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Handelsstreit mit Amerika : Deswegen ist China im Vorteil

Thront in China über allem: Staatschef Xi Jinping. Bild: AFP

Donald Trump hat Milliardenzölle gegen China auf den Weg gebracht – und nach eigenem Bekunden keine Angst vor einem Handelskrieg. Wie gut sind die beiden Länder dafür gewappnet? Eine Antwort scheint zu überwiegen.

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          Er fürchte einen Handelskrieg nicht, das hat Donald Trump schon mehrfach kundgetan. Auch, weil ein solcher „leicht zu gewinnen“ sei. Ob er damit richtig liegt, wird die ganze Welt nun wohl wirklich erfahren. Bis zuletzt hatten Politiker, Wirtschaftsvertreter und die meisten Ökonomen gehofft, dass ein ausgewachsener Handelsstreit vielleicht doch ausbleibt. Dass sich die Beteiligten zum Beispiel in den infolge der Finanzkrise kreierten Selbsthilfegruppen, den G20-Treffen, streiten, gegenseitige Vorwürfe austauschen, und dann Lösungen suchen, die allen nützen – mit Blick zumindest auf wirtschaftliche Anliegen gibt es die in der Regel durchaus.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Nun kommt es anders. Die größte Volkswirtschaft der Welt befindet sich nun auf Konfrontationskurs mit der zweitgrößten: Der amerikanische Präsident hat Milliardenzölle auf Einfuhren aus China angekündigt. Peking hat bereits reagiert. Die Anleger an den Finanzmärkten auch – in den Vereinigten Staaten und andernorts sind die Börsenkurse deutlich gefallen. Je näher am Konflikt, umso stärker. In Hongkong zum Beispiel sanken die Kurse von Zulieferern des amerikanischen Technologieunternehmens Apple stark; der iPhone-Hersteller lässt vielfach in Fernost (günstig) fertigen und erzielt gerade dadurch auch eine Marge, die ihm regelmäßig Milliardengewinne einbringen – und ihn zum mittlerweile wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt gemacht haben.

          Handelsdefizit in Milliardenhöhe

          Eine Frage, die nun zunehmend die Runde macht, lautet: Wer hat in diesem Streit zwischen den Vereinigten Staaten und China eigentlich die besseren Karten? Beide Länder verfügen einerseits über gewaltige Märkte: Die 327 Millionen Amerikaner erbringen eine Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt) in Höhe von ungefähr 18 Billionen Dollar, die ungefähr 1,4 Milliarden Chinesen derzeit eine in Höhe von umgerechnet gut 11 Billionen Dollar. Damit sind beide Volkswirtschaften groß genug, um profitable Unternehmen hervorzubringen und zu erhalten, die konkurrenzfähig auf der ganzen Welt sind. Wenn also etwa der amerikanischen Finanzminister Steve Mnuchin und Vertreter der chinesischen Führung sagen, sie haben wenig Furcht vor Zöllen, weil hinter ihren Ländern große Binnenmärkte stehen, haben sie einen Punkt. Und zwar beide.

          Andererseits gibt es mit Blick auf die vergangenen Jahre und die herrschenden Prognosen einen substantiellen Unterschied: Die chinesische Wirtschaft wächst deutlich schneller. Zwar nicht mehr mit den zweistelligen Raten aus den neunziger Jahren und dem ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends. Aber immer noch mehr als doppelt so schnell wie die amerikanische. „Die Chinesen haben klargemacht: ,Ihr wollt einen Handelskrieg? Wir sind vorbereitet“, sagte Robert Ross, Fachmann für die chinesisch-amerikanischen Beziehungen in Boston, dem Finanzsender CNBC unlängst. Und er fügte hinzu: „Und das sind sie. Denn natürlich haben sie einen sehr großen Markt und eine sehr robuste Ökonomie.“

          Zugleich weisen die Vereinigten Staaten ein riesiges Leistungsbilanzdefizit gegenüber China auf, 375 Milliarden Dollar groß war es im vergangenen Jahr. Das ist erst einmal ökonomisch für sich genommen kein zwingendes Problem (Trump sieht das anders), denn darin spiegeln sich eben die Kaufwünsche der Amerikaner und Chinesen nach Produkten aus dem jeweils anderen Land.

          Weniger klar ist, was die Finanzierung dieses Defizits angeht; China ist durch umfangreiche Käufe amerikanischer Staatsanleihen zum größten Gläubiger der Vereinigten Staaten geworden. Manche Fachleute sehen hier durchaus ein Druckmittel in den Händen der Entscheider in Peking. Stephen Roach etwa, lange Jahre ein führender Banker von Morgan Stanley in Asien und nun Professor an der Yale-Universität. Er sagt: „Als Amerikas drittgrößter und am stärksten wachsender Exportmarkt und als der größte ausländische Eigentümer amerikanischer Staatsanleihen, verfügt China über beträchtlich größere Druckmittel gegenüber den Vereinigten Staaten als Politiker in Washington zugeben.“ Dem ließe sich zumindest entgegenhalten, dass China nicht einfach alle amerikanischen Staatsanleihen in seinem Besitz auf den Markt werfen kann, ohne beträchtliche ungewollte Effekte auch auf den Wert seiner eigenen Währung Yuan.

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