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Handelskette : So stemmt sich Metro gegen die drohende Übernahme

  • Aktualisiert am

Ein Metro-Markt in Dortmund Bild: dpa

Vorstand und Aufsichtsrat des Handelskonzerns halten das Angebot für deutlich unterbewertet. Sie befürchten hohe Schulden, wenn der Investor Kretinsky die Übernahme schafft.

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          Kurz nachdem Daniel Kretinsky der Metro mitgeteilt hat, dass er sie kaufen will, hat der tschechische Investor der Handelskette einen Besuch abgestattet. Vor genau einem Monat war das, viel mehr Kontakt gab es dann allerdings nicht. Zuerst hatte sich der Kretinsky mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Steinemann getroffen, vier Tage später dann auch mit Metro-Vorstandschef Olaf Koch.

          Da hatte Koch schon in einer ersten Stellungnahme durchblicken lassen, dass er das Übernahmeangebot von 16 Euro je Aktie und die damit einhergehende Bewertung von 5,8 Milliarden Euro für zu gering hält. Nun haben Vorstand und Aufsichtsrat geschlossen nachgelegt und in ihrer „begründeten Stellungnahme“ das Angebot Kretinskys als zu niedrig bewertet. Ihren Aktionären empfiehlt der Düsseldorfer Konzern deshalb, das Angebot nicht anzunehmen.

          Die Großaktionäre Beisheim Holding und die Meridian Stiftung, die insgesamt über 20 Prozent der Anteilsscheine halten, hatten bislang keine offiziellen Angaben zu Verkaufsabsichten gemacht. Sie sind aber jeweils mit Aufsichtsräten im Metro-Kontrollgremium vertreten, das die Offerte als zu niedrig ansieht. Der Metro-Großaktionär Haniel, der schon angekündigt hatte, seinen fünfzehnprozentigen Anteil an Kretinsky zu verkaufen, ist da freilich anderer Auffassung. Deshalb hat der Haniel-Vertreter im Aufsichtsrat nicht an der Beschlussfassung teilgenommen, wodurch die einstimmige Entscheidung zustande kam, die Metro am Mittwoch verkündet hat.

          „Wir heißen Neuaktionäre herzlich Willkommen und das gilt ausdrücklich auch für Herrn Kretinsky“, sagte Koch in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. „Aber wir sind anderer Meinung in der Bewertung des Unternehmens“. Was die Metro als fairen Preis für das Unternehmen erachtet, teilt sie allerdings nicht mit, nur dass das Angebot „inadäquat“ sei. In der 134 Seiten starken Stellungnahme finden sich dann aber viele Einzelheiten, in denen Kretinsky und die Metro über Kreuz liegen. So spiegele der Angebotspreis nicht den Wert von Metro wider und würde das Unternehmen „erheblich unterbewerten“.

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          In dem hart geführten Übernahmekampf operieren die Gegner gleichwohl mit ganz unterschiedlichen Zahlen. Während Kretinsky darauf verweist, dass der Aktienkurs von 16 Euro schon eine deutlich dynamischere Geschäftsentwicklung abbilde und die Prämie damit mehr als ein Drittel über dem „unbeeinflussten Preis“ der Metro liege, argumentiert der Großhändler andersherum. So liege das Angebot nur rund 2,9 Prozent über dem Niveau des Schlusskurses am Tag der Ankündigung für den Übernahmeversuch und nur 10 Prozent über dem Drei-Monats-Durchschnitt von 14,55 Euro. Am Mittwoch lag der Aktienkurs etwas im Minus bei gut 15,50 Euro. In dem Punkt, wie weit die Metro in ihrer Transformation schon vorangeschritten ist, sind sich Kretinsky und Koch auch uneinig. Während der Tscheche angibt, noch „Strukturmaßnahmen“ vornehmen zu müssen - und sie als starker Einzelaktionär auch besser durchsetzen könnte - sieht Koch das Unternehmen schon auf Kurs.

          Der Verkauf von Kaufhof, die Aufspaltung der Elektronikmärkte Media-Markt-Saturn in das Unternehmen Ceconomy und auch der angestrebte Verkauf der Real-Supermärkte und des China-Geschäfts würden dafür sprechen. „Aus Sicht von Vorstand und Aufsichtsrat spiegelt der Aktienkurs der Metro AG die Erfolge des Transformationsprozesses noch nicht in vollem Maße wider“, schreibt das Unternehmen in der Stellungnahme. Kretinsky wiederum sieht noch einiges an Arbeit vor sich in der Umstrukturierung. Dafür strebt er einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag an.

          „Auf Kosten der Substanz“

          Die volle Kontrolle bekommt er, wenn er drei Viertel der Stimmen auf der Hauptversammlung erreicht. Dafür liegt die Mindestannahmeschwelle für das Angebot bei 67,5 Prozent. Wie die F.A.Z. zuvor schon berichtet hatte, bestätigte die Metro nun auch ihre Sorge, durch die Übernahme Kretinskys mit höheren Schulden belastet zu werden. Aufsichtsrat und Vorstand sähen es „mit Sorge“, dass Kretinsky seine Finanzierungslasten auf „Kosten der Substanz oder der Liquidität von Metro“ abbauen würde, heißt es von der Metro.

          Um die Aktien zu kaufen, würde Kretinskys Holdinggesellschaft EP Global Commerce (EPGC) Fremdkapital aufnehmen, was durchaus üblich ist bei Übernahmen. Laut der Angebotsschrift hat EPGC Eigenkapital in Höhe von 800 Millionen Euro, zusätzliche 1,25 Milliarden sollen von der Holdinggesellschaft EPH kommen, der das Akquisitionsvehikel gehört. „Unsere Kapitalstruktur für das Angebot ist sehr solide und unterstützt eine nachhaltige Wachstumsstrategie für die Metro, einschließlich der Veräußerungen von Real und China“, sagt ein EPGC-Sprecher dazu. Der mögliche Erlös, der dazu im Markt kursiert, liegt zwischen 2 und 2,5 Milliarden Euro. Die Logik der Tschechen: damit Schulden zu tilgen und dann die Verbindlichkeiten bei der eigenen Holdinggesellschaft über mehrere Jahre und verschiedene andere Geschäfte zu begleichen. Die Schuldenlast für Metro wäre demnach nicht hoch.

          Einen möglichen Widerspruch in der Argumentation kann Metro indes noch nicht auflösen: Auf der einen Seite fordert das Unternehmen einen höheren Preis, auf der anderen fürchtet es die Verschuldung. Doch je mehr Kretinsky bezahlen muss, umso höher dürfte das Fremdkapital werden, das er sich leiht.

          Während Kretinsky die Fundamentaldaten der Metro als nicht sonderlich vielversprechend sieht und auch das Wachstum als deutlich steigerungsfähig, sieht Koch mit der Vorlage der Quartalszahlen am Dienstagabend auf einem guten Weg. „Wir haben eines der besten Quartale der jüngeren Geschichte“, sagte Koch.

          Der Handelskonzern steigerte im dritten Quartal (zu Ende Juni) des Geschäftsjahrs 2018/19 den Umsatz um knapp 3 Prozent auf 7,6 Milliarden Euro und das operative Ergebnis (Ebitda) ohne Immobilientransaktionen um 4 Prozent auf 316 Millionen Euro. Das Russlandgeschäft schwächelt aber, was auch an einer Regulierung der Tabakwaren liege. Die Metro ist einer der größten Tabakhändler in Russland.

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