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Hafenausbau : In China entsteht der größte Hafen der Welt

Wird bald der größte Hafen der Welt: In Qingdao können nach dem Umbau auch Schiffe mit einem Tiefgang von maximal 16,5 Metern Länge anlegen. Bild: AFP

Deutschland ist stolz auf den neuen Jade-Weser-Port. Derweil baut Qingdao eine zehnmal so große Anlage. Sie entthront sogar den bisherigen Spitzenreiter Shanghai.

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          Während Deutschland die Eröffnung des Tiefwasserhafens „Jade-Weser-Port“ feiert, entsteht in China weitgehend unbemerkt eine gut zehnmal so große Anlage. Nach Informationen der F.A.Z.
          baut die Stadt Qingdao einen 20 Meter tiefen Hafen, der bis zu 30 Millionen Standardcontainer (TEU) im Jahr abfertigen kann. Zusammen mit den vorhandenen Kapazitäten soll sich Qingdao bis 2020 zum führenden Umschlagplatz im Seeverkehr entwickeln. „Wenn wir fertig sind, haben wir hier den größten Hafen der Welt“, sagt Wu Rilong, Direktor der Investitionsabteilung in der Stadtregierung von Qingdao.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Das neue Gelände in Wilhelmshaven verfügt über eine Kapazität von 2,7 Millionen TEU und kann Schiffe mit einem Tiefgang von maximal 16,5 Meter aufnehmen. Selbst die größten deutschen Häfen, Hamburg und Bremen/Bremerhaven,  haben 2011 zusammen nur 15 Millionen TEU gelöscht, Europas Marktführer Rotterdam schaffte 12 Millionen. Der bisherige Hafen von Qingdao wickelte 2011 rund 13 Millionen TEU ab. Damit rangierte die Stadt auf Platz acht der  größten Häfen der Welt. Die Liste des World Shipping Council führt Shanghai mit 32 Millionen TEU an, vor Singapur (30), Hongkong (24) und Shenzhen (23). Von den zehn Spitzenreitern liegen sechs in China.

          Größter Hafen der Welt für Eisenerzimporte

          Der Hafen von Qingdao besteht aus vier Abschnitten, wovon der Dongjiakou genannte Teil zum neuen Tiefwasserhafen ausgebaut wird. Mindestens ebenso wichtig wie Container sind flüssige und feste Massengüter. So versteht sich Qingdao als größter Hafen der Welt für Eisenerzimporte, als Chinas wichtigste Anlage zur Aufnahme von Erdöl und als zweitwichtigster Hafen für den Außenhandel des Landes. Der gesamte Güterdurchsatz betrug 2011 nach Angaben der Hafenverwaltung rund 370 Millionen Tonnen. „Noch einmal genauso viel wollen wir  künftig in Dongjiakou umschlagen“, kündigt Wu an. „Wir planen nicht weniger, als uns zu verdoppeln.“

          Das Container-Terminal im Hafen von Qingdao


          Bisher gibt es in Qingdao 81 Schiffsanlegeplätzen. In Dongjiakou würden weitere 112 eingerichtet, sagt Wu. Die Gesamtkosten für den Ausbau beziffert er auf 38 Milliarden Yuan (4,7 Milliarden Euro); der Jade-Weser-Port hat etwa eine Milliarde Euro gekostet. Allein 10 Millionen Yuan fließen in einen Terminal für Flüssiggas (LNG) für das Staatsunternehmen Sinopec. Am Ausbau sind auch die
          Konzerne COSCO, China Merchants Group, China Huaneng Group sowie einige Ausländer beteiligt. Dazu zählen die Mineralölhandelsgesellschaften Mercuria Energy Group aus der Schweiz und Royal Vopak aus den Niederlanden.

          Traditioneller Hauptumschlagplatz für Rohstoffe

          Es gibt viele Gründe für den Ausbau. Qingdao liegt nah an Südkorea und Japan, zwei von Chinas Hauptpartnern für Handel und Investitionen. Der 1892 eröffnete Hafen, der unter dem Namen Tsingtau bis zum Ersten Weltkrieg unter deutscher Kolonialverwaltung stand, ist einer der ältesten Seehäfen Chinas. Qingdao ist traditionell ein Hauptumschlagplatz für Rohstoffe, auf deren Import das schnell wachsende China immer mehr angewiesen ist. So ist die Volksrepublik der größte
          Verbraucher der Welt von Kohle und vielen Metallen, darunter Eisenerz. Als führender Energieverbraucher und größter Neuwagenmarkt der Welt importiert China immer mehr Öl und Gas, als Exportweltmeister verschifft es immer mehr Güter. Die lokale Wirtschaftsleistung der Stadt Qingdao mit 8,7 Millionen Einwohnern wächst schneller als der Landesdurchschnitt. Die sie umgebende Provinz Shandong zählt mehr Bewohner als Deutschland. Ihr Bruttoinlandsprodukt übersteigt das der Schweiz, der Export entspricht dem ganz Ungarns.

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