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Gründung ohne Größenwahn : Starbatty sieht geringe Chancen für Anti-Euro-Partei

Joachim Starbatty Bild: Eilmes, Wolfgang

Die neue Anti-Euro-Partei wird es bei der Bundestagswahl schwer haben, prognostiziert Mitinitiator Starbatty. Zu stark sei die Bindung an die etablierten Parteien.

          Der Euro-Kritiker Joachim Starbatty hat die Erfolgsaussichten der neuen Antieuropartei skeptisch beurteilt. Die Neugründung werde es schwer haben, die ausgeprägte Bindung der Menschen zu den Altparteien zu lösen, sagte der emeritierte Professor für Volkswirtschaftslehre, als er am Mittwoch sein Buch „Tatort Euro“ in Berlin vorstellte. Im künftigen Präsidium der „Alternative für Deutschland“ säßen nur Intellektuelle. „Wie soll die Partei innerhalb eines halben Jahres den institutionellen Unterbau schaffen, um bei Wahlen antreten zu können?“, fragte Starbatty. Er selbst werde in seinem Alter nicht mehr eine Partei mitgründen, aber beratend zur Seite stehen, wenn er gefragt werde, und die Partei wählen, wenn sie zur Bundestagswahl antreten werde.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Der Ökonom warb für eine ehrliche Bestandsaufnahme der Defizite im Euroraum. Nach der Wahl in Italien zeichne es sich ab, dass das Land nicht mehr bereit sei, mit harten Maßnahmen seine Finanzen zu sanieren und seine Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Andere Länder wie Spanien und Irland dürften diesem Vorbild folgen. Die Strategie von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit Geld Zeit für Reformen zu kaufen, sei gescheitert. Die Europäische Zentralbank werde sich nicht an ihre Zusicherung halten können, nur Anleihen von Länder aufzukaufen, die strenge Auflagen einhielten, da sie mit allen Mitteln den Euro verteidigen wolle. Starbatty warnte vor den Folgen einer aufgeblähten Geldmenge. Dies werde zu gefährlichen Blasen auf den Märkten für Aktien, Immobilien, Kunst und Rohstoffen führen.

          Er empfiehlt in seinem Buch mit dem Untertitel „Bürger, schützt das Recht, die Demokratie und euer Vermögen“ den Griechen: aus dem Euro austreten und über eine massive Abwertung die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Die in der Rezession fehlende inländische Nachfrage werde dann durch ausländische ersetzt. Eine staatliche Garantie für die Spareinlagen könne Vertrauen in der Bevölkerung schaffen.

          Nach einem Austritt aus dem Euro werde das Land zumindest einen Teil seiner Schulden zurückzahlen können. Bleibe es im Euro, „dann fließt nichts zurück“. Die Hilfskredite wertet er als „gemeinschaftliche Konkursverschleppung“. Das Ausscheiden weiterer Länder hält er für möglich. Die Länder, die in der konsolidierten Eurozone blieben, könnten mit einer Aufwertung rechnen. Zwar würden die Steuerzahler belastet, da weniger Geld zurückkäme. „Verglichen mit den Belastungen, wenn die Politiker auf dem Irrweg weiter voranschreiten, kommen sie aber noch glimpflich davon.“

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