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Konsumgutscheine : Freibier für Bad Belzig

Prost! Die Gutscheine sollen allerdings nicht nur für die Gastronomie gelten. Bild: dpa

In Wien gibt es den Schnitzelgutschein. In einem brandenburgischen Dorf gibt es vielleicht bald ähnliches – wenn es nach einem prominenten SPD-Politiker geht.

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          Sage noch einer, Kommunalpolitik sei nutzlos. In Wien hat sich der Bürgermeister im Wahlkampf den landläufig so genannten „Schnitzelgutschein“ einfallen lassen, der den Wienern bis zu 50 Euro bringt, die sie in den Corona-geplagten Restaurants der Stadt ausgeben können. Im Kurort Bad Belzig in Brandenburg gibt es vielleicht bald Ähnliches. Dort ist Gustav Horn Stadtverordneter, ehemaliger Leiter des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung und SPD-Vorstandsmitglied.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Er findet das Konjunkturpaket der Bundesregierung, nun ja, nicht optimal. Vor allem die Mehrwertsteuersenkung sei nicht gezielt, „ein Schrotschuss“. Jetzt plant er Abhilfe für seine Gemeinde: Konsumgutscheine soll es geben, für zehn Euro pro Nase, einzulösen nur in Bad Belzig, und zwar nicht etwa in Supermärkten, sondern in den Läden, die von Corona betroffen waren, vom Fitnessstudio bis zum Chocolatier – auf jeden Fall noch in diesem Jahr, vielleicht sogar noch vor dem Weihnachtsgeschäft.

          Gustav Horn
          Gustav Horn : Bild: Imago

          In Wien wurden die Schnitzelgutscheine bald im Internet verkauft, die Gutscheine gingen oft an diejenigen, die sowieso ins Restaurant wollten. Horn hofft andererseits darauf, dass mancher doch extra aus- oder in den Laden geht und dann vielleicht sogar für 20 Euro einkauft statt für 10.

          11.000 Einwohner hat der Ort, die Gutscheine würden also rund 110.000 Euro kosten – „das ist signifikant, aber nicht besonders viel“, meint Horn. „Das geben wir auch schnell mal für ein Bauprojekt aus.“ Zudem komme einiges über die Gewerbesteuer wieder rein.

          Jetzt muss Horn nur noch eine Mehrheit für seinen Vorschlag finden. Mit Grünen und Linken hat er gesprochen, aber das reicht nicht. Die Stadtverordnetenversammlung ist so zersplittert, dass er die ganz große Koalition braucht– bald redet er auch mit der CDU. Mal gucken, ob die ganz große Koalition macht, was die große nicht tat.

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