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Umstrittenes Rentenmodell : Grundrente schließt vor allem Frauen im Westen aus

Eine Rentnerin blickt aus dem Fenster. Bild: Mauritius

Im Osten haben die meisten Männer und Frauen 35 Jahre gearbeitet. Viele dürfen nun auf Zuschläge hoffen. Frauen im Westen gehen allerdings leer aus. CDU und CSU folgen bisher einem anderen Modell als Sozialminister Heil.

          Union und SPD verfolgen unterschiedliche Konzepte zur Aufstockung von Renten für Geringverdiener. In einem stimmen diese aber überein: Vor allem im Osten könnten viele Menschen davon profitieren. Dies liegt weniger am insgesamt niedrigeren Lohnniveau im Osten – sondern daran, dass dort besonders viele Versicherte die Bedingung erfüllen, mindestens 35 Jahre beitragspflichtig gearbeitet zu haben.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Dagegen hätten im Westen vor allem Frauen schlechte Karten, da dort nur wenige lange genug gearbeitet haben. Das zeigt eine Analyse der Deutschen Rentenversicherung.

          In der Altersgruppe von 55 bis 59 Jahren haben demnach 63 Prozent der Frauen im Osten, aber nur 32 Prozent im Westen die 35 Beitragsjahre schon beisammen. Unter den Männern dieser Altersgruppe sind es 61 Prozent im Osten und 48 Prozent im Westen – während oft vermutet wird, dass durch die hohe Arbeitslosigkeit im Osten in den neunziger Jahren dort nur wenige auf eine ausreichend lange Zeit der Beitragszahlung kommen.

          CDU und CSU haben Alternativvorschlag

          Das umstrittene Grundrenten-Modell von Sozialminister Hubertus Heil (SPD) sieht vor, den individuellen Anspruch auf gesetzliche Rente automatisch um bis zu 450 Euro im Monat heraufzusetzen, wenn jemand in 35 Beitragsjahren weniger als 0,8 sogenannte Entgeltpunkte je Jahr gesammelt hat. 0,8 Entgeltpunkte bedeuten, dass man im betrachteten Jahr 80 Prozent des allgemeinen Durchschnittslohns erzielt und entsprechende Rentenbeiträge gezahlt hat. Ob jemand bedürftig ist, würde mit Heils Modell nicht geprüft.

          Das von CDU/CSU bisher unterstützte Modell aus dem Koalitionsvertrag sieht dagegen vor, Beziehern von Altersgrundsicherung – Rentnern, die bedürftig sind – einen Zuschlag von 10 Prozent zu zahlen, falls sie mindestens 35 Beitragsjahre haben. Wie die Analyse der Rentenversicherung zeigt, haben auch die heute jüngeren Versicherten im Osten keine kürzeren Beitragszeiten als im Westen: Unter den 35- bis 39-Jährigen, die erst nach 2040 die Rente erreichen, haben Männer in Ost wie West durchschnittlich bisher 18 Jahre angesammelt, Frauen hier wie dort 17 Jahre.

          Frauen im Westen kommen nicht über die Schwelle

          Zugleich liefert die Analyse aber auch Anhaltspunkte, welche Rentenansprüche Versicherte in Ost und West, je Jahr gerechnet, bisher erworben haben: Im Osten liegen in der Altersgruppe über 45 Jahren Männer wie auch Frauen, zumindest im Durchschnitt, durchweg über der Grenze jener 0,8 Entgeltpunkte je Jahr. Die Spanne reicht von durchschnittlich 0,85 Punkten unter den 45- bis 49-Jährigen bis 0,96 unter den 60- bis 64-Jährigen. Im Westen liegen jedoch nur die Männer klar über der Schwelle; sie erreichen im Durchschnitt rund 1,0 Punkte je Jahr. Frauen über 45 kommen dort aber nur auf 0,76.

          Was das im Einzelfall in Euro und Cent bedeutet, hängt von der Zahl der Beitragsjahre ab. Einen Hinweis liefert die Bruttostandardrente. Sie zeigt an, was herauskommt, falls man in 45 Jahren stets genau einen Punkt je Jahr erworben hat. Das sind derzeit gut 1400 Euro. Insgesamt legt die Analyse nahe, dass das Ausmaß an Altersarmut im Osten in den kommenden 20 Jahren weniger rasant zunehmen dürfte als oft vermutet wird.

          Die Spitzen von Union und SPD wollten am Mittwochabend im Koalitionsausschuss neben anderen Themen auch ihren Konflikt über die Grundrente besprechen. Ergebnisse dazu seien von dem Treffen aber nicht zu erwarten, hieß es im Vorfeld. Minister Heil will im Frühjahr einen Gesetzentwurf zur Grundrente vorlegen.

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