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Güterverkehr : Die Schiene verliert, die Straße gewinnt

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Das deutsche Schienennetz ist seit 1995 um fast 15 Prozent geschrumpft. Bild: dpa

Bis 2030 sollen 25 Prozent aller Güter auf der Schiene transportiert werden. Im vergangenen Jahr ging der Marktanteil jedoch zurück. Der Grünen-Verkehrspolitiker Matthias Gastel spricht von einem „verkehrspolitischen Alarmschrei“.

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          Der Marktanteil des Schienengüterverkehrs in Deutschland ist in der Corona-Krise zurückgegangen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion im Bundestag hervor. Demnach sank unter Verweis auf Prognosewerte bei der Transportleistung der Marktanteil des Güterverkehrs auf der Schiene von 19 Prozent im Jahr 2019 auf 17,5 Prozent im Jahr 2020. Der Anteil des Straßengüterverkehrs stieg dagegen leicht. Gründe dafür wurden nicht genannt.

          Der Grünen-Verkehrspolitiker Matthias Gastel sprach von einem „verkehrspolitischen Alarmschrei“. Die Corona-Pandemie tauge in diesem Zusammenhang nur bedingt als Erklärung. „Politisch relevante Gründe für den starken Rückgang der Verkehrsleistung der Güterbahnen sind die strukturellen Probleme bei DB Cargo und die Wettbewerbsverzerrungen im Verkehrsmarkt, die den gesamten Bahnsektor belasten“, sagte Gastel der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn die Bundesregierung ihr selbst gestecktes Ziel von 25 Prozent Marktanteil beim Güterverkehr auf der Schiene bis 2030 erreichen will, dann muss sie ihren verkehrspolitischen Sonntagsreden mit dem Slogan „mehr Verkehr auf die Schiene verlagern endlich Taten folgen lassen“.

          Gastel sagte, die Grünen hielten bis 2030 einen Marktanteil des Schienengüterverkehrs von 30 Prozent für nötig und auch für möglich, wenn nun die Weichen richtig gestellt werden. „Kurzfristig kann den Güterbahnen in der Corona-Krise eine Übernahme der Trassenpreise durch den Bund helfen. Auch die schrittweise Abschaffung der klimaschädlichen Dieselsubventionen ist längst überfällig und nur ein Baustein für fairen Wettbewerb zwischen Schiene und Straße.“ Langfristig sei eine Netzausbaustrategie nötig, die zusätzliche Kapazitäten für den Schienengüterverkehr schaffe.

          „Auf dem deutschen Schienennetz wird es immer enger“

          Auch der Interessenverband Allianz pro Schiene hat abermals mehr Tempo beim Ausbau der Schieneninfrastruktur gefordert. „Ohne eine rasche Erweiterung des Schienennetzes droht eine Verstopfung auf Deutschlands Gleisen, wenn die Wirtschaft nach Ende der derzeitigen Krise wieder auf Touren kommt“, teilte Verbandschef Dirk Flege am Freitag mit. Das Schienennetz sei seit 1995 um fast 15 Prozent geschrumpft. Auch 2020 sei kein einziger neuer Kilometer hinzugekommen, hob Flege hervor.

          Gleichzeitig seien die Verkehre deutlich gewachsen: der Personenverkehr demnach um 41 Prozent im selben Zeitraum, der Güterverkehr um 83 Prozent. „Auf dem deutschen Schienennetz wird es immer enger. An neuralgischen Punkten ist das Gedrängel längst unerträglich.“

          Die Deutsche Bahn hatte erst kürzlich angekündigt, in diesem Jahr eine Rekordsumme von rund 12,7 Milliarden Euro ins Schienennetz investieren zu wollen. Bund, Länder und Konzern hatten sich 2019 auf Milliardeninvestitionen geeinigt, die die Ausgaben vorangegangener Jahre deutlich überschreiten. Vor allem bei digitalen Techniken entlang der Strecke sowie bei den Stellwerken will die Bahn zügig vorankommen.

          Allerdings fließe das Geld fast ausschließlich in Modernisierung und Erhalt des bestehenden Streckennetzes, monieren Kritiker. Das Gleisnetz in Deutschland umfasst derzeit rund 33.000 Kilometer. „Mit den geltenden Haushaltsplänen kann die Schrumpfung des Schienennetzes gestoppt, aber nicht umgekehrt werden“, warnte Flege.

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