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Der Sonntagsökonom : Halten Sie öfter den Mund, Frau Lagarde

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Je mehr die europäischen Geldpolitiker reden, desto stärker sinkt das Vertrauen des Publikums in die Europäische Zentralbank.

          4 Min.

          Als die großen Notenbanken nach der großen Finanzkrise 2007/2008 die Leitzinsen auf null gesetzt hatten, begannen sie, in großem Stil Staatsanleihen und Wertpapiere zu kaufen. Als sie mit dem Kauf von Wertpapieren nicht mehr hinreichend glücklich waren, versuchten sie, die Finanzmärkte zu verzaubern und auf Kurs zu halten, indem sie mehr redeten. Es war die Zeit der hehren Versprechungen, dass man die geldpolitischen Zügel für viele Jahre schleifen lassen werde. Als den Notenbanken auch das nicht mehr reichte, um die Volkswirtschaften nach ihrem Willen zu steuern, versuchten sie, mehr und mehr auch auf die Bevölkerung einzureden. Das war die Zeit, als die Spitzen der Federal Reserve und der Europäischen Zentralbank den Menschen erklärten, dass der Inflationsschub schnell vorbeigehe und man sich keine Sorgen machen müsse.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Diese Beschreibung der Geldpolitik der vergangenen 15 Jahre ist karikiert und arg verkürzt. Der grobe Zuschnitt aber verdeutlicht, dass die Kommunikation im Denken der Notenbanker eine immer größere Rolle spielt, die Kommunikation mit Investoren und Ökonomen, mit Unternehmern und Politikern und auch mit den ganz normalen Bürgern. Wer glaubt, dass das geldpolitische Ins­trumentarium ausgereizt sei, dem bleibt eben nur noch das Reden. Als Beleg dafür kann auch die Internetpräsenz der EZB dienen, die mit großflächigen Informations- und Fotokacheln die Geldpolitik und ihre Präsidentin Christine Lagarde immer mehr vermarktet, auf der nüchterne Informationen über die Geldpolitik aber immer schwerer zu finden sind.

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