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Günstiges Darlehen : Wulff profitiert von Investitionen des Landes Niedersachsen

In Burgwedel: Das Privathaus von Christian Wulff Bild: REUTERS

Die günstigen Zinsen, die Bundespräsident Christian Wulff für sein Darlehen bei der BW-Bank bezahlen musste, resultieren nach F.A.Z.-Informationen auch aus Investitionen in sein Haus, die vom Land Niedersachsen getätigt wurden.

          Die überraschenden Zinssätze, die Bundespräsident Christian Wulff für sein Darlehen bei der BW-Bank bezahlen musste, resultieren unter anderem auch aus Investitionen in sein Haus, die vom Land Niedersachsen getätigt wurden. Für die Sicherheit des damaligen Ministerpräsidenten habe das Land in sein Privathaus zusätzliche Sicherheitseinrichtungen eingebaut und dafür 850.000 bis 900.000 Euro bezahlt, heißt es in Kreisen der BW-Bank - für Einbauten wie etwa einen Panikraum oder schusssichere Fensterscheiben.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Durch diese Investitionen sei der Wert des Hauses deutlich gestiegen, und nur deshalb habe Wulff einen Kredit über 500.000 Euro zu extrem günstigen Konditionen bekommen können, obwohl er selbst für die Immobilie nur 415.000 Euro bezahlt hat. „Auf diese Weise ist Wulff deutlich besser gestellt worden, als wenn nur die üblichen Renovierungen auf den Wert angerechnet worden wären“, heißt es in eingeweihten Kreisen in Stuttgart.

          Den Zusammenhang zwischen den öffentlich finanzierten Investitionen in Wulffs Haus und den niedrigen Zinsen dementieren weder die BW-Bank noch Wulffs Anwälte, die beide schriftlich Stellung nahmen. „Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir aus Sicherheitsgründen zu den Sicherungsmaßnahmen im Haus in Burgwedel keine Auskünfte erteilen“, erklärte Wulff-Anwalt Gernot Lehr auf Anfrage.

          Dem Bundespräsidenten lägen im Übrigen „keine Informationen zu den bankinternen Ermittlungen des Beleihungswerts und der Einschätzung seiner Bonität durch die Bank vor“, weil es sich bei dem Wertgutachten der BW-Bank um eine bankinterne Unterlage handele. Die BW-Bank nennt zu dem Vorgang keine Details und beruft sich dabei auf das Bankgeheimnis: „Insofern können wir auch zu dem von Ihnen genannten Wertzuwachs keine Stellung nehmen. Wir weisen jedoch darauf hin, dass sich nach umfangreichen Renovierungsarbeiten und erheblichen Investitionen in das Gebäude im März 2010 ein über der Darlehenssumme liegender Beleihungswert ergab.“

          „Wer will schon in so einem bunkerartigen Bau leben“

          Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurden von den Investitionen des Landes Niedersachsen 250.000 Euro bei der Wertermittlung des Hauses angerechnet. Der so angenommene Wertzuwachs liegt schon deshalb unter den tatsächlichen Investitionen, weil einiges von den Sicherheitseinbauten für einen potentiellen Immobilienkäufer nicht relevant ist - vor allem in einem Ort wie Großburgwedel, der kaum 10.000 Einwohner hat.

          Vielleicht, so mutmaßt man in Kreisen des Bank-Aufsichtsrats, ist selbst der Betrag von 250.000 Euro schon allzu großzügig veranschlagt: „Wer will schon in so einem bunkerartigen Bau leben.“ Die BW-Bank erklärt dazu: „Der Wert der Immobilie wurde von einem zertifizierten internen Gutachter ermittelt. Dieser ist unabhängig von der Kreditentscheidung und verfügt über die notwendige Berufserfahrung sowie Fachkenntnisse für Beleihungswertermittlungen.“

          Die BW-Bank gab Bundespräsident Christian Wulff einen Kredit - und steht nun im Fokus der Öffentlichkeit

          Zum Thema Immobilienfinanzierung hatte Wulff in seinem Fernsehinterview den Eindruck erweckt, als habe er selbst 40 Prozent Eigenkapital eingebracht, in dem er von einer „60-Prozent-Finanzierung“ sprach und über die Arbeit der Bank erklärte: „Und bei dieser Sicherheitslage, die ich natürlich nachgewiesen habe mit all den Unterlagen, mit einem Sachverständigengutachten über das Haus, was sie haben anfertigen lassen, gibt’s dann diesen Zinssatz, angekoppelt an den Geldmarktzins.“

          Irritationen gibt es in Kreisen der Landesbank Baden-Württemberg, zu der die BW-Bank gehört, auch über die Darstellung des Bundespräsidenten über die Geschäftsanbahnung. „Die BW-Bank war Bank von Herrn Geerkens“, erklärte Wulff im Fernsehen - als ob Geerkens dort zuvor schon ein bedeutender Kunde gewesen sei.

          Der Fall ist für die BW-Bank doppelt belastend

          In Stuttgart wird der Fall anders dargestellt: „Herr Geerkens hat mit einer größeren Summe gewinkt, die er im Wealth-Management der BW-Bank anlegen wollte.“ Daraus sei aber nie etwas geworden, heißt es in Bank-Kreisen. Mit den Details zu dem Geschäft mit Wulff hat sich nun auch der Vorstand der BW-Bank befasst, der zuvor offenbar nicht eingebunden war, weil die Höhe des Kredits das nicht erforderte. In einer Sitzung am 13. Februar wird sich der Prüfungsausschuss der LBBW mit dem Fall befassen, am 23. Februar dann der Aufsichtsrat.

          Für die BW-Bank ist der Fall in zweierlei Hinsicht belastend: Zum einen melden sich wütende Kunden, die trotz guten Verdienstes deutlich höhere Zinsen für ihre Hypothek zahlen müssen. Zum anderen zeigen sich vermögende Kunden irritiert über so viel Öffentlichkeit. Rein bankwirtschaftlich gesehen, birgt der Wulff-Kredit wohl keinerlei Risiko: Als Bundespräsident steht ihm lebenslang ein Ehrensold in Höhe der Amtsbezüge zu.

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