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Amerikanischer Experte warnt : Deutsche, seht euch vor China vor

  • Aktualisiert am

Chinesische High-Tech: Teile von Foxconn machen Smartphones billiger. Bild: Reuters

Ein amerikanischer Experte warnt: China will deutsche Technik kaufen und dann Deutschland den Rang ablaufen. Was ist da am besten zu tun?

          Chinas Aufstieg im Welthandel sei mit Gefahren für die deutsche Wirtschaft verbunden, warnt ein amerikanischer Experte. „China will wie Deutschland werden. Aber China glaubt nicht, dass es Platz für zwei Deutschlands auf der Welt gibt“, sagt Derek Scissors, Handelsexperte beim unternehmensnahen „American Enterprise Institute“.

          Scissors erinnert an den Bericht „Made in China 2025“, in dem die Regierung vor zwei Jahren ehrgeizige Ziele für die Exportstärke chinesischer Unternehmen aufgelistet hat – und zwar vor allem in Branchen, in denen Deutschland bisher stark ist. „Die Chinesen produzieren immer zu viel und verteilen den Überschuss mit Subventionen in der Welt“, sagt Scissors. So werde Deutschland das Ziel merkantilistischer Wirtschaftspolitik. Das könne ausgehen wie im Fall der Solarindustrie, von der in Deutschland wenig übrig ist, seit China Solarzellen exportiert.

          Die Warnung kommt in einer Zeit, in der Amerika sich unter Präsident Donald Trump mehr auf sich selbst konzentriert und als internationaler Partner ausfällt. Zuletzt haben die Vereinigten Staaten ihren Ausstieg aus dem pazifischen Freihandelsabkommen TPP angekündigt. China steht schon bereit, um die Lücke zu füllen – wie zum Beispiel, als Donald Trump das Klimaabkommen aufkündigte. Insofern haben die Vereinigten Staaten ein Interesse daran, dass andere Länder nicht zu enge Beziehungen eingehen.

          Derek Scissors

          Gleichzeitig warnt allerdings auch Bundeskanzlerin Angela Merkel davor, mit China zu blauäugig umzugehen. „Von Peking aus betrachtet ist Europa eher eine asiatische Halbinsel. Das sehen wir natürlich anders. Dennoch ist es eine Tatsache, dass Teile der deutschen Wirtschaft von China abhängig sind“, sagte sie im Sommer in einem Interview mit der „Wirtschaftswoche“. „Auch deswegen müssen wir mit Chinas Ansprüchen und Forderungen so umgehen, dass eine harmonische Entwicklung zum Vorteil aller eintritt. Darüber spreche ich immer wieder mit der chinesischen Führung.“ Erst in den vergangenen Wochen beschwerten sich deutsche Unternehmen darüber, dass sie in ihren chinesischen Tochterunternehmen Parteizellen für die Kommunistische Partei einrichten sollten.

          China kauft Innovationen

          Diese Maßnahme findet Handelsexperte Derek Scissors weniger dramatisch. „Die Parteileute sind eher da, um den Chinesen auf die Finger zu schauen, weniger wegen der Deutschen“, sagt er. Besonders gefährlich sei es, wenn chinesische Unternehmen deutsche Hochtechnologie kauften. Die würden sie verwenden, um später deutsche Unternehmen mit billigen Produkten aus dem Markt zu drängen.

          Das habe auch Vorteile, gibt Scissors zu: Vom chinesischen Staat subventioniert, konnten deutsche Hausbesitzer für wenig Geld ihre Dächer mit Solarmodulen ausrüsten. „Wir haben auch billige Handys bekommen.“ Doch Amerika habe Anfang des Jahrtausends zu lange so gedacht und sich zu wenig um die eigenen Unternehmen gekümmert, sagt der Unternehmensvertreter. „In den drei Jahren, nachdem China der Welthandelsorganisation beigetreten ist, sind 15 Prozent aller produzierenden Arbeitsplätze in Amerika verschwunden“, sagt er. Auch das habe zur Wahl von Donald Trump beigetragen. „Deutschland ist besser vorbereitet“, findet er. Die Gefahr sei trotzdem da.

          Chinas Wachstum ist gefährdet

          Und das, obwohl Chinas wirtschaftliche Entwicklung selbst in Gefahr sei. Im Land häuften sich zu viele Schulden an, gleichzeitig altere das Land schnell. „Wenn 2018 kein Reformprozess beginnt, wird das Land auf Dauer bei einem mittleren Einkommen stehen bleiben“, glaubt er. Und die Chancen auf Erneuerung hält er für klein. Präsident Xi Jinping, der gerade erst seine Macht auf Jahre hinaus zementiert hat, sei kein Verfechter wirtschaftlicher Reformen.

          Allerdings könne China angesichts seiner Größe auch dann anderen Ländern schaden, wenn es nicht so schnell wachse wie geplant, warnt Scissors.

          Was sollte Deutschland tun?

          Abhilfe ist nicht leicht. Dass Deutschlands Arbeiter gebildet und produktiv sein müssen, wie er betont, ist eine Binsenweisheit.

          Andere Schritte haben andere Nachteile: Den Handel mit China weit zurückzufahren, würde zum Beispiel viele Produkte in Deutschland verteuern. Auch in vielen Unternehmen sind chinesische Investoren inzwischen gern gesehene oder sogar dringend benötigte Geldgeber. Der Mischkonzern HNA beispielsweise ist inzwischen an der Deutschen Bank und am Flughafen Hahn beteiligt.

          Scissors sieht den Verkauf von Hochtechnologie kritisch, zum Beispiel den Verkauf des Roboterbauers Kuka an den chinesischen Konzern Midea. Der Verkauf des Chipanlagenbauers Aixtron wurde von der deutschen Regierung gestoppt – auch damals auf Intervention aus Amerika, nämlich vom damaligen Präsidenten Barack Obama. Inzwischen gibt es in Deutschland eine Regelung, die es der Bundesregierung erlaubt, den Verkauf von Hochtechnologie-Firmen zu verbieten. Dieses Mittel sollte Deutschland nutzen, findet der Amerikaner. Das belaste auch für das Verhältnis mit China nicht übermäßig. „Solche Schritte werden sie am Ende verstehen. So denken sie selbst schließlich auch.“

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