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Handel : Karstadt-Aufsichtsrat stimmt Notprogramm zu

  • Aktualisiert am

Geschlossen, wegen neuer Dekoration Bild: dpa/dpaweb

Der Karstadt-Quelle-Aufsichtsrat hat den Sanierungsplan des Vorstandes und eine Kapitalerhöhung von 500 Millionen Euro gebilligt. Ein neuer Finanzvorstand wurde auch ernannt. Heute gibt es weitere Einzelheiten.

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          Der Aufsichtsrat des angeschlagenen Karstadt-Quelle-Konzerns hat in seiner Sitzung am Montag abend dem Restrukturierungsprogramm des Vorstandes zugestimmt. Zugleich hat er eine Kapitalerhöhung im Volumen von 500 Millionen Euro genehmigt. Sie dient der Stärkung der Eigenkapitalbasis und dem Abbau der Nettoverschuldung.

          Außerdem wurde ein neuer Finanzvorstand ernannt. Harald Pinger (44) wird diese Position am 1. Oktober übernehmen, teilte das Unternehmen am Dienstag in Essen mit. Pinger war bisher Finanz-Geschäftsführer der Messer Griesheim GmbH. Die Position war seit dem Weggang von Norbert Nelles vor einem Jahr nicht mehr besetzt.

          Wie es heißt, bringt das umfangreiche Desinvestitionsprogramm einen derzeit geplanten positiven Liquiditätseffekt von voraussichtlich 1,1 Milliarden Euro in den Jahren 2004 und 2005. Es sei schon in Teilen umgesetzt. Allerdings ist in diesem Jahr ein erheblicher Sonderaufwand zu verkraften. So werden die erforderlichen Bewertungs- und Restrukturierungsmaßnahmen das Ergebnis einmalig mit bis zu 1,4 Milliarden Euro belasten. Schon für das nächste Geschäftsjahr plant der Vorstand ein deutlich positives Ergebnis (EBTA).

          Solidarpakt erforderlich

          Wie nach der Aufsichtsratssitzung weiter mitgeteilt worden ist, wird sich der Konzern im stationären Einzelhandel künftig auf einen Kernbereich mit 4,5 Milliarden Euro Umsatz konzentrieren und Randgeschäfte mit einem Umsatz von 0,7 Milliarden Euro abgeben. Im Versandhandel steht die Neupositionierung der Marken Quelle und Neckermann sowie die Forcierung der Wachstumsbereiche Spezialversand, Ausland und Elektronischer Handel im Vordergrund. Der Dienstleistungsbereich soll sich nur noch auf handelsnahe Aktivitäten konzentrieren.

          Zur optimalen Realisierung des Wertsteigerungspotentials des Immobilienportfolios wird zudem geprüft, die Immobilienaktivitäten vom eigentlichen Handelsgeschäft abzutrennen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Middelhoff hatte am Wochenende in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ von einem erforderlichen Solidarpakt von Mitarbeitern, Führungskräften, Gesellschaftern und Banken gesprochen.

          Kurs auf Talfahrt geschickt

          Mehrheitsaktionäre mit knapp über 50 Prozent sind die beiden Familienstämme Schickedanz und Riedel. 10,5 Prozent liegen bei der Allianz, rund 30 Prozent der Aktien sind breit gestreut. Sowohl der Pool von Madeleine Schickedanz (41,55 Prozent) als auch Allianz haben sich vor Wochen ausdrücklich zum eingeleiteten Restrukturierungsprogramm bekannt, dessen weitere Details der Vorstandsvorsitzende Christoph Achenbach am heutigen Diensttag vorstellt. Dem Vernehmen nach haben sie schon zugesagt, die Kapitalerhöhung mitzutragen. Es ist denkbar, daß Madeleine Schickedanz ihren Anteil auf eine Mehrheit ausbaut.

          Marktgerüchte über eine anstehende Kapitalerhöhung hatten am Morgen den Aktienkurs mit Abschlägen von mehr als 7 Prozent auf rund 13,30 Euro auf Talfahrt geschickt. Der außerordentliche Aufwand, der das Jahresergebnis tief in die roten Zahlen drücken wird, setzt sich im wesentlichen aus Abschreibungen auf Firmenwerte, Immobilien und Vorräte zusammen (F.A.Z. vom 3. August). Auch der geplante Stellenabbau von bis zu 8500 Vollzeitkräften wird zu erheblichen Sonderbelastungen führen.

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