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Streit der Supermächte : Worin China gegenüber Trump hart bleiben wird

  • -Aktualisiert am

Angespanntes Verhältnis: Donald Trump und Xi Jinping im November 2017 in Peking. Bild: AFP

Der Konflikt zwischen Washington und Peking dreht sich um viel mehr als um Zölle. In der technologischen Auseinandersetzung müssen sich die Europäer an die Seite der Amerikaner stellen. Ein Gastbeitrag.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump hat China beschuldigt, die während der Handelsgespräche gemachten Zusagen nicht einzuhalten, und daraufhin die Zölle auf 200 Milliarden Dollar chinesischer Waren angehoben. Das hat das Risiko erhöht, dass der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China noch Monate andauern wird, möglicherweise bis zu den Präsidentschaftswahlen im November des kommenden Jahres.

          Unabhängig davon, wann der Handelskonflikt endet, ist aber schon klar: Er hat das Vertrauen zwischen den beiden Regierungen dauerhaft untergraben. Die wachsende Rivalität zwischen ihnen wird sich auf Themen konzentrieren, die folgenreicher sind als der Fluss von Konsumgütern.

          Der aktuelle Streit wiederum könnte näher an der Lösung sein, als wir denken. Es ist möglich, dass Trumps letzter Zug ein Verhandlungstrick war mit dem Ziel, eine Vereinbarung durchzudrücken. Als Geschäftsmann und als Präsident hat er sich angewöhnt, zunächst eine aggressive Haltung einzunehmen, um sein Gegenüber in die Defensive zu drängen, bevor er einen scheinbar großmütigen Kompromiss anbietet.

          Er könnte versuchen, den Druck zu erhöhen, um von Peking letzte Zugeständnisse in kontroversen Fragen zu erzwingen: Dazu zählen Subventionen, die chinesischen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, oder die Praxis, ausländische Unternehmen zu verpflichten, ihre Technologien für den Zugang zum chinesischen Markt zu teilen. Dazu zählt der Diebstahl geistigen Eigentums. Und dazu zählt schließlich auch Pekings Bereitschaft, gemachte Zugeständnisse in chinesisches Recht zu überführen und ein System zu etablieren, das sicherstellt, dass China seine Versprechen hält.

          Was Trump nicht erreichen wird

          Möglich ist jedoch auch, dass Trumps kämpferischere Berater, angeführt von seinem Handelsbeauftragten Robert Lighthizer, den Präsidenten davon überzeugt haben, dass das aktuelle Abkommen nicht hart genug ist. Und dass kurzfristige Schmerzen, die durch neue Zölle verursacht werden, langfristige Gewinne bringen werden. Die Hinweise auf eine starke amerikanische Wirtschaft vergrößern wahrscheinlich Trumps Zuversicht, er könne einen ausgedehnten Handelskonflikt mit China gewinnen.

          Schlussendlich wird Chinas Präsident Xi Jinping Trump etwas von dem anbieten, was die amerikanischen Unterhändler am meisten wollen. Zu Trumps wahrscheinlichsten Erfolgen gehören der erweiterte Zugang amerikanischer Unternehmen zum chinesischen Markt, Vereinbarungen über das Währungsmanagement, höhere chinesische Käufe von amerikanischen Sojabohnen und Zusagen, grundsätzlich auf andere amerikanische Forderungen einzugehen.

          Allerdings wird Trump Xi nicht dazu bewegen, das chinesische Wirtschaftsmodell grundlegend zu verändern. Die Führung in Peking weiß, dass chinesische Unternehmen jeden Wettbewerbsvorteil brauchen, den ihre Regierung ihnen bieten kann, wenn sie Global Player werden sollen. China wird weiterhin staatliche Unternehmen und nationale Champions in Privatbesitz subventionieren, um die internationalen Wettbewerbsbedingungen zu ihren Gunsten zu beeinflussen.

          Und Peking wird Chinas Fähigkeit zu technischen Innovationen weiterentwickeln, um mit amerikanischen und europäischen Unternehmen in den wichtigsten Wirtschaftszweigen des 21. Jahrhunderts zu konkurrieren – insbesondere in diesem Bereich werden die Chinesen keine Kompromisse eingehen, was auch immer Xi Trump verspricht oder chinesische Beamte öffentlich sagen.

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