte, die Schlagzahl im Unternehmen weiter zu erhöhen. Nach den vorläufigen Zahlen ist das erste Quartal in der Kernsparte „Devices & Services“ wesentlich schwächer verlaufen als erwartet. Das Segment verbuchte eine operative Verlustmarge von 3 Prozent. Zuvor war Nokia noch davon ausgegangen, die Gewinnschwelle zu erreichen - und hatte eine Schwankungsbreite von 2 Prozentpunkten nach oben oder unten angesetzt. Auch im laufenden Vierteljahr wird sich die Quote voraussichtlich nicht verbessern. Sie wird auf demselben Niveau wie im ersten Quartal oder sogar darunter erwartet. Der Quartalsumsatz in der Kernsparte erreichte den vorläufigen Zahlen zufolge ein Volumen von 4,2 Milliarden Euro. Im Vorjahresquartal waren es noch 7,1 Milliarden Euro gewesen. Die Bruttomarge belief sich auf knapp 25 Prozent und sank damit um 4 Prozentpunkte.

          Das Lumia ist ein wichtiger Hoffnungsträger für die Finnen

          „Nokia liefert eine negative Überraschung nach der anderen“, sagte ein Aktienhändler enttäuscht. Insbesondere auf den wichtigen Schwellenmärkten Indien, China und im Nahen Osten kam Nokia schlechter gegen die Konkurrenz an als erwartet. Dies ist besonders bedenklich, weil der Konzern immer wieder auf die dort vorhandenen Geschäftschancen verweist und mit billigen Geräten um Kunden wirbt. Das Unternehmen will nun seine Anstrengungen erhöhen und gegensteuern. Die Verkäufe der neuen Lumia-Smartphones sollen mit höheren Investitionen weiter angekurbelt werden. Mit einer „taktischen“ Preisgestaltung wollen die Finnen zudem für steigende Absatzzahlen bei den übrigen Mobiltelefonen sorgen. Schon im zweiten Quartal sollen neue Geräte auf den Markt kommen. Überdies will der Konzern seine Sparmaßnahmen verschärfen und sich so eine bessere Kostenstruktur verschaffen. Details hierzu wurden aber nicht genannt.

          Als ob es nicht schon genug Schwierigkeiten gibt, ist Nokia auch noch der Marktstart seines neuen Lumia-Smartphones in Amerika missglückt. Wegen eines Softwarefehlers kann das erst am Sonntag in den Vereinigten Staaten eingeführte Lumia 900 die Datenverbindung verlieren.„Um den 16. April herum soll es nun eine Software geben, die den Fehler behebt. Das Lumia ist ein wichtiger Hoffnungsträger für die Finnen. Es soll Nokias Aufholjagd im lukrativen Smartphone-Geschäft beschleunigen. Der Konzern hat dieses Gerät und weitere Windows-Phone-Modelle als Herausforderer gegen Apples iPhone und die Multimedia-Handys mit Googles Betriebssystem Android positioniert.

          Analysten sprachen von einem Fehlstart. Der Zeitpunkt sei ungünstig für Nokia, sagte John Strand, Chef der gleichnamigen Beratungsfirma. „Das ist, als ob sie zu Beginn des Rennens, wenn alle Augen auf sie gerichtet sind, den Motor abgewürgt hätten“, kommentierte Carolina Milanesi, Analystin des Marktforschungsunternehmens Gartner, das Geschehen. Als „Geste des guten Willens“ erhalten Kunden nun eine Gutschrift in Höhe von 100 Dollar über den Mobilfunkpartner AT&T.

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