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Handel : Gewerkschaft kommt, Wal-Mart geht

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Die Fahne bitte im Wind: Wal-Mart Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Der weltgrößte Einzelhändler pflegt seine Aversion: Wegen angeblich unvernünftiger Forderungen der Gewerkschaft will die amerikanische Handelskette Wal-Mart in Kanada einen Supermarkt schließen.

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          Die amerikanische Kaufhauskette Wal-Mart will in Kanada einen Supermarkt schließen, weil dessen Belegschaft sich gewerkschaftlich vertreten lassen will. Der Laden in Jonquiere in der Provinz Quebec wäre der erste in Nordamerika, in dem die Gewerkschaft UFCW Fuß gefaßt hätte. Wal-Mart hat bisher aller Versuche der Gewerkschaft, in seinen Betrieben eine örtliche Arbeitnehmervertretung zu gründen, abgelehnt und bekämpft.

          Unternehmenssprecher Andrew Pelletier sagte, das Geschäft in Jonquiere müsse wegen unvernünftiger Forderungen der Gewerkschaft geschlossen werden, die zu Verlusten führen würden. Der UFCW-Direktor für Kanada, Michael Fraser, wies das zurück: „Wal-Mart feuert diese Arbeitnehmer nicht, weil der Laden Geld verliert, sondern weil Arbeiter ihr Recht wahrnehmen, einer Gewerkschaft beizutreten.“

          Ein Analyst, Burt Flickinger von der Strategic Resource Group, sagte, das Vorgehen der Wal-Mart-Geschäftsleitung zeige die tiefen Aversionen des Unternehmens gegen Gewerkschaften. Man befürchte, daß Jonquiere zum Brückenkopf für die UFCW in Nordamerika werden könne. Die Wal-Mart-Begründung, Jonquiere mache wegen der gewerkschaftlichen Forderungen Verluste, wollte er nicht glauben: „Es ist nahezu unmöglich für Wal-Mart, in irgendeiner Provinz Kanadas keinen Profit zu machen.“

          Nach Bekanntgabe der Entscheidung gingen viele Wal-Mart-Mitarbeiter in der rund 400 Kilometer nordöstlich von Montreal gelegenen Stadt mit Tränen in den Augen nach Hause. „Viele haben geweint, und ich auch“, sagte die Kassiererin Claudia Tremblay. „Ich bin eine Mutter von zwei Kindern und lebe von meinem Mann getrennt. Es ist sehr hart.“

          Vor fünf Jahren wäre beinahe in einem Wal-Mart im Bundesstaat Arkansas eine Arbeitnehmervertretung gegründet worden. Elf Mitarbeiter in der Metzgerei hatten dafür gestimmt, sich gewerkschaftlich vertreten zu lassen. Wal-Mart lagerte daraufhin diese Abteilung unternehmensweit aus und verkauft seitdem nur noch außerhalb abgepacktes Fleisch.

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