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Konflikt der Supermächte : Kauft China bereits kein Soja mehr aus Amerika?

Für Amerikas Bauern ist der Export von Sojabohnen eine wichtige Einnahmequelle. Bild: EPA

Trump hat seine wichtigsten Wirtschaftsfachleute nach Peking geschickt, um den Handelsstreit zu klären. Ist das ein gutes oder schlechtes Zeichen – können die beiden Mächte ihren Konflikt beilegen?

          China hat wohl Marschflugkörper auf Inseln im Südchinesischen Meer stationiert, die nicht nur die Volksrepublik für sich beanspruchen. Nicht nur diese Nachricht überschattet den Besuch einer ranghohen Delegation aus Washington, die an diesem Donnerstag und Freitag in Peking ausloten soll, wie sich der Wirtschaftsstreit der größten Ökonomien der Welt vielleicht lösen lässt. Zugleich gibt es einen Hinweis darauf, dass die Führung in Fernost womöglich schon eine knallharte Drohung gegenüber den Vereinigten Staaten wahrgemacht hat in der aktuellen Handelsauseinandersetzung: China kauft deutlich weniger oder angeblich sogar überhaupt keine Sojabohnen mehr aus Amerika. Soren Schroder, der Vorstandsvorsitzende des größten Ölsaaten-Verarbeiters der Welt, Bunge, äußerte sich dahingehend. „Was auch immer sie kaufen, ist nicht-amerikanisch“, sagte er dem Finanzdienst Bloomberg: „Sie kaufen Bohnen in Kanada, in Brasilien, am meisten in Brasilien, kaufen aber sehr bewusst nichts von den Vereinigten Staaten.“

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Donald Trump hat eine große Gruppe seiner wichtigsten Minister und Berater in Wirtschaftsfragen nach Peking entsandt. Darunter sind sein Finanzminister Steven Mnuchin, Handelsminister Wilbur Ross, der einflussreicher gewordene Handelsbeauftragte Robert Lighthizer, Trumps oberster Wirtschaftsberater Larry Kudlow und der Handelsrat Peter Navarro. Beobachter merkten schon vor der Reisebeginn an, dass alleine diese Zusammenstellung die Gespräche erschweren könnte, denn: Im Grunde eint sie nur die Haltung, dass das Wirtschaftsverhältnis der beiden Länder nicht so bleiben kann, wie es ist. Allerdings sind sie uneins darüber, wie Amerika mit der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt umgehen sollte. Die Minister Mnuchin und Ross und der Berater Kudlow gelten als gemäßigter und – gerade auch die Anleger an den Finanzmärkten im Blick – an einer eher zeitnahen und konstruktiven Lösung interessiert.

          China dämpft die Hoffnungen

          Handelsrat Navarro, der das Buch „Death by China“ geschrieben hat und schon lange vor dem Aufstieg der Volksrepublik warnt, aber auch der Handelsbeauftragte Lighthizer – ein erfahrener Mann schon aus der Amtszeit des Präsidenten Ronald Reagan – gelten als Hardliner; sie sehen in China vor allem einen langfristigen strategischen Rivalen, den es einzuhegen gelte. Diese Sichtweise ist wiederum in Washington nicht auf die republikanische Partei begrenzt.

          Und bekannt ist auch nicht zuletzt aus vielen Aussagen und Entscheidungen des Präsidenten selbst, dass es eben nicht nur um Handelsfragen geht, sondern darüber hinaus etwa um die Führerschaft in Schlüsseltechnologien wie der Künstlichen Intelligenz und der Genetik. Nicht zuletzt deswegen, so teilen langjährige Kenner des chinesisch-amerikanischen Verhältnisses gegenüber FAZ.NET mit, ist bislang auch gar nicht klar, was Washington eigentlich von Peking verlangt oder verlangen sollte.

          Im Hotel in Peking eingetroffen: Amerikas Finanzminister Steve Mnuchin

          Einen ranghohen Gesprächspartner werden die Amerikaner jedenfalls in Peking antreffen: Der mächtige Staats- und Parteichef Xi Jinping hat seinen wichtigsten Wirtschaftsberater dafür abgestellt, den stellvertretenden Ministerpräsidenten Liu He. Doch Peking dämpft bereits die Erwartungen. „Die beiden Seiten werden wahrscheinlich keine baldige Einigung erzielen und die Handelskonfrontation und die Gespräche fortsetzen“, kommentiert die parteinahe Zeitung „Global Times“ schon einmal vorab und fügt hinzu: „Ein Dialog wird kaum funktionieren, wenn die Vereinigten Staaten China dazu drängen, ihre Bedingungen zu akzeptieren.“

          Die Forderung Trumps an China, den Handelsüberschuss um 100 Milliarden Dollar zu reduzieren, stufte das Blatt als „unrealistisch“ ein – ein deutlicher Hinweis. Und schließlich, das ist der brisanteste Punkt, wird China auch nicht damit aufhören, seinen Tech-Sektor mit staatlicher Hilfe weiter zu entwickeln. „Der Aufstieg chinesischer High-Tech-Unternehmen ist nicht aufzuhalten.“ Das ist natürlich wenig überraschend, und niemand in Washington glaubt daran, dass dies ein wirklich realistisches Ziel ist, zumindest keines, dass sich durch Verhandlungen erreichen ließe.

          Konkret haben sich die beiden Länder in den zurückliegenden Wochen mehrfach bedroht. Trump stellte dem Land Milliardenzölle auf breiter Front in Aussicht, China erwiderte, mit gleicher Münze heimzahlen zu wollen.

          Im vergangenen Jahr verkaufte China Waren für 375 Milliarden Dollar mehr in die Vereinigten Staaten als Chinesen von dort einkauften. Donald Trump bezichtigt die Volksrepublik zudem, Ideen amerikanischer Unternehmen zu klauen und zu kopieren. Und außerdem, den Markt abzuschotten. Das werfen auch die Europäer den Chinesen vor. Es sei „sehr klar“, dass die Chinesen bereits weniger Waren aus Amerika kaufen, teilte Bunge-Chef Schroder gegenüber „Bloomberg“ mit: „Wie lange das so bleiben wird – wer weiß? Aber so lange es diese große Wolke der Unsicherheit gibt, wird das sicher weitergehen.“

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