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Untersuchungshaft : Middelhoff beschwert sich über Schlafentzug

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Thomas Middelhoff auf einem der jüngeren Bilder aus dem Herbst 2014. Bild: dpa

Alle 15 Minuten geweckt, und das vier Wochen lang: Der ehemalige Spitzenmanager Thomas Middelhoff wurde in der Untersuchungshaft wegen Selbstmord-Gefahr ständig kontrolliert. Seine Anwälte sagen: Die Justiz ist Schuld an einer neuen Krankheit.

          Die Anwälte des früheren Arcandor-Chefs Thomas Middelhoff erheben wegen Schlafentzugs Vorwürfe gegen die Justiz. Middelhoff habe über einen Zeitraum von 672 Stunden nicht geschlafen, weil er tagsüber und nachts alle 15 Minuten geweckt wurde, zitiert die „Bild am Sonntag“ aus einer Haftbeschwerde der Anwälte. Es geht hierbei um die ersten vier Wochen seiner Untersuchungshaft in der JVA Essen. Von Mitte November bis Mitte Dezember wurde er in seiner Zelle ständig kontrolliert, weil die Essener Justiz eine Selbstmord-Gefahr sah.

          Middelhoff hat am Dienstag beim Amtsgericht Bielefeld Privatinsolvenz beantragt. Mindestens 50 Gläubiger fordern nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Thorsten Fuest noch Geld von ihm. Inzwischen gibt es Vorwürfe, er habe vor seiner Insolvenz noch einen Teil seines Vermögens in ein Unternehmen verschoben, das zum Großteil seiner Frau und seinen Kindern gehört.

          In ihrem Schriftsatz bezweifeln die Anwälte, dass es überhaupt eine Selbstmord-Gefahr bei Middelhoff gegeben habe. Drei Tage nach seinem Haftantritt hätte ein JVA-Arzt festgestellt, dass keine Suizidgefährdung bestanden hätte.

          Der Chef der Justizvollzugsanstalt Essen, Alfred Doliwa, wehrt sich gegen die Vorwürfe und sagte „Bild am Sonntag“: „Wenn jemand alles zu verlieren droht, ist das der typische Fall eines Bilanz-Selbstmordes.“ Deshalb habe er die „unregelmäßige Beobachtung in Zeitabständen von höchstens 15 Minuten rund um die Uhr“ angeordnet: „Das Leben des Gefangenen hat Vorrang. Was wäre denn passiert, wenn sich Herr Middelhoff was angetan hätte?“

          Die Middelhoff-Verteidiger schreiben in ihrer Haftbeschwerde: Bislang sei kein Fall bekannt, in dem der Schlafentzug bei einem U-Häftling vier Wochen lang vollzogen wurde. Die Anwälte gehen davon aus, dass der permanente Schlafentzug die Ursache für eine schwere Erkrankung im Gefängnis sei. Middelhoff leidet offenbar inzwischen an der seltenen Autoimmunkrankheit Chilblain Lupus und musste Ende Februar für eine Woche ins Universitätsklinkum Essen gebracht werden.

          Das Oberlandesgericht Hamm entschied Mitte März über die Haftbeschwerde und lehnte eine Entlassung ab. Ob der Schlafentzug wirklich Schuld an der Krankheit sei, sei unklar.

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