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Halbleiter : Im Kaffeesatz der Chipbranche

  • -Aktualisiert am

Chip-Produktion in Dresden Bild: dpa

Erste Signale einer Erholung der gebeutelten Chipindustrie werden sichtbar. Mehr Aufschluss zur Lage soll Intel liefern.

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          Eigentlich kann es für die Chipbranche nur nach oben gehen. Nach dem verheerendsten Jahr in der Geschichte der Industrie rechnen Analysten nun mit einer zaghaften Verbesserung der Lage.

          Zaghaft, wohlgemerkt. Denn im Gegensatz zur Börse, die Halbeiterwerte in den vergangenen Wochen regelrecht nach oben gepeitscht hat, glauben die meisten Branchenexperten nicht an eine rasante Genesung der Industrie. „Eine Erholung hat im vierten Quartal eingesetzt, doch das Tempo bleibt moderat“, so Jean Danjou, Analyst bei der Investmentbank Credit Suisse First Boston.

          Ähnlich sieht das Amy Ils vom schweizerischen Bankhaus Pictet: Die Auftragseingänge und die Verkäufe hätten sich zuletzt wieder stabilisiert, doch „der Optimismus der Börse ist etwas verfrüht“. Im vergangenen Oktober hatte der weltweite Branchenumsatz erstmals seit Monaten wieder zaghaft zugelegt und auch im November wurde wiederum etwas mehr verkauft. Ils rechnet mit einem einstelligen Umsatz-Wachstum des Chip-Marktes in diesem Jahr, hält allerdings höhere Wachstumsraten in einzelnen Segmenten wie Chips für Multimedia-Anwendungen für denkbar.

          Anziehende Preise

          Als ermutigendes Zeichen für eine Branchenerholung gelten die am Markt durchgesetzten Preiserhöhungen der vergangenen Wochen bei Speicherchips. Ausgehend vom südkoreanischen Hynix Semiconductor, hat ein Chiphersteller nach dem anderen die Preise angehoben. „Die Nachfrage nach Speicherchips zieht an“, freut sich ein Infineon-Sprecher. Weitere Preissteigerungen seien denkbar.

          Und dringend benötigt, hätte er hinzufügen können. Denn kaum einer der Halbleiterhersteller kann auf dem derzeitigen Preisniveau kostendeckend produzieren. Preisschwankungen sind nichts Unbekanntes in einer Branche, die seit Jahrzehnten vom zyklischen Auf und Ab geprägt ist, doch diesmal kam es für alle besonders heftig. Am Spotmarkt war der Preis für einen DRAM-Standardspeicherchip mit einer Leistung von 128 MB im vergangenen Herbst auf unter einen Dollar abgestürzt, ein Jahr zuvor mussten noch 15 Dollar gezahlt werden. Firmen wie Infineon setzen die Gewinnschwelle bei sechs Dollar an - derzeit werden weniger als 2,50 Dollar bezahlt.

          Konsolidierung der Branche

          Neben dem Nachfrageeinbruch in der IT-Industrie waren die Überkapazitäten in der Branche ein wesentlicher Grund für den starken Preisverfall im vergangenen Jahr. Entsprechend positiv wurde daher von Beobachtern registriert, dass der amerikanische Chiphersteller Micron Technology von Hynix das Speicherchipgeschäft übernehmen will - eine Schließung von Produktionsstandorten gilt als wahrscheinlich. Halbleiter-Analystin Amy Ils vom schweizerischen Bankhaus Pictet rechnet in diesem Jahr mit einer umfassenderen Konsolidierung bei den Speicherchipherstellern: „Zum Jahresende werden wir noch drei oder vier größere Akteure haben.“

          Die Voraussetzungen für eine Trendwende sind also gegeben, doch ob diese bereits im ersten oder doch erst im zweiten Halbjahr so richtig einsetzen wird - da wollen sich die Auguren lieber nicht festlegen lassen. „Das ähnelt der Kaffeesatzleserei“, sagt AMD-Sprecher Jan Gütter. Umso gespannter warten die Analysten auf die Aussagen der zahlreichen Chip-Produzenten, die in den kommenden Tagen ihre Quartalszahlen vorlegen werden und dabei auch Prognosen zum erwarteten Geschäftsverlauf machen dürften.

          Den Anfang macht am Dienstag Intel, der Weltmarktführer bei Mikroprozessoren (siehe Link: "Bei Intel zeichnet sich Stabilisierung ab"). Infineon folgt am Mittwoch, Intel-Konkurrent AMD wird am Donnerstag die Zahlen veröffentlichen, in der kommenden Woche sind Motorola und STMicroelectronics dran.

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