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Großbritannien : Lockruf nach dem Kapital

  • Aktualisiert am

London: Anspruch auf Umverteilung fehlt Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Großbritannien kennt keine Reichensteuer. Im Gegenteil, das Steuersystem war lange dafür bekannt, daß es viele Schlupflöcher ließ. Doch auch im Vereinigten Königreich weitet sich das Defizit aus.

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          Großbritannien kennt keine Reichensteuer. Im Gegenteil, das Steuersystem war lange dafür bekannt, daß es viele Schlupflöcher ließ, die es für Reiche attraktiv machten, im Vereinigten Königreich veranlagt zu sein.

          Zwar liegt der Höchststeuersatz bei 40 Prozent und ist bereits bei einem Jahreseinkommen von mehr als 32.400 Pfund (rund 48.000 Euro) anzuwenden. Großbritannien bietet jedoch den Steuerstatus des "Domicile non resident". Dies bedeutet, daß vor allem reiche Ausländer und selbst Briten unter bestimmten Bedingungen nur mit ihrem Einkommen versteuert werden, das sie in das Land einführen.

          Steueraufkommen mit schärferen Kontrollen erhöhen

          Einkommen, das im Ausland bezogen wird oder auf Konten der Offshore-Kanalinseln anfällt, unterliegt nicht der Einkommensteuer. Dies wurde selbst in der Londoner City lange als Konstrukt benutzt, um etwa Investmentbankern auf den Kanalinseln Teile ihres Gehaltes zu zahlen.

          Seit sich jedoch das Haushaltsdefizit unter Finanzminister Gordon Brown ausweitet, haben die Finanzbehörden die Möglichkeiten zur Steuerersparnis deutlich eingeschränkt. Mit zunehmender Härte kontrolliert der Staat die Steuererklärungen. Browns Ziel will nicht über Steuererhöhungen, sondern über schärfere Kontrollen das Steueraufkommen erhöhen.

          Erbschaftsteuer auf 40 Prozent begrenzt

          Dennoch zeichnet sich Großbritannien dadurch aus, daß der Anspruch der Umverteilung fehlt. Im April wird gar eine neue Regelung der Self-Invested Pension Plans (SIPPs) in Kraft treten: Vermögensgegenstände können in private Pensionsfonds überführt und dort steuerfrei gehalten werden.

          Wer Mietobjekte und sogar kostbare Autos, Weinsammlungen oder sonstige Kollektionen als Wertansammlung für seine Altersvorsorge in seinen eigenen Pensionsplan überführt, gewinnt einen Steuervorteil. So können Reiche zum Beispiel Immobilien - auch Villen am Mittelmeer - einbringen, die Immobilien bis auf die Zeit des Eigengebrauchs vermieten und diese Miete dann steuerfrei einnehmen. Die Erbschaftsteuer ist nach einem steuerfreien Sockelbetrag von 275.000 Pfund auf 40 Prozent begrenzt.

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