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Gutscheine gegen die Krise : Wiener Schnitzel für alle

Schnitzel für alle: Um die krisengebeutelte Gastronomie zu unterstützen, will die österreichische Hauptstadt Wien Verzehrgutscheine an die Einwohner verteilen. Bild: dpa

Österreichs Hauptstadt spendiert ihren Einwohnern Verzehrgutscheine. Bis zu 50 Euro je Haushalt sollen der durch Corona geschwächten Gastronomie wieder auf die Beine helfen.

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          Die Stadt Wien will dem Umsatz der an der Corona-Krise leidenden Gastronomie durch Verzehrgutscheine für jeden Haushalt aufpäppeln. Geplant sind von der Boulevardpresse flugs „Schnitzelgutschein“ getaufte städtische Hilfen in Höhe von 25 Euro für einen Einzelhaushalt und 50 Euro für Haushalten mit mehreren Personen, sagte Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), der bei der im Herbst anstehenden Wahl gerne im Amt bestätigt werden möchte. Alle 950.000 Erstwohnsitze der österreichischen Hauptstadt sollen von den Bons profitieren.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Allerdings müssen sie sich noch ein wenig gedulden. Denn zu der für den morgigen Freitag ab 06:00 Uhr vorgesehenen Wiedereröffnung von Restaurants und Cafés nach zweimonatiger Schließzeit werden die Wertscheine noch nicht vorliegen. Sie müssen erste noch gedruckt und versandt werden. Das soll aber kein Schaden sein, weil die Bons in Restaurants und Kaffeehäusern bis Ende September eingelöst werden können. Wie bei der zuvor von der Bundesregierung ab Juli verkündeten Halbierung der Mehrwertsteuer auf Getränke gilt aber auch hier: Bier, Wein und andere alkoholische Getränke sind von der steuerlichen Förderung ausgenommen. Ausgenommen von der Öffnung sind einstweilen auch Diskotheken, Clubs und andere Nachtlokale, aber das ist eine andere Geschichte.

          Wien lässt sich den wirtschaftlichen Anschub seiner 6000 Wirtshausbetriebe und Beisln mit rund 60.000 Beschäftigten sowie 3000 Kaffeesieder bis zu 40 Millionen Euro kosten. Man könne sich das leisten, denn man habe in den zurückliegenden Jahren gut gewirtschaftet, sagte Ludwig. Deshalb verzichtet die Stadt derzeit auch auf die ansonsten fälligen Gebühren für die Außengastronomie in „Schanigärten“, die angesichts der hauptstädtischen Enge oft die schon knappen Parkplätze für Anwohner und umliegende Landelokale weiter verknappen.

          Auch andere Branchen fordern Gutscheine

          Nach amtlicher Darstellung erzielt die Wiener Gastronomie rund 1,4 Milliarden Euro im Umsatz, der dürfte dieses Jahr auch wegen des Ausbleibens der Touristen erheblich niedriger ausfallen. Umso mehr wolle man die Wiener, trotz aller Ermahnungen und Vorkehrungen zum Abstandhalten, dazu anregen, „ihre“ Cafés, und Wirtshäuser zu besuchen.

          Der Präsident der Wiener Wirtschaftskammer, Walter Ruck, rechnet mit Umsatzeinbußen von 40 bis 50 Prozent in der gesamten Branche. Neben den Sicherheitsauflagen – etwa größere Abstände zwischen den einzelnen Tischen und einer begrenzten Personenanzahl pro Tisch – würden auch die ausbleibenden Touristen für erhebliche Umsatzeinbußen sorgen: „Wir hatten im Vorjahr mehr als 17 Millionen Nächtigungen. Die werden uns heuer abgehen“.

          Kritik an der Aktion kam von der Wiener Opposition. Der rechtskonservativen FPÖ sind di maximal 25 Euro pro Person zu wenig, die liberalen Neos beklagten ein „populistisches Wahlzuckerln“. Zwar seien die Bons für die Eröffnungsphase ein guter Impuls, doch benötige man nachhaltige Konzepte für die Gastronomie, damit diese die Corona-Krise mittel- und langfristig überleben könne.

          Wien hat mit solchen Gutscheinen schon Erfahrung: Zu Beginn der Corona-Krise hatte die Stadt Taxigutscheine an 70.000 Senioren in Höhe von jeweils 50 Euro ausgegeben.

          Gutscheinlösungen von bis zu 1000 Euro je Person hatten zuvor auch der österreichische Einzelhandel und die Tourismusbranche ins Gespräch gebracht. Die Regierung die schon Corina-Hilfen von 38 Milliarden Euro – 1,4 Milliarden Euro steuern zudem die Länder bei – ausgelobt hat, hält das aber für zu teuer.

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