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Hohe Fluktuation : Mitarbeiter wechseln häufiger die Stelle

Karrierewege: Viele Arbeitnehmer entscheiden sich öfter mal für etwas Neues. Bild: Reuters

Den Job fürs Leben? Gibt’s kaum noch! Arbeitnehmer wechseln immer häufiger die Stelle, wie eine bislang noch unveröffentlichte Studie zeigt. Dafür gibt es auch einen guten Grund.

          Arbeitnehmer wechseln immer häufiger die Stelle. Im Durchschnitt wurden im vergangenen Jahr fast ein Drittel aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse neu begonnen oder beendet, fünf Prozentpunkte mehr als noch 2011. Das zeigt eine noch unveröffentlichte Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), deren Ergebnisse der F.A.Z. vorliegen. Als wesentliche Ursache dafür sieht IW-Forscher Holger Schäfer die insgesamt günstige Beschäftigungslage: „Je besser der Arbeitsmarkt läuft und je niedriger die Arbeitslosigkeit ist, desto eher wagen Arbeitnehmer den Sprung in einen anderen Job“, analysiert Schäfer.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Allerdings fällt das Ausmaß der Fluktuation je nach Branche und Region sehr unterschiedlich aus, wie die Studie zeigt. So werden in der öffentlichen Verwaltung, aber auch im Bank- und Versicherungsgewerbe binnen Jahresfrist weniger als 15 Prozent der Stellen neu besetzt. Auch in der Industrie ist die Wechselhäufigkeit mit 18 Prozent eher gering. Branchen wie der Handel, das Erziehungswesen und der Bau liegen mit Fluktuationsraten zwischen 25 und 40 Prozent in der Nähe des allgemeinen Durchschnitts.

          Demgegenüber werden in der Landwirtschaft und im Gastgewerbe, wie auch in der Informations- und Kommunikationsbranche etwa zwei Drittel der Arbeitsplätze innerhalb eines Jahres neu besetzt. Ganz oben an der Spitze der Skala steht indes die Zeitarbeit: Dort wird rechnerisch jeder Arbeitsplatz mehr als einmal pro Jahr neu besetzt. Die besonders hohen Wechselraten haben aber auch mit Besonderheiten dieser Branchen zu tun: In der Landwirtschaft und im Gastgewerbe gibt es viele jahreszeitlich befristete Tätigkeiten, allen voran Erntehelfer und Servicekräfte in der Außengastronomie. In der Zeitarbeit komme hinzu, dass Beschäftigte dort häufig auf feste Stellen im Kundenbetrieb wechselten, so Schäfer.

          Hohe Qualifikation - hohe Trennungshürden

          Ein wichtiger Faktor ist aber auch die Qualifikation: Davon abgesehen, dass die Lohn- und Arbeitsbedingungen im Bankgewerbe, in der Industrie und im öffentlichen Dienst meist recht attraktiv sind, haben die Beschäftigten dort in der Regel viel betriebsspezifisches Wissen, das mit einem Wechsel verlorengeht und bei einem anderen Arbeitgeber neu erworben werden muss. Damit sind die Hürden für eine Trennung meist sowohl aus Sicht der Beschäftigten als auch der Arbeitgeber höher als bei einfachen Helfertätigkeiten. Dies zeigt sich auch darin, dass die Fluktuation im Berufsfeld technische Entwicklung und Produktionssteuerung mit 15 Prozent besonders niedrig ist.

          Neben der regionalen Arbeitsmarktlage hat daher auch die Wirtschaftsstruktur einen entscheidenden Einfluss auf die unterschiedlichen Fluktuationsraten in den Bundesländern: Sie sind in Sachsen-Anhalt und Thüringen, aber auch in Baden-Württemberg und Hessen mit weniger als 29 Prozent besonders niedrig. Besonders häufig sind Wechsel dagegen in den Stadtstaaten.

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