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Klimapolitik : Großbritannien will 2035 keine Benzin- und Dieselautos mehr zulassen

  • Aktualisiert am

Autos auf der britischen Autobahn M5 bei Somerset Bild: dpa

Neue Benzin- und Dieselautos sollen in 15 Jahren von Großbritanniens Straßen verschwinden. Damit will das Land seine CO2-Emissionen senken.

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          Großbritannien will ab 2035 keine neuen Diesel-, Benzin- und Hybrid-Autos mehr zulassen. Das Aus für diese Fahrzeuge werde damit um fünf Jahre vorgezogen, kündigte Premierminister Boris Johnson laut Manuskript für eine Rede an, die er am Dienstag halten wollte. „So wie wir unser Konzept für Null-Emissionen im Jahr 2050 in diesem Jahr entwickeln werden, so wollen wir auch andere Staaten auf dieses Ziel verpflichten.“

          Bislang galt 2040 als spätestes Datum. Kritiker hatten aber darauf hingewiesen, dass Großbritannien dann nicht mehr sein Ziel erreichen könnte, bis 2050 seinen Beitrag zur Klimaerwärmung auf Null zu senken. Auch Hybrid-Autos sind von der neuen Frist betroffen. In Großbritannien sind derzeit noch 90 Prozent der Neuzulassungen Diesel oder Benziner.

          Norwegen plant schon vom Jahr 2025 an, nur noch Autos ohne CO2-Emissionen zuzulassen. Frankreich will Autos mit Verbrennungsmotoren ab 2040 nicht mehr genehmigen und liegt damit nun fünf Jahre hinter Großbritannien.

          Wie lässt sich der Pariser Klimavertrag einhalten?

          Viele Städte in Großbritannien leiden unter schlechter Luft, besonders London. Die Schadstoffe sind auch eine unmittelbare Gefahr für die Gesundheit der Menschen. Londons Bürgermeister Sadiq Khan bezeichnete einmal die Luft in der Hauptstadt als „Killer“ .

          Bei der Auftaktveranstaltung für die im November stattfindende Uno-Klimakonferenz COP26 im schottischen Glasgow forderte Johnson andere Länder auf, sich Großbritannien anzuschließen und sich zur Klimaneutralität bis 2050 zu verpflichten. "Das ist es, was wir von Glasgow wollen", sagte der Premierminister.

          Auf der Weltklima-Konferenz soll sich die Staatengemeinschaft auf ehrgeizigere Ziele verpflichten, um den Pariser Weltklimavertrag zu erfüllen. „Es gibt keine größere Verantwortung als unseren Planeten zu schützen“, sagte Johnson. Er traf mit dem Umweltschützer und Naturfilmer David Attenborough (93) am Dienstag Schulkinder im Wissenschaftsmuseum in London. Danach sprachen sie mit Klimafachleuten und Politikern. Johnson forderte in Glasgow auch eine Umkehr beim "verheerenden Verlust an Lebensräumen und Arten".

          Vor der Konferenz gab es in Großbritannien Ärger: Die frühere Klima- und Energie-Staatssekretärin Claire O'Neill war in der vergangenen Woche von Johnson als Präsidentin des Treffens geschasst worden. Sie wehrte sich gegen die Entscheidung in einem Brief an ihn, aus dem am Dienstag die „Financial Times“ zitierte. O'Neill wirft Johnson Mangel an Führungsqualitäten vor. Ihr Nachfolger soll Berichten zufolge nächste Woche bestimmt werden.

          Luftfahrt will auch klimaneutral werden

          Großbritannien hat sich verpflichtet, bis 2050 klimaneutral zu werden. Auch die britische Luftfahrtindustrie verpflichtete sich am Dienstag zu diesem Ziel. Es wird von der Organisation „Sustainable Aviation“ unterstützt, zu der der Londoner Flughafen Heathrow, die Fluggesellschaften British Airways und EasyJet, die Hersteller Airbus und Boeing sowie der Triebwerkshersteller Rolls-Royce gehören. Mit der Verpflichtung sichern die Unternehmen zu, trotz des zu erwartenden Wachstums des Luftverkehrs um 70 Prozent bis 2050 das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen.

          Der Sektor setzt auf den Einsatz effizienterer und weniger energie-intensiver Flugzeuge sowie Motoren und auf die Verwendung von weniger klimaschädlichen Treibstoffen. Jedoch sind die Technologien teilweise noch nicht vorhanden. Umweltschutzorganisationen werfen der Luftfahrtbranche Augenwischerei vor, denn ein großer Teil des Klimaneutralitätsziels soll durch die Unterstützung von grünen Projekten, insbesondere im Bereich der Wiederaufforstung oder der erneuerbaren Energien, erreicht werden.

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