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Handel in Amerika : Aldi wildert im Revier von Wal-Mart

Aldi in Orlando arbeitet mit großen Fotos an der Wand Bild: picture alliance / landov

Der deutsche Händler Aldi erobert Amerika. Mehr als 1000 Filialen gibt es schon. Bald eröffnet der erste Laden in New York. Mit Schokolade „made in Germany“.

          4 Min.

          Bob Leobryn liebt die Wurst vom Aldi. Der 62 Jahre alte Rentner steht am Kühlregal und wirft eine Packung mit fünf Bratwürsten in seinen Einkaufswagen, die Aldi unter dem Markennamen "Deutsche Küche" verkauft. Von der gleichen Marke finden sich im Regal auch Packungen mit der Aufschrift "Knackwurst", "und die sind eigentlich genauso gut", schwärmt Leobryn. In einem deutschen Laden würden diese Wurstsorten nicht weiter auffallen, aber dieser Aldi steht in der Kleinstadt Linden im amerikanischen Bundesstaat New Jersey, gut zwanzig Kilometer außerhalb von New York.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das Geschäft in Linden ist einer von mittlerweile mehr als 1000 Aldis in den Vereinigten Staaten. Der deutsche Discount-Riese ist hier schon seit dem Jahr 1976 vertreten, damals machte die erste Filiale im ländlichen Bundesstaat Iowa auf. Aldi ging in Amerika lange Zeit behutsam vor: Doch im vergangenen Jahr schaltete Aldi auf einmal einige Gänge höher und eröffnete 100 Filialen, doppelt so viele wie üblich. Das hohe Expansionstempo setzt sich auch 2009 fort: Im März überschritt der deutsche Händler die Marke von 1000 Standorten in Amerika, insgesamt sind für dieses Jahr 80 neue Geschäfte geplant, darunter auch der erste Aldi in New York.

          Nichts an dem Laden ist glamourös

          Allein vom Erscheinungsbild her könnte der Aldi in Linden genauso gut in Deutschland stehen. Nichts an dem Laden hier ist glamourös, auf das Ambiente beim Einkaufen wird wenig Wert gelegt. Der Aldi ist in einem schmucklosen Kastenbau in einem tristen Industriegebiet, nicht weit von einer riesigen Industriebrache, die der Autokonzern General Motors nach dem Abriss eines Werks vor ein paar Jahren hinterlassen hat. An der Fassade hängen zwei Schilder mit dem großen "A", wie man sie auch aus Deutschland kennt. Die Inneneinrichtung ist spartanisch, ein großer Teil der Artikel wird aus dem Karton heraus verkauft - der berühmte Aldi-Minimalismus eben.

          Shoppen wie die Deutschen: Aldi in Orlando, Florida

          Die Knackwurst und die Bratwurst (Preis: 2,29 Dollar) sind eigentlich untypisch, denn ansonsten finden sich im Sortiment des Aldi in Linden nicht allzu viele deutsche Einflüsse. Zu den wenigen anderen Beispielen gehören Gummibärchen und Cola-Flaschen von Haribo für 89 Cent je Tüte. "Manchmal haben wir auch deutschen Kuchen und Strudel, aber immer nur für begrenzte Zeit", erzählt ein Verkäufer. Kein Wunder, dass vielen Kunden die Herkunft von Aldi verborgen bleibt. "Wirklich, Aldi kommt aus Deutschland? Ich hatte keine Ahnung", sagt die 85 Jahre alte Rentnerin Adeline Madsen, die einmal in der Woche bei Aldi einkauft und jedes Mal im Schnitt 40 Dollar ausgibt.

          Produktpalette an einheimische Geschmäcker angepasst

          Insgesamt hat Aldi seine Produktpalette für Amerika stark an die einheimischen Geschmäcker angepasst: Es gibt nicht den Nutella-Verschnitt Nutoka wie in Deutschland, dafür die in Amerika als Brotaufstrich viel beliebtere Erdnussbutter, in Standardform und in einer Mischversion mit Traubengeleestreifen. Auch Marshmallow-Creme und Ahornsirup fehlen nicht im amerikanischen Aldi.

          Wie in Deutschland verkauft Aldi auch in Amerika fast ausschließlich eigene Marken. Bekannte Markennamen wie Haribo oder Pringles-Kartoffelchips sind die Ausnahme. Auch die wöchentlichen Sonderaktionen mit einem wild zusammengewürfelten Allerlei von Artikeln gibt es bei Aldi in Amerika. Das aktuelle Angebot: eine Wasserrutsche für 199,99 Dollar, eine Fahrradpumpe für 7,99 Dollar, bemalbare Flip-Flops für 6,99 Dollar je Paar.

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