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Handel : Karstadt treibt Sanierung voran

  • Aktualisiert am

Klaus Zumwinkel (Deutsche Post) und Christoph Achenbach (Karstadt-Quelle) Bild: AP

Der Verkauf der Karstadt-Logistik an die Post ist nur ein Teil des Rettungsprogramms: Insgesamt will der angeschlagene Warenhauskonzern Geschäftsbereiche für über eine Milliarde Euro veräußern.

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          Auf seinem Sanierungsweg hat der Handelskonzern Karstadt-Quelle mit der Abgabe großer Teile der Logistik den bislang bedeutendsten Schritt in seinem Verkaufsprogramm unternommen.

          Für gut 200 Millionen Euro gehen die Warenhaus- und ein Teil der Versandlogistik für zunächst zehn Jahre an die Deutsche Post, wie beide Unternehmen am Montag in Essen mitteilten (Post übernimmt Teile der Karstadt-Logistik). Karstadt-Quelle hat damit bereits mehr als ein Drittel seiner insgesamt erwarteten Veräußerungserlöse erzielt. Bis zum Sommer sollen weitere Verkäufe folgen.

          3.700 Mitarbeiter sind betroffen

          Der Vorstandsvorsitzende Christoph Achenbach sprach von einem großen Schritt zur Restrukturierung der Karstadt-Quelle AG, die in eine Umsatz- und Ertragskrise geraten ist und sich von der Konzentration auf ihre angestammten Kernaktivitäten im Handel mittelfristig die Rückkehr zur Profitabilität erhofft. Die veräußerten Geschäftsbereiche haben einen jährlichen Umsatz von über 500 Millionen Euro. Die auf zehn Jahre angelegte Übereinkunft mit der Post bezeichnete Achenbach als „ersten“ Vertrag mit dem Ziel einer dauerhaften Partnerschaft. Beide Unternehmen sind bereits seit vielen Jahren geschäftlich verbunden.

          Bild: dpa

          Die Post-Expreßtochter DHL übernimmt zum 1. April zum einen die Distributionslogistik der Karstadt Warenhaus AG einschließlich der knapp 2.700 Mitarbeiter. Das Umsatzvolumen beträgt 260 Millionen Euro pro Jahr. Zu dem Bereich gehört auch das große Warenverteilzentrum im westfälischen Unna. Zum anderen geht der Groß- und Stückgutversand von Quelle und Neckermann mit etwa 1.000 Mitarbeitern, der jährlich rund 270 Millionen Euro umsetzt, an DHL. Hier übernimmt die Post auch elf Standorte.

          Verkäufe sollen 1,1 Milliarden Euro bringen

          Karstadt-Quelle will Kosteneinsparungen von zunächst 3 bis 5 Prozent erreichen. Ferner will sich das Unternehmen auch von der Immobilie in Unna sowie einer Logistikliegenschaft von Neckermann in Frankfurt trennen. Hier liefen Gespräche, und man sei zuversichtlich, sagte Achenbach. Außerdem prüft der Konzern die Abgabe des Paketpackdienstes seiner Versender.

          Der Post-Vorstandsvorsitzende Klaus Zumwinkel sagte, daß sein Unternehmen hier gegebenenfalls ein Gebot abgeben werde. Bis zum Sommer sollen die Logistik-Verkäufe abgeschlossen sein. Sie sollen 50 bis 60 Prozent der gesamten 1,1 Milliarden Euro ausmachen, die Karstadt-Quelle aus allen Verkäufen erwartet.

          Auch Mode- und Sportketten werden veräußert

          Bislang seien gut 35 Prozent der Summe zusammengekommen, führte Achenbach weiter aus. Ursprünglich hatte es 2004 aber bereits die Hälfte sein sollen. Die im Herbst begonnenen Logistik-Verhandlungen hatten sich in die Länge gezogen. Mit 200 Millionen Euro sei aber der angestrebte Erlös erzielt worden, betonte Achenbach.

          Bereits im vergangenen Jahr hatte Karstadt-Quelle seinen IT-Dienstleister, zwei Warenhäuser und zwei Call-Center sowie die Beteiligungen an der Cafekette Starbucks und an einem Papiergroßhändler veräußert. Folgen sollen bis Mitte 2005 außerdem die vier Mode- und Sportketten.

          Karstadt-Aktie gibt nach

          Achenbach zeigte sich zuversichtlich und gab zu verstehen, daß es zahlreiche Interessenten gibt. Auch zum Verkauf des Deutschen Sportfernsehens liefen „ganz gute Verhandlungen“. Außerdem stehen 77 kleineren Warenhäuser auf der Verkaufsliste.

          Mit der Übernahme der Logistik könne die Post einen wichtigen Beitrag leisten „zur Stärkung eines bedeutenden Kunden in schwerer Zeit“, sagte Zumwinkel. So wie Karstadt-Quelle über Jahre „treu an der Seite“ der Post gestanden habe, tue diese das nun umgekehrt bei ihrem Geschäftspartner. Zumwinkel hatte vor seiner Berufung zum Vorstandsvorsitzenden der Post im Jahre 1990 den Versender Quelle geleitet, der dann 1999 mit Karstadt fusionierte. Außerdem sitzt er im Aufsichtsrat des Handelskonzerns. Die Börse war von dem Verkauf anscheinend nicht gerade angetan. Die Aktie von Karstadt-Quelle verlor 1,6 Prozent, während sich das Papier der Post um 0,6 Prozent verbilligte.

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