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Handel : Rabattschlacht sorgt für Streit

  • Aktualisiert am

Ein Tag „ohne” Mehrwertsteuer Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

„Deutschland zahlt keine Mehrwertsteuer!“ - so hatte Media-Markt für eine Rabattaktion geworben. Alles Mogelei? Verbraucherschützer werfen der Fachmarktkette vor, mit unsauberen Tricks gearbeitet zu haben.

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          Die Rabattschlacht zum Jahresbeginn sorgt für Streit im Handel: Verbraucherschützer werfen der Fachmarktkette Media-Markt vor, bei ihrer spektakulären Preissenkungs-Aktion „Am 3.1. zahlt Deutschland keine Mehrwertsteuer“ mit unsauberen Tricks gearbeitet zu haben. Der Bundesverband Verbraucherzentralen (vzbv) mahnte deshalb Niederlassungen des Unternehmens im Saarland und in Baden-Württemberg wegen irreführender Preiswerbung ab. Das Unternehmen selbst wies die Vorwürfe entschieden zurück.

          „Beschwerden von Verbrauchern legen nahe, daß Media-Märkte im Vorfeld der Werbeaktion den Preis für einige Produkte hochgesetzt haben“, berichtete der Jurist der Verbraucherzentralen, Egbert Groote, am Mittwoch in Berlin. Viele verärgerte Kunden hätten sich bei der Verbraucherzentrale beschwert, weil das Preisschild an den gewünschten Produkten am Aktionstag deutlich höher gewesen sei als an den Tagen zuvor.

          Preise vor der Aktion erhöht?

          So sei nach Angaben eines Kunden in der Media-Markt-Filiale in Homburg kurz vor Silvester ein digitaler Camcorder für 299 Euro verkauft worden. Das gleiche Gerät sei dann am Aktionstag mit 349 Euro ausgezeichnet gewesen. Abzüglich der 16 Prozent Rabatt wäre damit eine Ersparnis von weniger als 6 Euro übrig geblieben.

          Nicht nur in Freiburg: Andrang, bevor der Laden öffnet

          Ähnliche Erfahrungen hätten Kunden im Saarland, in Nordrhein-Westfalen und in Baden-Württemberg bei einer ganzen Reihe von Produkten gemacht, berichtete die Verbraucherzentrale. So sei ein DVD-Brenner Kundenangaben zufolge mit 129 Euro statt 111 Euro ausgezeichnet gewesen. Das Preisschild an einem Computermonitor sei von 999 auf 1.099 Euro erhöht worden. „Laut Wettbewerbsrecht ist es unzulässig, mit besonderen Preisherabsetzungen zu werben, wenn tatsächlich keine oder nur unerhebliche Preissenkungen stattgefunden haben“, rügte Groote.

          „Volle Parkplätze und volle Märkte“

          Media-Markt-Sprecher Bernhard Taubenberger wies die Vorwürfe allerdings entschieden zurück: „Glauben Sie bitte nicht, daß wir in eine so groß angelegte Aktion mit billigen Taschenspielertricks gehen. Wir haben in 25 Jahren zu viel Kundenvertrauen aufgebaut, als daß wir das durch solche plumpe Trickserei riskieren würden.“ Media-Markt habe „definitiv nicht“ seine Produkte höher ausgezeichnet, um sie anschließend mit Abschlag zum ursprünglichen Preis verkaufen zu können. Allerdings seien die Preise in den Märkten immer in Bewegung.

          Die Werbeaktion hatte am 3.Januar zu einem wahren Run auf die Media-Markt-Filialen geführt. „Wir hatten volle Zufahrtsstraßen, volle Parkplätze und volle Märkte“, zog Taubenberger zufrieden Bilanz.

          Kritik auch von der Wettbewerbszentrale

          Schon vor dem vzbv hatte auch die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs den Media Markt Oldenburg abmahnt, weil dieser für die Online-Werbung der Kette verantwortlich sei. Im Internet sei explizit mit 16 Prozent Rabatt geworben worden. Der Verbraucher sei damit irregeführt worden, weil eine Preisreduzierung in Höhe des gesetzlichen Mehrwertsteuersatzes nur knapp 14 Prozent vom Bruttopreis ausmache, argumentierte die Wettbewerbszentrale. Denn die 16 Prozent Mehrwertsteuer werden jeweils auf den Nettopreis erhoben, der auf Preisschildern normalerweise gar nicht extra aufgeführt ist.

          Inzwischen habe Media Markt erklärt, der Rabatt sei tatsächlich in Höhe von 16 Prozent auf die Endpreise gewährt worden, teilte die Wettbewerbszentrale am Mittwoch in Bad Homburg mit. Damit müsste sich die Elektronikkette aber zumindest „widersprüchliche Werbeaussagen entgegenhalten lassen, die dem Gebot der Transparenz bei der Bewerbung von Rabatten widersprechen.“ Grundsätzlich sei die eintägige Aktion mit dem Wegfall des Sonderveranstaltungsverbots nunmehr aber zulässig, hieß es weiter. Auch habe für die Verbraucher im Vorfeld des Aktionstages ausreichend Gelegenheit zu Preisvergleichen bestanden.

          Verband geht vielleicht auch gegen Saturn vor

          Der Bundesverband der Verbraucherzentralen kritisierte unterdessen auch die ebenfalls zum Metro-Konzern gehörenden Saturn-Märkte wegen einer ähnlichen Werbeaktion. Die Saturn-Filialen hatten parallel zur Aktion von Media Markt damit geworben, ihre Produkte zum Einkaufspreis zu verkaufen.

          Doch hätten Verbraucher im Internet Endpreise gefunden, die niedriger lagen als die angeblichen Einkaufspreise von Saturn, bemängelte ein vzbv-Sprecher. „Ob wir auch gegen Saturn vorgehen, wird derzeit noch geprüft.“

          Manche Konkurrenten sind noch günstiger

          Angesichts immer aggressiverer Werbeformen empfehlen die Verbraucherzentralen den Kunden, auch bei spektakulären Rabattaktionen einen kühlen Kopf zu bewahren. „Ein Gespräch mit dem Fachhändler um die Ecke kann manchmal ebenso effektiv sein“, erklärten die Verbraucherzentralen.

          Bestätigt fühlen sich die Verbraucherschützer durch eine von der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg durchgeführte Studie, die in dieser Woche veröffentlicht wurde. Danach liegt das Preisniveau beim Media-Markt zwar unter dem Branchen-Durchschnitt. Doch seien manche Konkurrenten noch günstiger. Media-Markt hatte die Untersuchung allerdings als unseriös kritisiert.

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