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Mit Australien : Der erste große Post-Brexit-Pakt steht

Boris Johnson (rechts) und sein australischer Amtskollege Scott Morrison Bild: EPA

Großbritannien schließt ein Freihandelsabkommen mit Australien und hofft auf noch mehr: eine Mitgliedschaft in der größten Freihandelszone der Welt.

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          Großbritannien und Australien schließen ein Freihandelsabkommen, das die Zölle auf die meisten Waren abschafft, aber für landwirtschaftliche Produkte längere Übergangsfristen vorsieht. Premierminister Boris Johnson kündigte den Pakt am Dienstag in London gemeinsam mit seinem australischen Amtskollegen Scott Morrison an. Für die Regierung Johnson ist der Vertrag mit Australien das erste große und neue Freihandelsabkommen seit dem Brexit, das nicht weitgehend auf bestehenden EU-Handelsverträgen aufbaut wie das Abkommen mit Japan

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die Regierung will signalisieren, dass sie „Global Britain“ als Ziel ernst nimmt. Johnson sprach von einer „neuen Morgenröte in unseren Beziehungen mit Australien“. Im vergangenen Jahr betrug das beidseitige Handelsvolumen knapp 14 Milliarden Pfund (16 Milliarden Euro). Die Briten freuen sich, zollfrei Whisky, Autos, Maschinen, Pharmazie und Süßwaren nach „Down Under“ exportieren zu können. Umgekehrt hoffen die Australier vor allem Agrarprodukte, Nahrungsmittel und Wein nach Britannien zu liefern. Für landwirtschaftliche Güter wird aber für 15 Jahre eine Obergrenze mit Quoten für zollfreien Handel gelten. Dies geschieht auf Druck britischer Landwirte, die fürchten, ihr Markt werde überschwemmt mit billigem Rindfleisch und Schafsfleisch von australischen Großfarmen.

          Zugang zur Trans-Pazifischen Partnerschaft?

          Johnson und Morrison präsentierten sich in London vor Einkaufswägen mit Produkten aus ihren Ländern, darunter australischer Rotwein und Schokokekse (von TimTam) und britische Schokokekse (von Penguin). Mit einer prognostizierten Zunahme des britisch-australischen Handels um rund 900 Millionen Pfund (gut eine Milliarde Euro) ist die wirtschaftliche Bedeutung des Pakts überschaubar.

          Handelsministerin Liz Truss sagte, das Abkommen mit Australien ebne den Weg für eine britische Mitgliedschaft in der Trans-Pazifischen Partnerschaft (CPTPP), die elf Nationen von Australien und Chile über Mexiko bis Kanada, Japan und Singapur bis Vietnam mit insgesamt fast 500 Millionen Einwohnern umfasst. Dies sei die größte Freihandelszone mit 9 Billionen Pfund Handelsvolumen und öffne den Zugang zu einigen der größten Konsumentenmärkten der Welt.

          Nach dem Ende der Brexit-Übergangsfrist zum Jahreswechsel ist der Handel Großbritanniens mit der EU, dem mit Abstand größten Handelspartner der Briten, erschwert worden. Zwar gibt es keine Zölle, aber Kontrollen und mehr Bürokratie. Das Handelsvolumen im ersten Quartal 2021 war ein gut ein Fünftel niedriger als in früheren Jahren. Viele Exporteure klagen über den höheren bürokratischen Aufwand durch die neue Handelsgrenze.

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