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Halbleiter : IBM schickt Crusoe in die Wüste

  • Aktualisiert am

Abgespeckt. Jetzt ohne Crusoe-Chips. Bild:

Alarm bei Chip-Hersteller Transmeta - IBM ist als wichtigster Kunde davongelaufen. Und das eine Woche vor dem Börsengang.

          Ein schlechteres Timing kann es kaum geben: Knapp eine Woche vor dem geplanten Börsengang springt der wichtigste Kunde ab. So geschehen im Falle Transmetas. Der hoffnungsvolle Intel-Konkurrent will am 6. November an die Börse, doch sind die Chancen auf einen erfolgreichen IPO durch die Stornierung einer großen Bestellung durch IBM erheblich gesunken.


          Noch im Juni war die Stimmung im kalifornischen Santa Clara grandios. Damals hatte die aufstrebende Chip-Firma von Linux-Erfinder Linus Torvalds einen Auftrag von IBM erhalten. Der als besonders energiesparend geltende Crusoe-Chip von Transmeta sollte in die nächste Generation von IBM-Laptops Marke Thinkpad eingebaut werden. Auch außerhalb des Firmengeländes war Freude vor allem in Form von Schadenfreude spürbar - hätte der Auftrag doch eine empfindliche Schlappe für den Quasi-Monopolisten Intel bedeutet, der für Halbleiter so etwas ähnliches ist wie Microsoft für Büro-Software.


          Warum IBM zu einem derart ungünstigen Zeitpunkt absprang, ist ebenso wenig klar wie das Ausmaß des finanziellen Schadens für Transmeta. IBM werde künftig auch weiterhin auf Transmeta-Produkte achten, verlautete kurzangebunden aus dem Konzern. Die kommende Generation von Thinkpads werde jedoch wieder mit Pentium III und Celeron von Intel ausgerüstet. Da auch von Transmeta keine weitergehende Stellungnahme zu erhalten war - unter anderem auch, weil das Unternehmen in der Schweigeperiode vor dem Börsengang zu Zurückhaltung verpflichtet ist - blühen die Spekulationen.

          Börsengang wird hart

          Für Analysten steht jedenfalls fest, dass der Börsengang nun ein rauer Ritt für Transmeta werden dürfte. "IBM war der dickste Brocken unter den Kunden von Transmeta. Um das Volumen zu ersetzen, benötigt die Firma mindestens zwei bis drei weitere PC-Hersteller. Und auch die werden kaum das Renommee von IBM mitbringen.", meint Steve Kleynhans, ein Technologie-Analyst der Meta-Gruppe.


          Zu den bisherigen Kunden von Transmeta zählen Computer-Firmen wie NEC, Sony oder Hitachi. Noch hat sich keiner von ihnen gerührt. "Die größte Gefahr für Transmeta besteht darin, dass andere Kunden dem Crusoe misstrauen und ebenfalls abspringen", gibt die Analystin Linley Gwennap zu Bedenken.






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