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Handelsstreit : Altmaier setzt auf Zoll-Ausnahmen für deutsche Stahlunternehmen

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Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier äußert sich auf einer Pressekonferenz zu den amerikanischen Strafzöllen Bild: AFP

Laut Bundeswirtschaftsminister sind amerikanische Firmen auf Spezial-Stahl aus Deutschland angewiesen. Die Geschäftsführerin der amerikanischen Handelskammer bestätigt dies und rechnet mit einer baldigen Einigung.

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          Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) setzt trotz der amerikanischen Strafzölle auf Stahl und Aluminium aus der EU auf Ausnahmen für deutsche Hersteller von Spezial-Stahl. In Deutschland angefertigte Spezial-Stähle könnten „nicht so leicht aus amerikanischer Produktion ersetzt werden“, sagte Altmaier der „Rheinischen Post“. Daher hätten amerikanische Unternehmen weiterhin ein hohes Interesse an zollfreiem Spezial-Stahl aus Deutschland.

          Mit Blick auf mögliche Auswirkungen der Strafzölle auf die deutsche Wirtschaft sagte Altmaier, dies hänge insbesondere davon ab, „wie die Vereinigten Staaten die Maßnahmen umsetzen und in welchem Umfang amerikanische Firmen Ausnahmeregelungen beantragen werden", etwa für den erwähnten Spezial-Stahl. Dies sei nach amerikanischem Recht möglich und auch im Interesse der Firmen, fügte Altmaier hinzu.

          Das bestätigt auch die Geschäftsführerin der amerikanischen Handelskammer in Deutschland, Eveline Metzen. Sie rechnet trotz der Eskalation der vergangenen Tage mit einer Einigung im amerikanisch-europäischen Zollstreit. „Amerikaner und Europäer sammeln jetzt Verhandlungsmasse. Ich bin zuversichtlich, dass sie sich am Ende auf einen Deal werden verständigen können“, sagte Metzen den Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland. „Einen echten Handelskrieg können sich beide Seiten nicht leisten“, fügte sie hinzu.

          Amerikanische Wirtschaft sieht Trump-Kurs mehrheitlich kritisch

          Nicht nur die Vergeltungsmaßnahmen der EU, sondern auch die amerikanischen Zölle selbst könnten die amerikanische Wirtschaft belasten, sagte Metzen. „Die im Vergleich zu den Stahlherstellern ungleich wichtigere stahlverarbeitende Industrie in den Vereinigten Staaten ist auf Importe angewiesen. Die Unternehmen in dieser Branche werden durch die Zölle geschwächt“, warnte sie. Deshalb sehe die amerikanische Wirtschaft den Kurs der Trump-Regierung in ihrer Mehrheit kritisch. „Der größte Teil der amerikanischen Wirtschaft lehnt neue Strafzölle im internationalen Handel schlicht ab“, betonte Metzen.

          Bundeswirtschaftsminister Altmaier rief die Europäer dazu auf, im Handelsstreit mit den Vereinigten Staaten „geschlossen und selbstbewusst“ zu handeln. „Dann können wir einen Handelskrieg vielleicht noch verhindern“, so der Minister. Mit Blick auf die angedrohten amerikanischen Strafzölle auf europäische Autos sagte der Wirtschaftsminister: „Ich glaube nicht, dass irgendeiner am längeren Hebel sitzt. Bei einer Spirale von gegenseitigen Zöllen wird es nur Verlierer geben.“

          Die Vereinigten Staaten erheben seit Freitag gegen die EU Strafzölle auf Importe von Stahl und Aluminium. Der amerikanische Präsident Donald Trump lässt zudem inzwischen auch Zölle auf europäische Autos und Autoteile offiziell prüfen. Dies würde vor allem deutsche Hersteller treffen. Sie haben 2017 fast eine halbe Million Fahrzeuge in die Vereinigten Staaten exportiert.

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