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Handelsstreit der Supermächte : Amerika lässt China auflaufen

Finanzminister Steven Mnuchin führt die amerikanische Delegation an. Bild: AFP

Bei den Verhandlungen über den Handelskonflikt erhöhen die Vereinigten Staaten ihre Forderung, dass China mehr importieren und weniger exportieren soll, um das Doppelte. Peking reagiert konsterniert.

          Ein Handelskrieg zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Erde rückt näher: Übereinstimmenden Berichten zufolge hat an diesem Freitag die amerikanische Delegation bei ihren Verhandlungen mit Chinas Regierung in Peking die Gastgeber mit der Forderung überrascht, den Handelsbilanzüberschuss Chinas mit den Vereinigten Staaten um 200 Milliarden Dollar zu senken.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Im vergangen Jahr hat die Volksrepublik im Wert von 375 Milliarden Dollar mehr Waren nach Amerika exportiert, als sie aus Amerika importiert hat. Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte in den vergangenen Monaten von China gefordert, das Defizit um 100 Milliarden Dollar zu senken.

          Peking: „Unmöglich“

          Bei den Gesprächen in Peking, für die am Donnerstag aus Washington eine Delegation unter Führung des amerikanischen Finanzministers Steven Mnuchin angereist war und auf eine Gruppe chinesischer Spitzenpolitiker unter Leitung von Vize-Ministerpräsident Liu He getroffen war, haben die Amerikaner die Forderung nach Senkung des Defizits nun ausgeweitet. Die Amerikaner übergaben den Chinesen den Berichten zufolge einen Forderungskatalog, der verlangt, dass China das Defizit in einem ersten Schritt vom 1. Juni bis zum 31. Mai 2019 um 100 Milliarden Dollar senkt. In einem zweiten Schritt soll dann in den darauffolgenden Monaten bis Ende Mai 2020 das Defizit um weitere 100 Milliarden Dollar gesenkt werden.

          Bereits die ursprüngliche Forderung Trumps nach einer Senkung des Defizits um 100 Milliarden Dollar hatte Peking in den vergangenen Wochen als „unmöglich“ zurückgewiesen und vor dem Eintreffen der amerikanischen Delegation gedroht, dass man nicht bereit sei, über diesen Punkt zu verhandeln.

          Damit wird eine Einigung der beiden Wirtschaftsnationen im Handelsstreit unwahrscheinlicher. Amerika hatte China gedroht, chinesische Importwaren im Wert von über 150 Milliarden Dollar mit Strafzöllen zu belegen. China hat darauf mit Zöllen auf amerikanische Importwaren im Wert von 50 Milliarden Dollar geantwortet, die Peking bereits eingeführt hat.

          Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua urteilte über die Gespräche an diesem Freitag mit den Worten, beide Seiten seien „sehr gespalten“. Es gebe noch „mehr Arbeit zu erledigen“. Man habe sich darüber verständigt, einen „Kommunikationsmechanismus“ aufzusetzen, über den sich Amerika und China künftig über ihre Probleme miteinander verständigen sollen.

          Neben der Forderung, das Handelsbilanzdefizit zu senken, fordert Washington in dem Katalog von Peking auch, keine Subventionen mehr an chinesische Unternehmen aus jenen Schlüsselindustrien wie dem Roboterbau zu zahlen, die im Masterplan „China 2025“ aufgeführt sind. In der Strategie hat die chinesische Führung etliche Industriezweige vom Flugzeugbau bis zum Bau von Elektrofahrzeugen aufgelistet, in denen China in wenigen Jahren weltweit eine führende Rolle einnehmen soll. Die Technik sollen die Unternehmen dafür wenn nötig im Ausland kaufen. Weil Chinas Staat dafür Geld bereit stellt, kritisieren Amerika und die EU den Plan als unfair.

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