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Handwerk : Gründerfieber nach Abschaffung des Meisterzwangs

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Bild: F.A.Z.

In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit suchen mehr Menschen den Weg in die Selbständigkeit. Mit der Lockerung des Meisterzwangs ist die Zahl der Handwerksbetriebe im vergangenen Jahr spürbar gewachsen.

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          Die Zahl der Handwerksbetriebe ist im vergangenen Jahr spürbar gewachsen. Die Zahl der in die Rollen und Verzeichnisse der Handwerkskammern eingetragenen Betriebe sei 2004 um gut 40.700 auf 887.300 Betriebe gestiegen, teilte der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) am Donnerstag in Berlin mit. Dies entspreche einem Zuwachs um 4,8 Prozent. Begründet wird der Anstieg vor allem mit der Lockerung des Meisterzwangs.

          Die rot-grüne Bundesregierung hat in 53 der 94 in der Handwerksordnung aufgezählten „Voll-Handwerke“ den Zwang, eine Meisterprüfung nachzuweisen, Anfang 2004 abgeschafft. Dieser Rechtsrahmen erlaubt in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit mehr Menschen den Weg in die Selbständigkeit.

          Fliesenleger, Gebäudereiniger, Fotografen

          Nach Angaben des Handwerksverbands resultieren die steigenden Betriebszahlen vor allem aus einer starken Zunahme der zulassungsfreien Handwerkstätigkeiten. Ihre Zahl stieg im vergangenen Jahr um fast 37 Prozent auf rund 102.500. Dabei basiert die Zunahme im wesentlichen auf sieben Gewerken der Bauberufe und baunahen Handwerksberufe sowie Dienstleistungen. Die Zahl der Betriebe der Fliesen-, Platten und Mosaikleger lag mit 255.000 sogar mehr als doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor. Die Zahl der Gebäudereiniger stieg um 91 Prozent, die der Parkettleger um 65 Prozent und die der Estrichleger um 56 Prozent. Die Zahl der Fotografen und Schneider nahm um 24 und 21 Prozent zu.

          Der Handwerksverband verweist darauf, daß in den zulassungsfreien Berufen mehr als 81 Prozent der Neuzugänge ohne fachliche Qualifikation der Gründer erfolgten. Nur 12 Prozent konnten einen Gesellen- und nur 6,6 Prozent einen Meisterbrief vorweisen. Bei den "handwerksähnlichen Gewerken", deren Betriebszahlen um 2,9 Prozent auf 189200 Betriebe zulegten, lag die Zahl der Gründer ohne Fachqualifikation mit 93 Prozent noch höher als bei den zulassungsfreien Handwerken. Hier nahm vor allem die Zahl der Kosmetiker sowie der Betriebe für den "Einbau genormter Baufertigteile" zu. Handwerks-Präsident Otto Kentzler sagte, die Qualität und Bestandsfestigkeit der Neugründungen sei als gering einzuschätzen.

          In den zulassungspflichtigen Gewerken der Handwerksordnung wurden im vergangenen Jahr 1,3 Prozent mehr Betriebe gezählt als im Jahr zuvor. Nach vier Jahren, in denen die Zahl der Betriebe gesunken sei, habe die Novellierung der Handwerksordnung also eine zumindest kurzfristige Wende herbeigeführt, stellte der Verband fest. Auch hier konzentrierten sich die Zuwächse auf das Bau- und Ausbauhandwerk (Installateur und Heizungsbauer, Maler und Lackierer, Maurer und Betonbauer, Elektrotechniker, Zimmerer und Dachdecker), sowie Friseure, die mit Abstand den stärksten Zuwachs verbuchten.

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