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Wachstumsmarkt : Hafermilchkonzern Oatly stellt Weichen für Börsengang

Positioniert sich nachhaltig: der schwedische Hafermilchhersteller Oatly Bild: Oatly

Alternative Milchprodukte werden immer populärer. Die Wachstumsraten sind hoch. Nun will der Marktführer mit seinen Aktien bis zu 10 Milliarden Dollar erlösen. Zu seinen bisherigen Investoren zählen bekannte Namen.

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          Einer der wohl meistbeachteten Börsengänge in diesem Jahr scheint auf der Zielgeraden zu sein: Der schwedische Hafermilchkonzern Oatly hat nun bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC eine Notierung an den dortigen Börsen beantragt. Der Antrag scheint vorerst formaler Gestalt zu sein, da das Volumen für das Initial Public Offering (IPO) nur mit 100 Millionen Dollar angegeben wird. Doch das Unternehmen, das neben Hafermilch auch andere vegane Lebensmittel produziert, wurde in der jüngsten Finanzierungsrunde im Juli mit 2 Milliarden Dollar bewertet.

          Markus Frühauf
          (maf.), Wirtschaft

          Damals hatte sich Oatly neues Eigenkapital von 200 Millionen Dollar gesichert. Unter den Investoren befanden sich der amerikanische Finanzinvestor Blackstone sowie Prominente wie die amerikanische Fernsehmoderatorin Oprah Winfrey, der Rapmusiker Jay-Z oder der Starbucks-Gründer Howard Schultz. Der Markt für vegane Lebensmittel weist hohe Wachstumsraten auf. Das gilt besonders für Hafermilch, das als Alternative zur Kuhmilch auch durch die weit verbreitete Laktoseunverträglichkeit, insbesondere in Asien, an Bedeutung gewinnt.

          Medienberichten zufolge strebt Oatly einen Börsenwert von bis zu 10 Milliarden Dollar an. Der Markt für pflanzliche Milch ist größer als der für vegane Fleischersatzprodukte. In Deutschland weisen Milchprodukte, die auf Soja, Hafer oder Mandeln beruhen, einen Anteil von 10 Prozent auf. Die Analysten der ING Bank erwarten in der EU und in Großbritannien bis zum Jahr 2025 einen Umsatzanstieg alternativer Milchprodukte um fast 50 Prozent auf 5 Milliarden Euro. In der ganzen Welt kann sich der Absatz bis zum Jahr 2035 nach einer Prognose der Unternehmensberatung BCG verfünffachen.

          Exklusiver Starbucks-Lieferant

          Oatly steht als Marktführer für Hafermilch in einer guten Position, um von dem Wachstum zu profitieren. Da stört es auch nicht, wenn etablierte Milchhersteller wie der französische Konzern Danone sich mit Übernahmen in Stellung bringen. In den Vereinigten Staaten beliefert Oatly seit März mehr als 15.000 Filialen der Kaffeekette Starbucks exklusiv mit Hafermilch.

          Doch wie aus dem SEC-Antrag hervorgeht, erzielt Oatly noch keine Gewinne. Im vergangenen Jahr ergab sich ein Verlust von 60 Millionen Dollar nach einem Fehlbetrag 2019 von 36 Millionen Dollar. Allerdings hat sich in diesem Zeitraum der Umsatz auf 421 Millionen mehr als verdoppelt. In den Unterlagen verweist der Hafermilchhersteller auch auf die Nachhaltigkeit seines Produktes. Ein Liter Hafermilch verursache im Vergleich zu Kuhmilch 80 Prozent weniger Treibhausgasemissionen, eine 79 Prozent geringere Landnutzung und einen um 60 Prozent niedrigeren Energieverbrauch.

          In den Vereinigten Staaten war vor dem Markteintritt von Oatly Hafermilch nahezu unbekannt. Nach Zahlen des Marktforschungsinstituts Nielsen IQ ist der Umsatz mit Hafermilch im amerikanischen Einzelhandel in den vergangenen zwölf Monaten um 150 Prozent nach oben gesprungen.

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