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Duales Abitur : Handwerk buhlt um Gymnasiasten

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Künftig mehr Abiturienten im Blaumann? Auszubildende an der Gottlieb-Daimler-Schule in Sindelfingen Bild: dpa

Weil Auszubildende immer knapper werden, ändert das Handwerk seine Strategie: Ein „duales Abitur“ soll die Fachkräfte sichern. Schließlich steigen auch die Anforderungen an die Mitarbeiter.

          Das deutsche Handwerk will seine Strategie zur Rekrutierung von Nachwuchskräften radikal umkrempeln und in Zukunft viel stärker als bisher Abiturienten in handwerkliche Berufe locken. Die Kernidee: Gymnasiasten schon in der Mittelstufe gezielt umwerben und ihnen ein „duales Abitur“ anbieten – so dass sie nach der Schule nicht nur eine Hochschulzugangsberechtigung haben, sondern auch einen ersten Berufsabschluss. Als Vorbild sieht der Zentralverband des Deutschen Handwerks die Berufsmaturität in der Schweiz, aber durchaus auch die Berufsschulen in der ehemaligen DDR, an denen Abitur und Berufsausbildung parallel möglich waren. Neben den allgemeinen Fächern soll es für die „Berufsabiturienten“ nach dem Willen des Handwerks einen starken gewerblich-technischen Bezug geben.

          Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer weiß, dass er für solche Pläne dicke Bretter bohren muss und dass er viele Verbündete braucht: das Bundesbildungs- und das Bundeswirtschaftsministerium, die Kultus- und Wissenschaftsminister der Länder, die Hochschulrektorenkonferenz und natürlich das Handwerk selbst, von den Kammern bis zu den Betrieben. Doch Wollseifer sieht keine Alternative. Die bislang übliche und für das Handwerk relevante Berufsorientierung in den Real- und Hauptschulen reicht nicht mehr, um genügend Nachwuchskräfte zu gewinnen. Denn noch rekrutieren die Handwerksbetriebe die Hälfte ihrer Auszubildenden aus den Hauptschulen, 36 Prozent aus den Realschulen und nur 10 Prozent aus den Gymnasien.

          „Wir wollen keinen Bachelor of Hairdressen“

          Ausnahmen sind einige Berufe wie Goldschmied, Bootsbauer, Maßschneider oder Fotograf, wo der Abiturientenanteil knapp unter oder sogar über 50 Prozent liegt. Weil inzwischen die Hälfte eines Jahrgangs Abitur macht, Tendenz steigend, wird der Talent-Pool, aus dem das Gros der Handwerksbetriebe traditionell schöpft, immer kleiner. Derzeit gibt es schon fast so viele Studien- wie Ausbildungsanfänger, und schon jetzt klagt das Handwerk über 20.000 unbesetzte Ausbildungsplätze. Gleichzeitig aber steigen die Anforderungen an die Mitarbeiter. „Alle sprechen von der Industrie 4.0“, sagt Wollseifer. Dabei sei die Digitalisierung auch im Handwerk längst angekommen; größere Betriebe brauchten heute durchaus auch Ingenieure und IT-Fachleute und vor allem technisch versierte Fachkräfte.

          Deshalb ist das duale Abitur, von dem das Handwerk den Bund und die Länder überzeugen will, nur ein Baustein in der neuen Nachwuchsoffensive des ZDH. Auch innerhalb der Berufsbildung sollen sich die Betriebe stärker auf das konzentrieren, was Wollseifer „Bestandteil einer höheren Berufsbildung“ nennt. Gesellen und Facharbeitern, die ihren ersten Berufsabschluss schon hinter sich haben, soll künftig deutlich mehr Fortbildung angeboten werden. In zwei Handwerkskammern, in Münster und Würzburg, laufen entsprechende Modellversuche mit Fachhochschulen: Die Gesellen können sich zum „Service-Techniker plus“ ausbilden lassen, eine berufliche Fortbildung inklusive akademischer Module an der Hochschule. Sollten sie sich später entscheiden, doch noch an einer Universität studieren zu wollen, könnten sie sich diese Module auf den Bachelor anrechnen lassen. „Hybride Fortbildung“ nennt sich so etwas im Fachjargon – eine Richtung, die der Wissenschaftsrat dringend empfiehlt. Wenn die Modellversuche positiv verliefen, kündigt Wollseifer an, werde das Projekt auf die Fläche ausgeweitet.

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