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Halbleiter : Keine hoch gesteckten Erwartungen an Infineon

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Zu kurz war die Zeit der Preiserholung bei Speicherchips, als dass der Halbleiterhersteller Infineon schon aus den roten Zahlen heraus sein könnte.

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          Wegen der nur kurzzeitigen Erholung der Speicherchip-Preise im Sommer rechnen Analysten damit, dass der Münchener Halbleiterkonzern Infineon im vierten Geschäftsquartal tiefer in die roten Zahlen gerutscht ist.

          „Es liegt im Wesentlichen an den DRAMs und da sind die Preise im abgelaufenen Quartal wieder relativ schwach gewesen", sagt Theo Kitz, Analyst bei Merck Finck. Kitz geht von einem Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 190 Millionen Euro aus und ist damit noch optmistischer als das Gros der Analysten. Branchenexperten gehen im Schnitt von einem Ebit von minus 215 Millionen Euro bei einem Umsatz von 1,336 Millionen Euro aus.

          Preiserholung war nur von kurzer Dauer

          Damit hätte der Münchener Halbleiterhersteller, der aus dem Siemens-Konzern hervorgegangen ist, seinen operativen Verlust im Vergleich zum Vorquartal verdoppelt. Dennoch wäre das Minus um gut drei Viertel niedriger als noch vor einem Jahr. Damals war im Zuge der schlimmsten Krise in der Geschichte der Chip-Branche ein Verlust von 882 Millionen Euro angefallen. Seither hat Infineon Analysten zufolge die Kosten gesenkt.

          Infineon will am Freitag über die Geschäftsentwicklung im vierten Geschäftsquartal sowie im Gesamtjahr 2001/02 (zum 30. September) informieren. Der Konzern leidet wie die Konkurrenten Intel oder Samsung unter den niedrigen Preisen für Speicherchips, die rund 40 Prozent seines Umsatzes ausmachen. Ursache ist die Kaufzurückhaltung bei Computern und die schwache Nachfrage in der Telekommunikationsbranche. Die Preise für Speicherchips hatten sich zur Jahresmitte zwar kurzzeitig erholt, waren dann aber wieder gefallen.

          Experten mit gedämpftem Optimismus

          Noch Mitte September hatte Infineon-Chef Ulrich Schumacher erklärt, er rechne in den nächsten zwei Quartalen nicht mit einem Aufschwung. Grund für eine dagegen eher verhaltene Zuversicht der Experten ist unter anderem die stetig steigende Nachfrage nach höherwertigen DDR-DRAMs (Double-Data-Rate), die in diesem Segment für anziehende Preise sorgt. Deshalb und auf Grund von Kosteneinsparungen erwartet Navdeep Sheera, Analyst bei Schroder Salomon Smith Barney, dass der Speicherchip-Bereich im laufenden ersten Quartal wieder schwarze Zahlen schreiben wird.

          Elmos positiv gestimmt

          So konnte etwa der im Auswahlindex Nemax 50 gelistete Halbleiterhersteller Elmos Semiconductor im dritten Quartal Umsatz und Gewinn deutlich steigern und sich damit vom negativen Branchentrend abkoppeln. Der Quartalsumsatz wuchs im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent auf 29,1 Millionen Euro, teilte die hauptsächlich für die Autobranche tätige Firma Anfang November mit. Noch Ende September hatte Vorstandschef Knut Hinrichs von Auftragsverschiebungen bei den Kunden berichtet und deshalb den Quartalsumsatz eher bei 27 Millionen Euro erwartet, an den Planzahlen für das Gesamtjahr aber festgehalten.

          Auch für das vierte Quartal zeigte sich Elmos zuversichtlich: „Das Book-to-Bill-Verhältnis erreichte im dritten Quartal 1,08 und lässt ein gutes viertes Quartal erwarten.“ Das Book-to-Bill-Ratio genannte Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz stellt für die Halbleiterbranche einen mittelfristigen Trendindikator da.

          Neue umsatztreibende Anwendungen möglicherweise mit Verzögerungen

          Die Dialog Semiconductor mit Sitz in London bezeichnet den Markt für Halbleiter und Mobilfunk am Ende des dritten Quartals weiterhin als „schwierig“. Bei der Vorlage der Zahlen für diese Berichtsperiode am 23. Oktober teilte der Konzern mit, er gehe davon aus, dass neue Anwendungen wie zum Beispiel Multimedia Messaging (MMS) auf Grund des schwachen Marktumfeldes später auf den Markt kommen werden als anfangs prognostiziert.

          Applied Materials muss verstärkt sparen

          Die amerikanische Applied Materials wird mit sofortiger Wirkung rund 1.750 Mitarbeiter und damit elf Prozent der Gesamtbelegschaft entlassen. Der anhaltende Abschwung in der Halbleiterindustrie mache dies trotz bereits eingeleiteter Sparmaßnahmen nötig, so das Unternehmen am Montag.

          Entwicklung uneinheitlich - Aussicht trübe

          Europas größter Chiphersteller STMicroelectronics hat im dritten Quartal seinen Gewinn kräftig gesteigert und damit die Analystenprognosen knapp übertroffen. Beim Ausblick von Ende Oktober gab sich das Unternehmen aber zurückhaltend und begründete dies mit dem weiter unsicheren Konjunkturumfeld.

          Schlechtes Zahlen gab es Mitte Oktober von AMD. Der Verlust des amerikanischen Chipherstellers hat sich im dritten Quartal 2002 bei einem deutlichen Umsatzrückgang mehr als verdoppelt. Der Hauptkonkurrent von Intel am Markt für Mikroprozessoren erwartet allerdings einen Umsatzanstieg im vierten Quartal und das Erreichen der Gewinnschwelle im zweiten Quartal 2003.

          Und auch der weltgrößte Chiphersteller Intel hat der aufkeimenden Hoffnung auf ein Ende der Flaute in der High-Tech-Branche einen Dämpfer versetzt. Das US-Unternehmen veröffentlichte ebenfalls Mitte Oktober schlechtere Zahlen für das dritte Quartal als erwartet.

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