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Konsumgüterkonzern : Hamburger Milliardär gibt Beiersdorf-Posten ab

Die Nivea-Creme ist wohl das bekannteste Beiersdorf-Produkt. Bild: dpa

Paukenschlag im Konsumgüterkonzern: Der Großaktionär Michael Herz zieht sich aus dem Aufsichtsrat zurück. Für ihn rückt sein Bruder Wolfgang in das Gremium.

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          Auf den Hauptversammlungen von Beiersdorf sind normalerweise keine großen Überraschungen zu erwarten. Das hat auch mit Michael Herz zu tun: Der verschwiegene Milliardär aus Hamburg kontrolliert über seine Familienholding Maxingvest rund 51 Prozent der Aktien des Dax-Konzerns und sichert damit für die meisten Beschlüsse eine komfortable Mehrheit. In diesem Jahr hat Herz aber auf dem Aktionärstreffen, das wegen Corona keine Präsenzveranstaltung, sondern nur ein im Internet übertragener Livestream war, selbst für einen Paukenschlag gesorgt. Denn mit Ablauf der Versammlung am Mittwoch hat er sich aus dem Aufsichtsrat zurückgezogen.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Für Beiersdorf endet damit eine Ära, denn der 76 Jahre alte Großaktionär hatte die Geschicke des Konzerns über Jahre maßgeblich mitbestimmt. Seit 2004 saß er im Aufsichtsrat. In dieser Zeit hat er sich nicht nur Freunde gemacht, denn er beschränkte sich keineswegs auf eine Rolle als passiver Kontrolleur. Stattdessen griff er immer wieder ins operative Geschäft ein, was manchen Vorstand viele Nerven gekostet haben dürfte. Sein Nachfolger wird der sieben Jahre jüngere Bruder Wolfgang Herz, dessen Familienstamm ebenfalls an Maxingvest beteiligt ist. Das sichere Kontinuität und sei ein „Bekenntnis zu Beiersdorf“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Konzerns, Stefan De Loecker.

          Zu den genauen Gründen des Wechsels hüllt sich die öffentlichkeitsscheue Familie wie immer in Schweigen. Fakt ist, dass Michael Herz durch den Rückzug mehr Luft bekommt, um sich um andere Beteiligungen zu kümmern. Dazu gehört vor allem die Kaffeekette Tchibo, die sein Vater Max Herz zusammen mit einem Partner nach dem Krieg gegründet hatte, und in deren Führung Michael Herz bis Ende der achtziger Jahre selbst aktiv war. Zudem wird sein Rückzug aus dem Beiersdorf-Aufsichtsrat als Teil eines länger vorbereiteten Generationswechsels in der Familie gesehen. Ihre Anteile an Maxingvest hatten Michael und Wolfgang Herz schon 2016 großenteils an ihre insgesamt fünf Kinder weitergegeben. Weitere Rochaden seien vorerst nicht geplant, hieß es am Mittwoch. So soll Michael Herz weiter im Vorstand von Maxingvest bleiben.

          BEIERSDORF

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          Die Gründerfamilie von Tchibo hatte schon in den siebziger Jahren einen Minderheitsanteil am Beiersdorf-Konzern erworben, zu dem Michael Herz einen engen Bezug hat. Im Innenhof des Nivea-Herstellers hatten die Herz-Kinder einst gespielt, denn zur damaligen Zeit wohnten sie noch schräg gegenüber der Zentrale des Unternehmens im Stadtteil Eimsbüttel. Daher war es für Herz eine persönliche Angelegenheit, die Mehrheit zu erwerben, als der Mitaktionär Allianz im Jahr 2003 seinen Anteil verkaufen wollte und ein Einstieg von Konkurrenten wie L’Oréal oder Procter & Gamble drohte. In die Transaktion war seinerzeit auch der Hamburger Senat um den damaligen Bürgermeister Ole von Beust (CDU) eingebunden.

          Beiersdorf-Chef Stefan De Loecker
          Beiersdorf-Chef Stefan De Loecker : Bild: Reuters

          Im operativen Geschäft hat sich der Konzern zuletzt trotz Coronakrise ordentlich geschlagen. Zwar war der Umsatz im ersten Quartal um 3,6 Prozent auf rund 1,9 Milliarden Euro gesunken. Vorstandschef De Loecker sieht aber keinen Grund, wegen der Pandemie seine Investitionspläne zu überdenken und weniger Geld in neue Produkte zu investieren. Ein jüngst geschlossener „Solidarpakt“ soll zudem die Arbeit in der Krise sichern, in der das Unternehmen bislang ohne Kurzarbeit ausgekommen war. Gleichzeitig betonte der Manager auf der Hauptversammlung, dass auch Beiersdorf die Kosten senken müsse, denn der weitere Verlauf der Geschäfte sei unsicher. „Es ist möglich, dass sich die Situation weiter verschärft, bevor es wieder nach oben geht. Es ist ebenso denkbar, dass die Krise nachhaltige Veränderungen nach sich ziehen wird, ob bei unseren Kunden oder in bestimmten Produktsegmenten oder auch Regionen.“

          Um selbst einen Beitrag zu leisten, will der Vorstand von April bis Dezember auf 20 Prozent seiner Festvergütung verzichten, die nächste Managementebene auf 5 Prozent. Auch die Gruppen der leitenden Angestellten sowie Tarif- und außertarifliche Mitarbeiter trügen zu Einsparung bei, hieß es.

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