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Britisches Verbrenner-Aus : Unnötig teure Revolution

  • -Aktualisiert am

Boris Johnson Bild: AP

Die britische Regierung will keine neuen Benzin-Autos ab 2030 mehr zulassen. Das trifft besonders die ärmere Bevölkerung, die sich nicht so einfach einen schicken Tesla leisten kann.

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          Mit den üblichen bombastischen Worten wird in Großbritannien die „Grüne Industrielle Revolution“ ausgerufen. Die größte Überraschung ist, dass Boris Johnson ein Verbot der Neuzulassung von Benzin und Dieselautos schon 2030, also in etwas mehr als neun Jahren, durchsetzen will.

          Vertreter der britischen Autoindustrie können ihr Entsetzen nur schwer verbergen und sprechen von „immensen Herausforderungen“; die restlichen Wirtschaftsverbände haben sich ganz dem Sprech angepasst, dass der ambitionierte Übergang zu einer CO2-Netto-Null-Wirtschaft „große Chancen“ biete. In Wahrheit wird es äußerst teuer.

          Besonders und unnötig teuer wird es, wenn man mit Verboten und Geboten statt mit Marktmechanismen arbeitet. Großbritannien hat seinen fast vollständigen Ausstieg aus der Kohleverstromung vergleichsweise kostengünstig geschafft – weil es mit Preissignalen gearbeitet hat, einem Kostenzuschlag auf die CO2-Emissionszertifikate.

          Den Verkehrssektor aufnehmen

          Auch den Verkehrssektor könnte und sollte man in den Emissionshandel aufnehmen. Dann würden die Emissionen genau dort gespart, wo die Vermeidungskosten am niedrigsten sind verglichen mit anderen Bereichen. Das würde die volkswirtschaftlichen Kosten so gering wie möglich halten.

          Stattdessen setzt nun der Staat ein starres Datum, ab dem das Fallbeil für die Benziner und Diesel niedergeht. Das trifft besonders die ärmere Bevölkerung, die sich nicht so einfach einen schicken Tesla leisten kann. Elektrofahrzeuge sind bislang noch etwa zehntausend Pfund teurer als vergleichbare Verbrenner. Obwohl der Staat eine relativ stattliche Subvention von bis zu dreitausend Pfund zahlt, ist der Marktanteil der E-Autos in Großbritannien wie anderswo bislang gering.

          Nur auf gut fünf Prozent ist er auf der Insel inzwischen gestiegen. Hoffnung kann man haben, dass die Herstellungskosten für die Batteriezellen, den größten Kostenblock, in den kommenden Jahren stark sinken. Dann könnte die grüne Welle auf der Insel günstiger werden.

          Dass die Johnson-Regierung nun zum Liebling links-grüner Kreise in Europa aufsteigt, ist trotz ihres Verbrennerverbotskurses nicht zu erwarten, denn zu ihrer „Grünen Industriellen Revolution“ in Britannien gehört auch das Bekenntnis zur Atomkraft als wichtiger CO2-freier und verlässlicher Energiequelle.

          Die Nutzung der Kernkraft gilt auf der Insel – sowohl bei den Tories als auch in der Labour-Partei – als akzeptierte und zukunftsfähige Energie- und Klimapolitik. Hierhin ist die britische Politik weniger ideologisch als die Berliner.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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