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Großbritannien : Wettbewerbshüter nehmen britische Privatschulen ins Visier

Auch Prinz Harry besuchte Eton Bild: PA

Sie sind traditionsbewußt, exklusiv, konservativ - und teuer. Großbritanniens Privatschulen sollen ihre Preise abgesprochen haben. Manche Schulen haben Jahreseinkommen von über 15 Millionen Pfund.

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          Sie sind traditionsbewußt, exklusiv, konservativ - und teuer. Großbritanniens Privatschulen gehören zu den uralten Institutionen des Königreiches, die auch im Ausland ihre Anziehungskraft verbreiten. 16 000 der rund 600 000 Kinder auf britischen Privatschulen stammen aus dem Ausland, darunter auch viele deutsche Schüler, die unter den kontinentaleuropäischen Ländern die Rangliste anführen. Nun aber drohen Vorwürfe der Kartellbildung dem Ruf der britischen Privatschulen zu schaden: Die britische Wettbewerbsaufsicht Office of Fair Trading (OFT) ermittelt wegen des Verdachts der Preisabsprachen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Im Mittelpunkt der Affäre stehen ausgerechnet die berühmtesten Häuser wie Eton, Winchester, Westminster, Harrow und Marlborough. Schon im April dieses Jahres hatte die "Sunday Times" über den Vorwurf der Preisabsprachen berichtet. Ende Juni begann das OFT die offizielle Untersuchung gegen vier Schulen, darunter Eton, Winchester und Westminster sowie eine Schule in Manchester. Nach Angaben des "Sunday Telegraph" hat das OFT die Untersuchung inzwischen auf 700 Schulen ausgeweitet - eine Angabe, die die Behörde wie üblich nicht kommentieren will.

          Auffällige Erhöhungen

          Den Wettbewerbshütern ist aufgefallen, daß viele Privatschulen ihre Gebühren seit geraumer Zeit in sehr ähnlicher Weise erhöhen. Vor allem die Varianz der Steigerungen bewegt sich in engen Bandbreiten. Das fällt in diesem Jahr um so mehr ins Gewicht, als der durchschnittliche Anstieg der Gebühren rund 10 Prozent beträgt. In den vergangenen zehn Jahren addiert sich das Plus sogar auf 56 Prozent. Die Schulen verteidigen sich mit dem Hinweis auf viele staatlich verursachte Kostensteigerungen, etwa eine Anhebung der Beiträge zur Rentenversicherung der Lehrer um fast 50 Prozent sowie die allgemeine Erhöhung der staatlichen Sozialversicherungsbeiträge im April dieses Jahres.

          Die Spitzenschulen verlangen je Schüler inzwischen mehr als 20 000 Pfund im Jahr (30 000 Euro), wenn dieser kein Stipendium erhält. Darin ist Unterbringung und Verpflegung enthalten, wie im Fall von Eton aber noch nicht der Ruderklub und der Musikunterricht. Die Bandbreite ist allerdings groß: Nach Angaben des Dachverbandes Independent Schools Council (ISC), in dem die Hälfte der 2400 britischen Privatschulen organisiert ist, rangiert die billigste Schule für die 11 bis 18 Jahre alten Schüler mit Grundgebühren von 6000 Pfund im Jahr. Am oberen Ende der Bandbreite gleichen die Einrichtungen dagegen etablierten mittelständischen Unternehmen mit Jahreseinnahmen von mehr als 15 Millionen Pfund.

          Branchenvergleich

          85 Prozent der Privatschulen haben den Status von nicht gewinnorientierten Stiftungen. "Doch sie werden wie Unternehmen geführt und unterliegen den gleichen Wettbewerbsgesetzen wie andere Unternehmen", sagt ein Sprecher der Kartellbehörde OFT. Die Vertreter der Privatschulen geben offen zu, daß sie gegenseitig Informationen über die Gebührensetzung austauschten. Viele E-Mails und andere Schriftdokumente, die nun in den Zeitungen erschienen, bestätigen dies. Ein Blick auf andere Schulen müsse zulässig sein, um zu sehen wie man sich in der Branche vergleiche, heißt es. Die Behörde muß nach Auskunft von Wettbewerbsrechtlern nun nachweisen, daß die Schulen in der Preissetzung gemeinsame Sache gemacht haben und die Preise beispielsweise abgesprochen haben.

          Die Angriffe treffen auf einen Club von verschwiegenen Organisationen, die es nicht gewohnt sind, im Mittelpunkt von öffentlichen Kontroversen zu stehen. Beim Eton College in Windsor verliest die Sekretärin des Direktors gegenüber Journalisten eine vorgefertigte Stellungnahme, nach der man mit der Wettbewerbsaufsicht kooperiere, aber darüber hinaus keine Auskunft gebe. Die Tageszeitung "Times" meldete, daß die Schulen Eton und Winchester den Wettbewerbshütern einen Handel angeboten haben, nach dem sie gegen ein Geständnis und die Offenlegung aller Dokumente eine geringere Bestrafung erhalten. Maximal könnten die Schulen drei Jahre lang jeweils 10 Prozent ihres Umsatzes an Strafe zahlen müssen.

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