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Gute Konjunktur : Deutschland verzeichnet Milliardenüberschuss

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Die Überschussquote im ersten Halbjahr liegt bei 0,6 Prozent Bild: dpa

Die gute Konjunktur hat Deutschland einen erklecklichen Überschuss beschert. Im ersten Halbjahr 2012 nahm der Staat nach vorläufigen Ergebnissen 8,3 Milliarden Euro mehr ein, als er ausgab. Für das Gesamtjahr sind Ökonomen allerdings skeptisch.

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          Kauffreudige Verbraucher und steigende Exporte haben die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal auf Wachstumskurs gehalten. Das Bruttoinlandsprodukt kletterte von April bis Juni um 0,3 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal, bestätigte das Statistische Bundesamt am Donnerstag seine erste Schätzung. Zu Jahresbeginn waren es noch 0,5 Prozent gewesen.

          Vor allem der Außenhandel sorgte für Impulse. Denn die Exporte stiegen mit 2,5 Prozent stärker als die Importe mit 2,1 Prozent und schoben damit die Konjunktur an. Aus der Binnennachfrage kamen allerdings gemischte Signale. Während die privaten Verbraucher trotz der Schuldenkrise ihre Ausgaben um 0,4 Prozent steigerten, hielten sich die Unternehmen wegen der Unsicherheit merklich zurück. Die Firmen investierten 2,3 Prozent weniger in Maschinen und Anlagen. Dies war der dritte Rückgang in Folge. Auch die Bauinvestitionen sanken um 0,3 Prozent zum Vorquartal.

          Die gute Konjunktur hat dem deutschen Fiskus im ersten Halbjahr einen Überschuss beschert. Von Januar bis Juni 2012 nahm der Staat nach vorläufigen Ergebnissen 8,3 Milliarden Euro mehr ein, als er ausgab, wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilte. Gemessen am BIP errechnet sich daraus eine Überschussquote von 0,6 Prozent.

          Während einige Länder im Euroraum mit umfassenden Sparbemühungen versuchen, die lodernde Staatsschuldenkrise zu überwinden, ist Deutschland damit weit von der Defizit-Marke von 3,0 Prozent des BIP entfernt, die der Maastricht-Vertrag höchstens erlaubt.

          Für das Gesamtjahr zeigen sich Steuerschätzer skeptisch

          2011 hatte Deutschland ein gesamtstaatliches Defizit von einem Prozent erwirtschaftet. Einen Überschuss im Gesamtjahr gab es zuletzt 2007, als es zu einem Finanzierungsüberschuss von 9,0 Milliarden Euro kam. Im Jahr 2008 wies er jedoch abermals ein Defizit von 4,2 Milliarden Euro aus, das im Jahr 2009 infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise auf 106,9 Milliarden Euro in die Höhe schoss. Das war das bislang höchste Finanzierungsdefizit.

          Ausschlaggebend für das Plus im ersten Halbjahr 2012 war demnach ein Überschuss der Sozialversicherung in Höhe von 11,6 Milliarden Euro. Dem stand ein Defizit der Haushalte von Bund, Ländern und Gemeinden in Höhe von 3,3 Milliarden Euro gegenüber.

          Für die weitere Entwicklung im Gesamtjahr prognostizieren Ökonomen jedoch keinen Überschuss. „Am Ende dürfte eine rote Null herauskommen“, sagte die beiden zum Arbeitskreis Steuerschätzung gehörenden Experten Jens Boysen-Hogrefe und Heinz Gebhardt am Donnerstag. Die Experten sehen auch deshalb keinen Spielraum für Mehrausgaben. „Wir haben immer noch einen größeren Schuldenberg als Spanien“, sagte Boysen-Hogrefe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). „Deshalb ist Haushaltsdisziplin wichtig.“ Sollten sich Überschüsse ergeben, sollten diese für den Schuldenabbau genutzt werden. Die Sozialkassen, denen das gute Abschneiden hauptsächlich zu verdanken ist, dürften wegen der demographischen Entwicklung mittel- und langfristig Probleme bekommen.

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