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Haarrisse in Flügeln : Alle A380-Maschinen müssen untersucht werden

Auf dem Prüfstand: Wegen Haarrissen müssen alle A380-Maschinen untersucht werden Bild: dpa

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit dringt auf lückenlose Kontrolle: Weil einige Tragflächen von Airbus A380-Flugzeugen Haarrisse aufwiesen, sollen nun alle Maschinen untersucht werden. Die australische Fluggesellschaft Qantas hat bereits zehn ihrer A380-Maschinen aus dem Verkehr gezogen.

          Für Airbus werden die technischen Probleme mit den Tragflächen des A380 zum Krisenfall. Die europäische Flugsicherheitsagentur EASA ordnete am Mittwoch eine Untersuchung aller 68 im Betrieb befindlichen Großraumflugzeuge dieses Typs an. Die Behörde mit Sitz in Köln hatte dem Hersteller aus Toulouse schon im Januar eine schärfere Kontrolle empfohlen, nachdem einige Fluggesellschaften Haarrisse an den Tragflächen der Flugzeuge entdeckten. Doch bislang war lediglich ein knappes Drittel der im Einsatz befindlichen A380-Flotte von den Sicherheitskontrollen betroffen.

          36 Haarrisse an zwei Tragflächen entdeckt

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          „Die Ursachen der Probleme sind komplexer als angenommen“, sagt ein Techniker, der auf die Wartung von Passagierflugzeugen spezialisiert ist. Bislang gab Airbus zu, dass die entdeckten Haarrisse an den L-förmigen Klammern in den A380-Flügeln entstanden sind, die Rippen und Haut einer Tragfläche miteinander verbinden und in dem englischen Airbus-Werk Broughton montiert wurden. Trotz der defekten Metallteile sei die Sicherheit der Flugzeuge nicht gefährdet, betont der Hersteller.

          Für Alarmstimmung sorgte am Mittwoch, dass die Fluggesellschaft Qantas insgesamt 36 feine und rund zwei Zentimeter lange Haarrisse an den Tragflächen ihrer A380-Flotte entdeckte und daraufhin zehn ihrer zwölf im Betrieb befindlichen Großraumflugzeuge dieses Typs vorübergehend stillgelegt hat. Die australische Fluggesellschaft gehört neben Singapore Airlines und Emirates aus Dubai zu den Erstkunden des A380. Das aktuelle Bestellvolumen erreicht gegenwärtig 253 Flugzeuge von 19 Kunden, wobei Emirates mit allein 90 Maschinen der mit Abstand größte Abnehmer ist.

          Die Haarrisse treten an den Klammern auf, die die Rippen mit den Innenseiten der Tragflächen verbinden

          Ein Airbus-Sprecher in Toulouse erklärte, dass die Anordnung der EASA nicht überraschend komme. „Wir haben die Vermutung, dass alle A380 Risse aufweisen“, sagte er. Doch man habe „die Ursache klar identifiziert“. Im Herstellungsverfahren sei auf bestimmte Flügelteile zuviel Druck ausgeübt worden, so dass diese für Risse anfällig seien. Dieses Verfahren sei inzwischen geändert worden, betont Airbus. Die Risse seien daher nicht auf strukturelle Konstruktions- oder Designfehler zurückzuführen.

          Auch Boeing hat Probleme

          Die Anweisung der EASA sehe für die Flugzeuge jüngerer Bauzeit keine Eile vor. Erst wenn sich die A380 der Grenze von 1300 Flügen nähern, müssen sie in den kommenden sechs Wochen in die Reparaturwerkstätten, wo die Flügel verstärkt werden. Üblicherweise fliegt ein A380 rund 1200 Flüge in zwei Jahren. Bisher hat Airbus acht A380 ausgebessert. Bei 22 weiteren Exemplaren sind die Arbeiten im Gange. Der Hersteller hat sein technisches Personal bei den Fluggesellschaften verstärkt. Am Wartungszentrum in Singapur etwa wurde die Belegschaft auf hundert Mitarbeiter verdoppelt. Auch der Rivale Boeing kämpft mit Problemen in der Produktion seines neuen „Dreamliners“: Alle 50 gebauten oder im Einsatz befindlichen Flugzeuge des Typs 787 werden auf Mängel in dem aus Kohlefaserteilen bestehenden Rumpf untersucht.

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