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Handel : Wechsel an der Spitze von Karstadt Quelle

  • Aktualisiert am

Zeit zu gehen: Wolfgang Urban Bild: dpa

Wolfgang Urban verläßt den mit Ertragsverfall kämpfenden Handels- und Dienstleistungskonzern Karstadt Quelle. Nach Informationen der F.A.Z. soll Christoph Achenbach neuer Chef werden.

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          Beim größten europäischen Warenhauskonzern Karstadt Quelle kommt es zum Wechsel an der Unternehmensspitze: Wolfgang Urban verläßt den mit fortschreitendem Ertragsverfall kämpfenden Handels- und Dienstleistungskonzern. Nach Informationen dieser Zeitung soll Christoph Achenbach, im Vorstand derzeit für den Versandhandel zuständig, neuer Chef von Karstadt Quelle werden. Er soll dieses Amt zunächst in Personalunion mit seinen Aufgaben bei Neckermann und Quelle ausüben. Das Ausscheiden Urbans soll an diesem Montag nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung in Frankfurt bekanntgegeben werden. Karstadt Quelle wollte den anstehenden Wechsel am Sonntag nicht kommentieren.

          Wie zu hören ist, hat es am Freitag in Wiesbaden eine Krisensitzung mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Meinhardt und Vertretern der Familie Schickedanz gegeben, die zu den personellen Konsequenzen geführt hat. Im Unternehmensumfeld wird seit längerem über eine mögliche Ablösung von Urban spekuliert. Offensichtlich schwelt die Unzufriedenheit über den Vorstandsvorsitzenden auch im Aufsichtsrat seit geraumer Zeit.

          Vorwurf: verzettelt

          Kritiker werfen Urban vor, sich in seiner Strategie mit verschiedenen Engagements wie beispielsweise beim Sportsender DSF oder bei der Kaffeehauskette Starbucks verzettelt und die Kerngeschäfte Warenhaus, Versandhandel und Reisegeschäft vernachlässigt zu haben. Tatsächlich hat Karstadt Quelle ein strukturelles Problem. Anders als beispielsweise der Metro-Konzern, der fast die Hälfte des Umsatzes im Ausland erzielt, ist der Essener Warenhauskonzern stark von der schleppenden und zudem von Margendruck und Preiskämpfen gekennzeichneten deutschen Inlandsnachfrage abhängig.

          Der Neue: Christoph Achenbach

          Das Modell Warenhaus ist nicht exportierbar, und im Versandhandel bietet sich fast nur für die Spezialversender die Internationalisierung an. Mit seinen in den Innenstädten gelegenen Warenhäusern und Textilfachgeschäften leidet der Konzern zudem besonders unter dem Zug der Verbraucher auf die sogenannte grüne Wiese. Nach eigenen Angaben sollen zwar 90 Prozent der 180 Warenhäuser Geld verdienen, allerdings nicht genug.

          Ein neuer Vorstandschef für Middelhoff

          In dem Unternehmen nahestehenden Kreisen heißt es, daß die Vorstandsfrage bis zum Amtsantritt des neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Thomas Middelhoff geklärt werden sollte, damit der ehemalige Bertelsmann-Chef und heutige Finanzmanager mit einem neuen Vorstandsvorsitzenden antreten kann. In der Hauptversammlung vor zwei Wochen hatte Meinhardt angekündigt, sein Mandat innerhalb der nächsten Monate zu übergeben.

          Der sich abzeichnende Führungswechsel dürfte weitere Personalentscheidungen auf höchster Ebene nach sich ziehen. So ist nach dem Ausscheiden von Norbert Nelles im vergangenen Sommer das kommissarisch von Urban und Vorstandsmitglied Peter Gerard übernommene Finanzressort neu zu besetzen. Wie zu hören ist, steht hier eine externe Lösung bevor. Auch bei der Tochtergesellschaft Karstadt Warenhaus AG sind zwei Vorstandsposten neu zu vergeben.

          Latente Unstimmigkeiten

          Die Familie Schickedanz hatte den langjährigen Kaufhof- und späteren Metro-Vorstand Urban einige Monate nach dessen Ausscheiden aus dem Kölner Konzern 1999 zunächst nach Fürth geholt. Erst im Sommer des vergangenen Jahres wurde der in diesem Juni endende Vertrag des 58 Jahre alten Handelsmanagers um weitere fünf Jahre verlängert. Dem Vernehmen nach haben sich die latenten Unstimmigkeiten innerhalb des vierköpfigen Führungsgremiums in der letzten Zeit verschärft.

          Dabei gelten die drei Vorstandsmitglieder Achenbach, Gerard und Helmut Merkel als eingeschworenes Team. Besonders zwischen Urban und dem für Warenhäuser zuständigen Merkel soll es tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten zur Strategie geben. Der Essener Konzern hat im vergangenen Jahr nur dank Sondererträgen schwarze Zahlen geschrieben und im ersten Quartal 2004 bei weiteren Umsatzeinbußen einen Verlust von 171 Millionen Euro erlitten.

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