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Handelskrieg der Supermächte : Angst vor dem Schwur

Zwingt Donald Trump die deutschen Unternehmen bald, sich zwischen Amerika und China zu entscheiden? Hoffentlich nicht.

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          Manchmal könnte man fast vergessen, wie leicht der amerikanische Präsident mit einer simplen Botschaft über den Kurznachrichtendienst Twitter das Weltgeschehen beeinflussen kann. Am vergangenen Freitag bewies Donald Trump jedoch einmal mehr, wie sehr er diese Plattform zu nutzen weiß. Zunächst warf er die Frage auf, ob sein eigener Notenbankchef Jerome Powell der größte Feind des Landes sei oder der chinesische Präsident Xi.

          Wenig später wies er die „großartigen amerikanischen Unternehmen“ an, unverzüglich nach Alternativen zu China zu suchen. Und verkündete schließlich, die Zölle auf Waren aus China im Wert von 250 Milliarden Dollar zu erhöhen. Das reichte dem Handelskrieger Trump, die Agenda des G-7-Treffens in Frankreich maßgeblich zu setzen.

          Damit hat der Handelskonflikt eine neue Qualität erreicht. Mag sich Trump für seine groben Eingriffe in die Marktwirtschaft und die Vertragsfreiheit auch auf ein Notfallgesetz berufen und damit im Recht fühlen, was höchst umstritten ist – für die Marktteilnehmer sind es verheerende Signale, wenn sich Unternehmen für ihre Planungen nicht mehr auf einen sicheren Rechtsrahmen verlassen können.

          Die amerikanischen Börsen gingen am Freitagabend jedenfalls deutlich auf Sinkflug. Auch wenn Trump anschließend in Biarritz den großen Freihändler gab und sich der neue britische Premierminister Boris Johnson beim gemeinsamen Frühstück überraschend in der ungewohnten Rolle des besonnenen Mahners wiederfand, wird die Reaktion an den Börsen der Welt an diesem Montag mit Spannung erwartet.

          Für die exportorientierten deutschen Unternehmen ist nach diesen Eruptionen klar, dass sie mit dem ultimativen Schreckensszenario wohl noch eine ganze Weile werden leben müssen. Solange Trump im Wahlkampfmodus durch die Weltgeschichte tourt, steht auch die Gefahr im Raum, dass er den Treueschwur fordert und nicht nur die eigenen Unternehmen vor die Frage stellt: China oder wir?

          Vor keiner Antwort fürchten sich die Entscheider in den Chefetagen mehr. Denn eine zufriedenstellende Lösung gibt es für die meisten nicht. Die Märkte in den beiden größten Volkswirtschaften der Erde sind jedenfalls derzeit viel zu wichtig, um einen davon aufzugeben. So bleibt nur die Hoffnung, dass Trumps Zündeleien nicht zu einer unkontrollierbaren Explosion führen und sich letztlich in beiden Lagern die Erkenntnis durchsetzt, dass ein Handelsstreit nicht einseitig zu gewinnen ist. Sicher ist das jedoch keineswegs.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

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