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Handel : Karstadt-Quelle will an Standorten festhalten

  • Aktualisiert am

In Schieflage Bild: dpa/dpaweb

Karstadt-Quelle macht ernst mit dem Arbeitsplatzabbau. Um Personalkosten von 145 Millionen Euro zu sparen, sollen 4000 Jobs wegfallen. Aktuelle Pläne zur Schließung von Warenhäusern gebe es aber nicht.

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          Der Warenhaus- und Versandhandelskonzern Karstadt-Quelle will trotz seines neuen Sparkurses an den bisherigen Standorten festhalten. „Es gibt keinen aktuellen Plan zur Schließung von Warenhäusern und Fachgeschäften“, sagte Konzernsprecher Jörg Howe am Montag in Essen. Lediglich drei Häuser seien unter anderem durch auslaufende Mietverträge betroffen. Diese Schließungen seien aber bereits seit längerem beschlossen gewesen.

          Angesichts anhaltender Umsatzrückgänge verschärft Karstadt-Quelle unter seinem neuen Vorstandsvorsitzenden Christoph Achenbach den Sparkurs. Bis Ende 2006 will Europas größter Warenhaus- und Versandhandelskonzern in seinen 180 Waren- und 32 Sporthäusern rund 4000 Vollzeit-Arbeitsplätze streichen. Nach Abschluß der Maßnahmen sollen dadurch jährlich rund 145 Millionen Euro eingespart werden. "Der Abbau von rund 4000 Vollzeit-Stellen in den 212 Waren- und Sporthäusern bis Ende 2006 ist eine realistische Größenordnung", erläuterte der Konzernsprecher am Wochenende und bestätigte damit Befürchtungen von Vertretern der Arbeitnehmer über das Ausmaß des Stellenabbaus.

          Betroffen sei überwiegend der Verwaltungsbereich. Dort wolle die Warenhaus AG bis Ende 2006 rund 95 Millionen Euro einsparen, teilte das Essener Unternehmen mit. Im Verkauf sollen die Personalkosten um rund 50 Millionen Euro sinken. Das Sparpotential in diesem Bereich soll bereits bis 2005 ausgeschöpft sein. Der Stellenabbau solle so "sozialverträglich" wie möglich über die Bühne gehen. Gespräche mit der Belegschaft würden in Kürze beginnen. Bis Ende 2006 würden voraussichtlich zwei oder drei der 180 Warenhäuser geschlossen, sagte der Sprecher. Schließungen in dieser Größenordnung habe es immer gegeben, fügte er hinzu. "Damit sind Spekulationen über die Schließung von bis zu 30 Warenhäusern vom Tisch." Diese Zahl war jüngst in Presseberichten genannt worden.

          Beträchtliche Kosten für Sozialpläne

          Der Personalabbau werde zu beträchtlichen Kosten für Sozialpläne führen, räumte Howe ein. Einen Betrag nannte er allerdings nicht. Insgesamt hat die Warenhaus AG rund 47 000 Beschäftigte. Umgerechnet auf Vollzeit-Arbeitsplätze, sind es 37 500 Stellen. Bereits im vergangenen Jahr war die Zahl der Vollzeit-Beschäftigten im Warenhausbereich um 7,8 Prozent geschrumpft. Grundlage des verschärften Sparkurses ist ein noch vom ehemaligen Konzernchef Wolfgang Urban angestoßenes Programm zur Senkung der Verwaltungskosten, "Zero Base". Im Rahmen dieses Programms seien bisher knapp 90 Prozent aller administrativen Prozesse unter die Lupe genommen worden, teilte Karstadt am Samstag mit. Jüngst hatte der Konzern bereits publik gemacht, daß der seit Mai amtierende neue Vorstandsvorsitzende Achenbach an einer umfassenden Bestandsaufnahme in allen Geschäftsfeldern arbeite, um die Kosten auf Dauer zu senken und die Ertragskraft des Handelskonzerns zu steigern. Nach rund 100 Tagen will Achenbach ein Gesamtkonzept vorlegen, das mit den Arbeitnehmern verhandelt ist. Daran habe sich nichts geändert, sagte Konzernsprecher Howe.

          Urban hatte nach erneut schwächeren Quartalszahlen Mitte Mai seinen Posten aufgeben müssen. Im ersten Quartal waren die Konzernerlöse um weitere 4,4 Prozent auf 3,52 Milliarden Euro geschrumpft. Die Warenhäuser und Fachgeschäfte hatten insgesamt 3,9 Prozent an Umsatz eingebüßt, der Versandhandel sogar 5,1 Prozent. Bei einem anhaltend schwachen Umsatzverlauf schließt der Konzern nicht aus, im Gesamtjahr operativ rote Zahlen zu schreiben. Zudem belastet seit längerem auch die Krise des gemeinsam zur Hälfte mit der Lufthansa geführten Touristikkonzerns Thomas Cook erheblich die Bilanz.

          Die Stellenstreichungen im Verkauf würden sich nicht negativ auf die Betreuung der Kunden auswirken, ergänzte ein Sprecher. Vielmehr solle je nach Standort die Zahl der Verkäufer an die Entwicklung des Umsatzes angepaßt werden. In schwachen Verkaufszeiten könnten deshalb künftig weniger Verkäufer in den Geschäften stehen, in stark frequentierten Zeiten mehr. Außerdem sollen neue Kassen- und Warenwirtschaftssysteme die Verkäufer von Aufgaben entlasten, die nicht unmittelbar mit Kundenkontakten zusammenhängen.

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